Die Reportage

Dialog statt Konfrontation

Sonntag, 28. Mai 2017, 06:30 bis 07:00 Uhr, NDR Info

Mähdrescher fahren über das Feld. © dpa-Bildfunk Fotograf: Bernd Wüstneck

Dialog statt Konfrontation

NDR Info -

Die landwirtschaftliche Nutzfläche rund um Greifswald gehört u.a. der Stadt, der Uni und der Kirche: sie haben sich zur Greifswalder Agrarinitiative zusammengeschlossen.

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Die Greifswalder Agrarinitiative
Von Brigitte Lehnhoff

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Die Ideengeber: Thomas Beil (v.l.) und Michael Succow.

Mecklenburg-Vorpommern im Frühling: weiter Ostseestrand, blauer Himmel und weiße Wolken, grüne Felder und leuchtend gelber Raps, mittendrin schlanke Windräder, munteres Vogelkonzert. Doch die naturnahe Idylle trügt. Dafür gibt es deutliche Warnsignale. Zum Beispiel Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen und speichern können. Die industrialisierte Landwirtschaft trägt daran zumindest einen Anteil. 2002 beschloss daher die damalige Landesregierung ein Bodenschutz-programm. Das ist aber bis heute nicht umgesetzt. Die Michael Succow-Stiftung in Greifswald sucht daher einen anderen Weg. Ihren Sitz haben die Naturschützer innenstadtnah in einer alten Villa. Dort, im Konferenzraum des Stiftungshauses, legt Diplombiologe Thomas Beil sein Konzept aus. "Wir sehen jetzt hier auf dieser Karte dargestellt landwirtschaftliche Nutzfläche, also hier geht’s um Acker und um Grünland im Eigentum von fünf großen Landeigentümern rund um Greifswald. Das sind jetzt besondere Eigentümer: die Stadt, die Universität, eine stadtnahe Stiftung und die Kirche und wir als Michael-Succow-Stiftung haben auch noch ein bisschen Eigentum."

Wie lassen sich Konflikte lösen?

Auf Anregung der Michael Succow Stiftung haben diese drei Eigentümer sich zur Greifswalder Agrarinitiative zusammengeschlossen. Das Ziel: auf dem eigenen Land die Vielfalt der Arten stärker schützen und die natürliche Bodenfruchtbarkeit verbessern. Die Devise: Dialog statt Konfrontation. Denn Eigentümer und Landpächter verfolgen oft unterschiedliche Interessen. Wie lassen sich Nutzungsfragen klären und Konflikte lösen?

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Liegt die Zukunft in regional ausgerichteter solidarischer Landwirtschaft oder in global orientierter industrialisierter Landwirtschaft?

Kemnitzerhagen, nur wenige Autominuten von Greifswald entfernt, auf dem Hof von Familie Kurowski. Dort ist gerade Nathalie Soethe eingetroffen. Die Agraringenieurin ist Mitarbeiterin des Instituts für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifswald. Sie hat große Papiertüten mit Saatgut dabei. Die Mischung soll zwei Effekte erzielen: Wildkräuter wieder ansiedeln und einen Tummelplatz für Wildbienen schaffen, von denen etliche Arten schon ausgestorben sind. Speziell um Honigbienen geht es bei einem weiteren Experiment. Wie das konkret ablaufen soll, wollen die Wissenschaftlerin und die Landwirtin auf dem ausgesuchten Acker besprechen.

Könnte die Initiative ein Vorbild für andere öffentliche Landeigentümer sein?

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Die Greifswalder Agrarinitiative soll Bienen, Imkern und Landwirten nützen.

Nathalie Soethe zieht aus einem Umschlag zwei weiße Gazebeutelchen und stülpt sie probehalber über Blütenstände. Die Bienen sollen so daran gehindert werden, die Blüten zu bestäuben. Bei der Ernte wird es dann spannend. Werden die Bienen dazu beitragen, dass die nicht abgedeckten Pflanzen einen höheren Ertrag bringen? Katharina Kurowski meint dazu: "Mich interessiert ganz besonders, ob wir hier an diesem Standort, wo so viel Wind ist, tatsächlich Bestäubungsleistungen der Bienen, so wie wir das aus Süddeutschland kennen, auch hier erfahren werden, das finde ich richtig spannend. Und dann freut mich ganz besonders, dass wir hier mit dem Berufsimker auch noch so ein paar Nebeninformationen kriegen, die für uns interessant sind, nämlich das Flugverhalten der Bienen und damit natürlich auch unsere Pflanzenschutzmaßnahmen ein bisschen regulieren können."

Die Versuche der Agrarinitiative sind so angelegt, dass alle Beteiligten davon profitieren können. In diesem Fall die Bienen, der Imker und der landwirtschaftliche Betrieb. Könnte die Initiative gar Vorbild für andere öffentliche Landeigentümer sein?

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Dialog statt Konfrontation

28.05.2017 06:30 Uhr

Das Manuskript der NDR Info Reportage "Dialog statt Konfrontation - Die Greifswalder Agrarinitiative" als PDF. Download (146 KB)