Stand: 18.09.2017 16:17 Uhr

Zypern ist das EU-Pass-Paradies

In Zypern kann man sich, so ist Medienberichten zu entnehmen, einen EU-Pass kaufen. Der Preis ist für Reiche ein Klacks: Zweieinhalb Millionen Euro müssen in zyprische Unternehmen oder Staatsanleihen investiert werden - oder man kauft für zwei Millionen Euro eine Immobilie.

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Geld regiert die Welt, das ist ja nichts Neues ...!

Wahlkampfzeiten sind ja Zeiten, in denen die Begriffe Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit eine große Rolle spielen. Egal, wie unrealistisch oder falsch die Aussagen einer Kandidatin oder eines Kandidaten auch sind, glaubwürdig, auch authentisch sind sie auf jeden Fall, jedenfalls aus Sicht der Kandidaten.

Vor allem Russen investieren

Da passt das, was wir jetzt aus Zypern hören. Dort betreibt die Regierung einen offenbar einträglichen Handel mit EU-Pässen. Mit sogenannten Goldenen Pässen. Golden, weil diese Pässe ordentlich Geld in die Kasse spülen. Vier Milliarden Euro waren es laut der britischen Tageszeitung "The Guardian" in den vergangenen Jahren. Denn in Zypern erhält jeder einen EU-Pass, der ja per se Geld und Gold wert ist, der 2,5 Millionen Euro im Land investiert. Vor allem reiche Russen haben sich laut "Guardian" auf diese Weise einen Euro-Pass erarbeitet und damit freien Zutritt zum Schengen-Raum erhalten.

Ehrliche Zyprioten

Reisepässe auf Weltkarte © picture alliance Fotograf: Robert B. Fishman

Der goldene Pass ist gar nicht teuer

NDR Info - Auf ein Wort -

Einen EU-Pass zu bekommen, scheint nirgendwo leichter zu sein als auf Zypern. Nötig sind lediglich 2,5 Millionen Euro. Udo Schmidt bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Und damit wären wir jetzt wieder beim Thema Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit. Denn so ein "Goldener Pass" ist im Grunde der Gipfel der Glaubwürdigkeit. Glaubwürdiger und authentischer geht es doch gar nicht. Wer ordentlich Scheine in die Waagschale wirft, wird Staatsbürger und willkommen geheißen.

Der Goldene Pass ist damit das grundehrliche Kondensat eines jeden Einwanderungsgesetzes. Wer seinen Reichtum mit uns teilt, wird herzlichst aufgenommen. Die Zyprioten sind damit ehrlicher und glaubwürdiger als viele andere, die sich - gerade auch jetzt im Wahlkampf - um den Anschein bemühen, sie würden auch gerne hart arbeitende, aber gar nicht wohlhabende Menschen einbürgern, um diesen Menschen eine Perspektive und dem Land neue Arbeitskräfte zu verschaffen.

Goldenes Visum = Goldene Zeiten

Zypern hat diese rührselige Phase lange hinter sich. Wer ein ehrlich gut gefülltes Konto sein Eigen nennt und eine glaubwürdige Summe überweist, der sieht mit dem goldenen Visum goldenen Zeiten entgegen. Griechenland, Spanien, Portugal, und Malta bieten übrigens laut Medienberichten einen ähnlich konsequenten und einträglichen Service an.

Wer dagegen nur sich selbst, aber nichts auf der hohen Kante hat, dem bleibt nur die "Goldene Zitrone" - oder vielleicht auch der "Goldene Schuss". So ist die Welt nun einmal. Von wegen Gerechtigkeit und Umverteilung. Macht ihr hier noch ein paar Tage schönen Wahlkampf, für mehr Gerechtigkeit beispielsweise, und dann darf es endlich wieder ganz ehrlich heißen: Von Zypern lernen heißt siegen lernen - dem "Goldenen Pass" sei Dank.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 18.09.2017 | 18:25 Uhr