Stand: 25.09.2017 17:20 Uhr

Werden Flugreisen zur Glückssache?

Fliegen wird ja immer billiger - und immer unzuverlässiger. Die Insolvenz von Air Berlin setzt da praktisch ein Ausrufezeichen nach dem Motto: "Fliegen ist das neue Trampen!" Es kostet fast nichts, man weiß aber nicht, wann und wo man ankommt. Das gilt übrigens auch für Politiker.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Ob die Flieger heutzutage pünktlich starten und landen, gleicht häufig einer Lotterie.

Am Sonntag konnte man es wieder an den Gesichtern ablesen - das Zittern um die Fünf-Prozent-Hürde. Doch am Ende haben sie es alle geschafft: Sämtliche Billig-Airlines haben es hinbekommen, mehr als fünf von Hundert Flügen auch tatsächlich in die Luft zu bekommen. Na bitte, es geht doch!

Unter den abgewählten Flügen war allerdings ausgerechnet der von Winfried Kretschmann - um es mit Markus Lanz zu sagen: dem Mann, der einst den schönen Satz prägte: "Der Minischterpräsident von Baden-Württemberg fährt Daimler, baschta!"

Und was war? Ja, heilig's Blechle: Da vertraut man ein einziges Mal dem Airbus mit der Hauptstadt im Namen, und schon verbringt man den Wahlabend daheim am Fernseher und hat nach der ersten Hochrechnung statt Claudia Roth eine halbleere Chipstüte auf dem Schoß.

Flugzeug über den Wolken © Ilja Masik / Fotolia.com Fotograf: Ilja Masik

Fliegen ist auch nicht mehr das, was es mal war

NDR Info - Auf ein Wort -

Fliegen wird immer billiger - und immer unzuverlässiger. Man weiß nicht, wann und wo man ankommt. Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Zur gleichen Zeit wird man von Google mit einer hämischen Zusammenstellung der Suchergebnisse für Air Berlin verspottet: Auf die aktuellen Ausfallhinweise folgt auf Platz zwei die Annonce aus helleren Tagen: "Fliegen Sie entspannt zu 150 Destinationen."

Genau so hatten sich einige das Wochenende vorgestellt: Schnell noch ins Wahllokal, die Grünen ankreuzen, und dann geht's besten Gewissens für einen Fuffi nach Mailand oder Malaga. Ist zwar komisch, wenn eine Stunde Parken auf dem Abflugdeck teurer ist als zwei Wochen Antalya mit Vollpension, aber in der Anzeige steht deutlich, man reise "nachhaltig und ökoeffizient".

Sicher: Wenn man mit vollem Urlaubsgepäck per Taxi innerhalb von zwei Stunden zum Flughafen und wieder nach Hause fährt, dann wird die Erinnerung an diese Tour durchaus nachhaltig sein. Und ökoeffizient sind immerhin die Papierflieger unterwegs, die man mit ein paar grimmigen Handgriffen aus der Bordkarte bastelt, angefressen vom Neid auf Besserfliegende.

Im Gegensatz zu früher reklamieren wir heutzutage ja ein grundsätzliches Anrecht auf Flugreisen: Die Tropopause ist schließlich für alle da!

Nun ja, die Zeiten haben sich geändert, seit Dr. Wollschläger im Opel Kapitän mit seiner Gattin nach Italien fuhr und der gemeine Kassenpatient noch missgünstig durch die Backen pfiff: Na, die müssen's ja haben!

Heute müssen wir mühsam ertragen lernen, dass der 30-Euro-Flug nach Barcelona auch gern mal abgeblasen wird. Oder der schnelle Heimflug nach Würselen via Köln/Bonn. Darum rate ich dem Passagier zum freundlichen Diskurs: Nichts kann mal so wertvoll werden wie eine gute Freundin auf der Regierungsbank, die einen nachts auf dem Flughafen von der Iso-Matte holt: Martin, Du kannst bei uns schlafen, der Herr Sauer pumpt Dir gerade die Luftmatratze auf.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.09.2017 | 18:25 Uhr