Stand: 29.08.2017 16:00 Uhr

Wenn das Handy zur Bundestagswahl aufruft

Die Partei Die Linke hat sich etwas ganz Spezielles einfallen lassen und einen Klingelton am Wahlsonntag im Angebot, der daran erinnert, zur Wahl zu gehen. Eine bahnbrechende Idee, die Schule machen sollte.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Ein akustischer Wahlwachrüttler von Gregor Gysi & Co. - eine tolle Idee, findet Detlev Gröning.

Ehrlich gesagt hab ich den Gysi beim ersten flüchtigen Hören nicht mal erkannt und dachte spontan: Donnerwetter - bei der Bundeswehr tut sich was! Wahrscheinlich ist das der aktuelle Weckruf in der Kaserne, um Rekruten mit einem neuem Umgangston anzuwerben. Mit Sternchen und Fußnote: "Geräusch ähnlich", wie beim Zimmerfoto im Hotelprospekt.

Nun mag diese Ansprache ausreichen, um jemanden nach einem 30-Kilometer-Gepäckmarsch und fünf Stunden Nachtruhe aus der Koje zu holen. Aber einer, der beim Sonntagsinterview mit der Merkel in einen traumlosen Narkoseschlaf gefallen ist, wird sich nach dem zarten Anstupser eher nochmal umdrehen.

Smartphone © Fotolia.com Fotograf: Tanusha

Per Klingelton zur Bundestagswahl

NDR Info -

Nicht vergessen: Am 24. September ist Bundestagswahl! Zur Erinnerung gibt's nun einen Klingelton mit Gregor Gysi von den Linken. Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Trotzdem ist der akustische Wahlwachrüttler eine Welt-Idee, und es dürfte nur eine Frage weniger Tage sein, bis die Parteienkonkurrenz nachzieht: Der SPD-Wecker beklagt die himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass ich im Bett liege, während sich hart arbeitende Menschen längst wieder für kleines Geld abrackern.

Das Morgengeläut der CDU mahnt mich, nicht den Anschluss an die Globalisierung zu verschlafen. Japaner, Inder und Chinesen seien bereits seit Stunden wieder am Digitalisieren. Auch die FDP klingelt mit dem Hinweis, es sei höchste Zeit, irgendetwas zu erwirtschaften, dazu müsse ich mich nicht mal groß anziehen, das ginge auch im Unterhemd, wie es der Parteivorsitzende auf seinen Plakaten vorführt.

Die AfD könnte sich bereits im Morgengrauen mit tönender Überfremdungspanik auf meinem Nachttisch melden, in dem Sinne, dass ich als Geblütsdeutscher aufstehen und schleunigst vor die Tür treten sollte, um ausländischen Frühaufstehern nicht das Straßenbild zu überlassen.

Nur der Grünen-Wecker verfügt über eine Schlummertaste mit dem Hinweis, dass meine Ökobilanz den ganzen Tag über nie besser werden wird als wenn ich jetzt einfach liegenbleibe.

Von der Linkspartei hätte ich wenigstens eine Art Alarmton erwartet, etwa einen schrillen Appell von Katja Kipping, die Welt da draußen nicht allein den Bänkern, Spekulanten und Lobbyisten anheim fallen zu lassen.

Für Unentschlossene oder Talkshow-Insider gäbe es das Wecksystem "Maybritt Illner", in dem alle so lange gemeinsam wecken, bis Sie "Einer nach dem anderen, draußen versteht man sonst nichts!" ins Gerät schreien und damit Ihren Wachstatus bezeugen.

Sollte Gysis Wahlwecker jedoch ein Unikat bleiben, ist das halb so schlimm: Als politischer Langschläfer kann man ja bis 18 Uhr in die Kabine schreiten - da muss niemand geweckt werden. Ohne Sonntagsinterview ist das auch so zu schaffen. 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 29.08.2017 | 18:25 Uhr