Stand: 27.06.2017 15:46 Uhr

"Pan Tau" auf Irrfahrt in die Gegenwart

"Pan Tau", die magisch-schöne Kinderserie aus den 1970er-Jahren mit dem Mann mit der Melone, soll neu verfilmt werden. Wird das etwa die Geburtsstunde eines neuen Fernseh-Klassikers?

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Der tschechische Schauspieler Otto Simanek war der Star der Kinderserie "Pan Tau" - mit charakteristischer Handbewegung.

Für meine Eltern war das bestimmt eine große Erleichterung, als Pan Tau im Advent 1970 aus dem nussbaumfurnierten Fernsehschränkchen schaute. Ein erstes Augenzwinkern aus der Tschechoslowakei nach dem kruden Niederwalzen des Prager Frühlings: Hallo, wir leben noch, und ein Maßanzug ist auch wieder drin. Viel zu sagen hatte Pan Tau zwar nicht, aber das dürfte er in diesen Zeiten mit dem Rest seiner Mitbürger gemeinsam gehabt haben. 

Als abhörsichere Kommunikationsformen blieben Pan Tau der Ausdruckstanz und die Pantomime in der Rolle eines osteuropäischen Gentlemans, optisch angesiedelt zwischen John Steed und Fred Astair.

Gänzlich abseits eines sozialistischen Erscheinungsbildes konnte Pan Tau aber vor allem eines: zaubern! Und das mit minimalem Aufwand, ohne raumgreifende Gesten, ohne lateinisches Formelwerk, ohne Zauberstab mit dem Lichtbogen eines Elektro-Schweißgerätes und ohne jegliches Zisch und Kawumm, das womöglich nur wieder Breschnews Panzer auf den Plan gerufen hätte.

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Warum wird "Pan Tau" neu verfilmt?

NDR Info -

"Pan Tau", die magisch-schöne Kinderserie, soll jetzt, bald 50 Jahre später, neu verfilmt werden. Eine gute Idee? Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Ganz genau habe ich die entscheidende Handbewegung nicht mehr in Erinnerung, aber irgendwie musste der Herr Tau nur flüchtig an seiner Börsenmelone vorbeistreifen, und schon verwandelten sich die Dinge zum Besseren oder er sich selbst in ein Alter Ego von der Höhe einer Streichholzschachtel, mit dem die Tricktechniker des Röhrenzeitalters ihre sichtbare Mühe hatten. Aber darüber konnten wir als Kinder genauso hinwegsehen wie über die Weltmeere aus wogenden Plastiksäcken bei der Augsburger Puppenkiste, ein früher Ausblick auf die heutige Wirklichkeit.

Pan Tau war einer der wenigen erwachsenen Vertrauensleute, den man als Kind gerne an seiner Seite gehabt hätte, in einer Welt voller Ermahnungen und Verbote, in der man in der Schule noch von den letzten preußisch tradierten Lehrkräften vor der Wandtafel vermöbelt wurde.

In welcher Mission ein Pan Tau heute in einer Neuverfilmung unterwegs sein möchte, ist mir schleierhaft - abseits beruflicher Notwendigkeit würde ich mir das genauso wenig ansehen wie eine aufgewärmte "Feuerzangenbowle" oder ähnlichen Fernseh-Anachronismus. "Pan Tau" braucht die Kinderstunde in einer schwarz-weißen Welt genauso wie "Dallas" einen unreflektierten Ölboom; die "Bezaubernde Jeannie" zwinkert sich nur echt durch die Mondlandungs-Euphorie, und "Immer wenn er Pillen nahm" müsste heute in der Leichtathletik spielen. 

Wer immer bei dieser Neuverfilmung den Hut auf hat, möge nach Art des Altmeisters über dessen Krempe streichen und plötzlich wie durch Zauberei erkennen: Alles hatte seine Zeit - und die von "Pan Tau" ist leider vorbei!

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 27.06.2017 | 18:25 Uhr