Stand: 10.11.2017 11:54 Uhr

Genormte Glückwünsche zum DIN-Jubiläum

Die Deutsche Industrie Norm (DIN) feiert in diesen Tagen ihren 100. Geburtstag. Anstatt mit einem DIN A4-Schulheft als Geschenk gratulieren wir mit Worten - und stellen fest: So schlecht kann die Welt nicht sein, wenn die Normierung noch immer Bestand hat.

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Unverkennbar: Das ist DIN A4!

Auch wenn die Welt angeblich aus den Fugen geraten ist: Unsere ist es nicht. Die deutsche Fuge ist rechtwinklig, temperaturfest, wasserdicht, überstreichbar und dennoch elastisch. Das verdanken wir nicht zuletzt der DIN-Norm, einem Fels in der Brandung des unsicheren Lebens.

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten DIN-Kontakt? Na klar! War das nicht im Schreibwarenladen vor der Einschulung; der Schulranzen nach DIN 58124 zusammen mit dem DIN-A5-Schönschreibheft - und wer da drin rumgeschmiert hatte, der bekam eine genormte Ohrfeige mit 2,4 Newton pro Quadratdezimeter?

 

Ein Maßband © andrey-fo / photocase.de Fotograf: andrey-fo

Ohne Norm geht bei uns gar nichts

NDR Info - Auf ein Wort -

Die Deutsche Industrie Norm ist 100 Jahre alt. Detlev Gröning erinnert sich an die Normen, die ihn sein Leben lang begleiten - und bittet in der Glosse auf ein Wort.

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Irrtum: Tatsächlich war es unser Schnuller nach DIN 1400 und der Kuschelteddy nach DIN 71. Und das alles war erst der Anfang: Im Anschluss an eine Bewerbung nach DIN 5008 arbeiten wir vielleicht als genormte Fachkraft im Baugewerbe nach DIN 22475 oder im Büro mit einer Normheizlast nach DIN 12 83, werden für Fehlleistungen auf das Ablageformat nach DIN 824 zusammengefaltet - und wenn's mal heiß hergeht, bringen wir uns durch einen der bis in letzte Detail ausgeDINten Notausgangstürverschlüsse in Sicherheit.

In der Freizeit widmen wir uns technischen Übersetzungen nach DIN 15038, die als europäische Norm streng genommen auch für die Aufbauanleitungen schwedischer Möbel gelten; nicht jedoch für asiatische Elektro-Kleingeräte.

Nachgerade beruhigend sind wir von genormten Produktmerkmalen umgeben. Das Internet kennt 7,5 Millionen Ergebnisse für deutsche Industriestandards: Eierbecher, Wandfarbe, Pfeifenreiniger, Einmachgläser, Tagesschau-Frisuren ... die Reihe ließe sich endlos fortführen, bis der und die letzte unter uns einem Bestattungsunternehmen nach DIN 15017 übergeben und in einem Sarg nach DIN 90-01 zur letzten Ruhe gebettet wird.

In 100 Jahren kommt halt einiges zusammen. Als Pionier diente übrigens ein konischer Kegelstift im Maschinenbau mit der DIN-Eins, und die älteste noch gültige Norm aus dem Jahr 1928 betrifft das Feuergeschränk für Kachelöfen unter besonderer Berücksichtigung der Fülltür für die Füllfeuerung, damit der Inhalt des Kohlenschütters nicht links und rechts an der Ofentür vorbeiregnet.

So hätte es gern weitergehen können, aber soweit ging die Normierungsfreude nicht, dass man jedes Ladekabel in beliebige Smartphones bekommt, nicht mehr den einen richtigen unter 3.000 Staubsaugerbeuteln finden muss oder ohne Anfangsverdacht Superbenzin in einen Diesel tanken kann.

Trotzdem verdanke ich der DIN manche Erleichterung bei der bangen Frage zu einem teuren Ersatzteil: "Passt das auch wirklich?" Manchmal ist die Antwort zu schön um wahr zu sein: "Keine Sorge, das ist genormt."

 

Am Sitz des Deutschen Institutes für Normung in der Burggrafenstraße am DIN-Platz in Berlin ist der Schriftzug und das Logo "DIN" für die DIN-Norm zu sehen. © picture alliance Fotograf: Jens Kalaene

Wirtschaftslexikon: Die DIN-Norm wird 100

NDR Info -

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) legt eine Menge Dinge fest - zum Beispiel auch Papiergrößen. In diesem Jahr feiern das Institut und die DIN-Norm 100-jähriges Jubiläum.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 10.11.2017 | 18:25 Uhr