Stand: 04.03.2016 15:59 Uhr

Erst denken, dann ein Selfie knipsen

Längst ist ein Selfie mehr als nur ein Selbstporträt. Der Hype nimmt mitunter bedenkliche Ausmaße an: In den USA hat sich ein Mann versehentlich beim Selfie-Knipsen erschossen: mit einer Pistole, die er in der anderen Hand hielt. Ein Einzelfall? Keineswegs!

Eine Glosse von Bernd Musch-Borowska, NDR Info

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Beim Selfie sollte unbedingt die Devise "Sicher ist sicher" gelten.

Lächeln, knipsen, posten - so lautet die einfache und weitverbreitete Anleitung für das Selfie, das so beliebte Selbstporträt im digitalen Zeitalter. Das Bild von sich selbst war einst alten Meistern vorbehalten, in Öl auf Leinwand, in einem langwierigen künstlerischen Prozess für die Ewigkeit festgehalten. Heute ist jeder, der ein Smartphone besitzt, ein Meister der Eigen-Fotografie. Die unglaubliche Zahl dieser zweifelhaften Meisterwerke im Internet kann - so scheint es - leicht mit der von Katzenvideos und pornografischen Abbildungen mithalten. Laut einer englischen Studie sind ein Drittel aller Handyfotos, die 18- bis 24-Jährige machen, Selfies. Das Selfie ist schnell gemacht. Und wenn es erstmal in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde, bleibt es auch für die Ewigkeit im World Wide Web erhalten.

Die Fremdschäm-Röte nach dem Selfie

Und genau da lauert eine der größten Gefahren. So manches Selbstporträt in feucht-fröhlicher Feierlaune hat bei späterer Betrachtung Bedauern und Scham hervorgerufen. Zu Recht, möchte man meinen. Denn den Peinlichkeiten, die das Genre Selfie schon hervorgebracht hat, sind keine Grenzen gesetzt. Das Duck-Face, die Entenschnute - längst ein Klassiker unter den verbreiteten Eigen-Fotografien, das Selfie auf der Toilette, unter der Dusche oder das ebenso beliebte After-Sex-Selfie mit Partner oder Partnerin treiben jedem Betrachter mit halbwegs funktionierendem Verstand die Fremdschäm-Röte ins Gesicht. Ganz zu schweigen vom Belfie, ein Selfie mit Butt, englisch für den Allerwertesten, bei dem statt des Gesichts der eigene Po fotografiert und in den sozialen Netzwerken verbreitet wird.

Gefährliche Suche nach dem perfekten Selbstporträt

Im US-Bundesstaat Washington hat sich jetzt ein Mann bei einem Selfie versehentlich selbst erschossen. Einem Zeitungsbericht zufolge posierte der 43-Jährige mehrmals vor der Kamera und hielt dabei jeweils eine Pistole in der Hand. Beim letzten Selfie drückte er auf den falschen Abzug und schoss sich in den Kopf. Kein Einzelfall, leider. Seit 2014, so heißt es, haben sich 49 Menschen beim Selfie versehentlich getötet. 16 von ihnen fielen irgendwo herunter. 14 ertranken. Acht verloren im Zusammenhang mit Zügen ihr Leben, weil sie sich auf Bahngleisen fotografierten, während ein Zug nahte oder weil sie beim Hochklettern auf einen Waggon die Leitungen berührten und einen tödlichen Stromschlag erhielten.

In Indien, wo es offenbar die meisten Selfie-Unfälle gibt, wurde inzwischen an vielen besonders gefährlichen und häufig besuchten Orten ein Selfie-Verbot verhängt. Dabei gibt es eine einfache Lösung, die für jede im Netz verbreitete Fotografie gelten sollte: Erst denken, dann knipsen, noch mal denken und dann - vielleicht - posten.

Safer Selfies: Hier sind unsere Tipps

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 04.03.2016 | 18:25 Uhr