Stand: 25.09.2017 17:20 Uhr

Ein Leben ohne Triple ist sinnlos

Bayern München entlässt seinen Trainer, der Verein erscheint seltsam orientierungslos, die Fußballwelt ist überrascht.

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Carlo Ancelotti ist raus als Trainer - die Fußballwelt steht Kopf, meint Detlev Gröning.

Eine Glosse von Detlev Gröning

Beim FC Bayern wird ja niemand so schmerzlich vermisst wie Franz Beckenbauer, der im Zuge der Schatzsuche nach den FIFA-Millionen für unser Sommermärchen noch weiter abgetaucht ist als eine Tiefseequappe im Mariannengraben. Heute fehlt des Kaisers beschlipste Eloquenz, die den galligen Adilettenmuffel und den zornesroten Festgeldjongleur mit einem nachsichtigen Lächeln und einem milden „Schau´n mer mal“ öffentlich einzudampfen verstand.

Natürlich konnte dem auch mal der Kragen platzen, wenn sich ein Trainer auf Platz drei heruntertraute. Aber selbst im majestätischen Unmut reichte es unserer Fussballlegende als Co-Kommentor bei Premiere, die Mannschaft des FC Bayern auf dem Weg in eine Niederlage nur vom Hörensagen kennen zu wollen, damit Jürgen Klinsmann schon mal den Möbelwagen bestellte.

Heute herrscht bereits nach einem Unentschieden und einer Niederlage eine unverhohlene Identitätskrise im Fröttmaninger Furzkissen, das der Volksmund "Allianz-Arena" nennt, wenn nicht sogar eine Art Staatsnotstand im gesamten Alpenvorland. Ich behaupte: Allein das 2:2 am letzten Freitag gegen Wolfsburg hat die CSU fünf Prozent gekostet. Da sollte es nicht wundern, wenn der komplette Etat des Ministerpräsidenten vor der Landtagswahl in eine italienische Viererkette gesteckt wird.

Carlo Ancelotti im Portait. © Imago Fotograf: Imago / Jan Huebner

Ein Leben ohne Triple ist sinnlos

NDR Info -

Bayern München entlässt den Trainer, wirkt orientierungslos und überrascht manche Fußballfans. Was ist da los im Süden der Fußballrepublik? Detlev Gröning bittet auf ein Wort.

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Mit dem Rausschmiss von Trainer Ancelotti erfolgte nun ein sofortiges Hardware-Update, von dem sowohl die CSU-Basis als auch der gemeine Dieselfahrer nur träumen können. Fairerweise sollte man seinen Nachfolger eines von vornherein wissen lassen: Ein Leben ohne Triple ist möglich aber sinnlos.

Dafür reicht es natürlich nicht, sich mit Durchschnittsbegabungen abzuplagen, die einem für 40 Millionen hinterhergeworfen werden; da hatte Robert Lewandowski schon recht: Das ist ja gerade mal die Mehrwertsteuer, die man für einen Neymar bezahlen muss.

Schließlich hat man in München ja einen anderen Anspruch als jene Europa-Kicker, die einfach nur still erkennen mussten, dass der deutsche Fussballgott wohl schon in die Herbstferien abgereist ist. Dafür fällt das klammheimliche Feixen über ihre kollektive Pleite auch eher verhalten aus, vielleicht indem man nur denkt: Guck an, das sind also die europäischen Fleischtöpfe, von denen ab Platz sieben geträumt wird. Na dann: Wohl bekomm's!

In Paris war den Bayern der Appetit schon vergangen, nachdem Karl Heinz Rummenigge einen Schwall verbaler Bitterstoffe ins Festbankett gegossen hatte, anstatt einzusehen: Das nächste Triple wird genauso lange auf sich warten lassen wie ein Trainer, der entweder eine Ölquelle im Erdinger Moos oder wenigstens die richtigen Worte in der Kabine findet.

Sowas wie "Geht's raus und spielt's Fussball".

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 29.09.2017 | 18:25 Uhr