Stand: 12.10.2017 12:10 Uhr

Die Zukunft gehört den Jubilaren

Ein Grund zum Feiern, sagen die einen. Ein Tag, vor dem man Angst haben muss, meinen die anderen. Wie fühlen sich Jubilare, die für 25 oder noch viel mehr Jahre Betriebszugehörigkeit gefeiert werden?

Eine Glosse von Udo Schmidt, NDR Info

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Udo Schmidt fühlt sich für die Bezeichnung "Jubilar" noch viel zu jung.

Ich bin ja gerade kürzlich zum Empfang der Jubilare eingeladen worden. Das mache ich jetzt einfach mal so öffentlich hier. Jubilare, dachte ich da bei mir, Jubilare, das sind doch eigentlich immer die anderen, also - mal ganz ehrlich - die Alten, die, die sich freuen, wenn sie kurz vor Weihnachten vom Vorstand zu Kaffee und Kuchen geladen werden. Jubilar, das bin doch nicht ich!

Empfang der Jubilare, früher wurden da buchstäblich Girlanden geflochten. Jubilare, das waren Respektspersonen, die voller Stolz zum Empfang schritten, mit Eichenlaub umkränzt - nein, das ging jetzt ein bisschen zu weit -, die zum Empfang schritten, in dem Wissen, dass ein kleiner Vorgeschmack des nahenden Endes zumindest des Erwerbslebens schon zu spüren war.

Lieber Silver Ager statt Jubilar

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Ein Hoch auf die Jubilare

NDR Info - Auf ein Wort -

Irgendwann ist es soweit: Nach 25 Jahren Betriebszugehörigkeit darf man sich Jubilar nennen - und wird im Unternehmen gefeiert. Udo Schmidt bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Heute ist das anders. Eigentlich will ja keiner mehr Jubilar werden. Trotz andauernder Betriebszugehörigkeit, die allerdings auch immer seltener wird. Also, lange in der Firma, wunderbar, irgendwann ein edler Füllfederhalter, auch okay, aber Jubilar, das lastet schwer. Das passt nicht zum Silver-Ager-Image. Wir sind doch jung, oder was? Können Sie sich vielleicht einen Jubilar vorstellen, der einen Triathlon gewinnt? Nein? Die Silver Ager können das schon, nur wollen sie dann beim Zieleinlauf nicht Jubilar genannt werden.

"Und jetzt im Ziel mit der für seine Altersgruppe sensationellen Zeit von 1:32 Stunde, der Jubilar Udo Schmidt. Ihm einen nicht zu heftigen, nicht zu erschreckenden Applaus." Nein, danke, bitte nicht. Und was heißt eigentlich 1:32 Stunde? Es geht inzwischen um den Ironman - je älter, desto lieber länger unterwegs.

Eine Republik der Jubilare

Wir sind ja inzwischen eine Republik der Jubilare, also rein demografisch gesehen. Jubilare bestimmen die Zukunft, auch wenn es nicht ständig etwas zu feiern gibt. Jubilare haben etwas geleistet und wissen, was sie erwarten dürfen. Seien Sie also nett zu ihm oder ihr, wenn Sie in nächster Zeit auf einen Jubilar treffen - oder auf eine Jubilarin. Aber das klingt auch nicht besser.

Jubilare sind wahlentscheidend und bestimmen die Zukunft unseres Landes. Ob's dem Klimaschutz hilft, muss sich noch zeigen. Auf jeden Fall wird aber bald die Anmeldegebühr für den Triathlon von der Steuer absetzbar sein. Oder die Anschaffung eines Carbon-Rennrades. Wann, wenn nicht jetzt?

Nächste Ausbaustufe: Pensionär

Ich habe vorhin kurz auf der Internetseite der Duden-Redaktion den Begriff Jubilar eingegeben, nur mal so, um zu schauen, was passiert. Oben auf der Seite ploppte sofort und konsequent Werbung für bezahlbare Zahnimplantate auf. Konsequent, denn der Jubilar will eben gepflegt werden - und wirken.

Aber es hilft alles nichts. Wenn ich auf dem Einladungsschreiben zur Jubiläumsfeier über den Begriff Jubilar rubbele, Sie wissen schon, wie bei einem Los, das man zusammen mit der Zeitung kauft, dann erscheint darunter der Begriff "Pensionär", als Ausbaustufe praktisch.

Wer will das schon? Auch wenn es dann kurz vor Weihnachten Kaffee und Kuchen gibt ...

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 12.10.2017 | 18:25 Uhr