Stand: 19.06.2017 15:48 Uhr

Die Grünen schließen (fast) nichts aus

Die Grünen wollen wieder regierungsfähig werden. Deshalb haben sie sich bei ihrem Parteitag darauf geeinigt, im Vorfeld der Bundestagswahl auf eine sogenannte Ausschließeritis zu verzichten. Die Botschaft an die politische Konkurrenz: "Wir können mit allen koalieren" - mit einer Ausnahme!

Eine Glosse von Albrecht Breitschuh, NDR 2

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Schwierige Frage: Welche Farbe passt wohl am besten zu grün?

Da sind wir ja alle erleichtert, dass Robert Habeck, Umweltminister von Schleswig-Holstein, nicht an "Ausschließeritis" leidet. Immerhin handelt es sich dabei um eine Krankheit, die mit dem politischen Tod enden kann, wie Dietmar Bartsch, der Fraktionsvorsitzende der "Linken" im Bundestag, neulich in einem Interview festgestellt hat.

Eine noch unerforschte Krankheit

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Ausschließeritis ist dämlich

NDR Info - Auf ein Wort -

Um wieder mitregieren zu können, schließen die Grünen keine Koalition aus - außer einem Bündnis mit der AfD. Albrecht Breitschuh bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Wir wissen noch viel zu wenig über diese Krankheit. Ist sie ansteckend? Sind nur Vertreter eines bestimmten Milieus gefährdet? Reicht bei ersten Anzeichen ein Besuch beim Hausarzt oder sollte man besser gleich zum Spezialisten gehen? Und vor allem: Was zahlen die Krankenkassen? Tatsache ist, dass "Ausschließeritis" etwas sehr Besorgniserregendes sein muss, wie eigentlich alles, was auf -itis endet: Gastritis, Follikulitis oder Konjunktivitis. Von Letzterer sind übrigens nicht etwa Menschen betroffen, die sich und ihre Redebeiträge gerne hinter einem hätte, wenn oder könnte verstecken. Nein, eine Konjunktivitis ist eine Bindehautentzündung. Und eine "Glossitis" ist auch keine Krankheit sich witzig findender Autoren, sondern eine Zungenentzündung.

Doch zurück zur "Ausschließeritis", vor der gar nicht genug gewarnt werden kann, besonders wenn wichtige Wahlen bevorstehen. Sie ist nach derzeitigem Forschungsstand eigentlich nur in einem Fall unbedenklich, und zwar wenn sie gegen die AfD gerichtet ist. Ansonsten können Risiken und Nebenwirkungen gerade bei konkurrierenden politischen Kleingewächsen beträchtlich sein. Kein Wunder, dass vor allem die Linken und Grünen ihre negativen Folgen hervorheben, beides Parteien, deren tonangebendes Personal schon seit längerer Zeit an der "Flexibilitis" leidet, phänotypisch auch als "Morbus Özdemir" bekannt.

Was wirklich hilft gegen "Ausschließeritis"

Anders als bei der "Ausschließeritis" ist die Symptomatik bei an "Flexibilitis" Leidenden eindeutig: Ständig müssen sie zwanghaft, unreflektiert und meistens sogar noch ungefragt davon reden, was alles mit ihnen und ihrer Partei nicht zu machen sei, dass sie nur auf Augenhöhe verhandeln und nicht um jeden Preis zu haben sind. Nachhaltige Linderung schafft den Betroffenen eigentlich nur ein Ministeramt oder eine vorzeitige Pensionierung.

Dieser Therapieansatz hat sich bisher als so vielversprechend erwiesen, dass es innerhalb der Forschung bereits erste Laborversuche gegeben haben soll, Menschen, die an "Ausschließeritis" leiden, mit ähnlichen Methoden zu behandeln, um die Krankheit wenigstens zu stabilisieren. Therapien, die auf dem Prinzip der Schockbilder auf Zigarettenpackungen gründen, sind dagegen umstritten und wohl nur bei "Ausschließeritis" im Endstadium zu empfehlen: Der Patient müsste über einen Zeitraum von mehreren Wochen einem herkömmlichen Beruf nachgehen und einen Mindestabstand zu Fernsehkameras und Mikrofonen einhalten. Erste Versuche haben immerhin gezeigt, dass die Betroffenen zurück an den Verhandlungstisch kehrten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 19.06.2017 | 18:25 Uhr