Stand: 25.02.2016 17:04 Uhr

Der FIFA droht der Super-GAU

Die FIFA setzt auf Reformen. Unter einem neuen Präsidenten soll alles viel besser und vor allem viel transparenter werden als unter Sepp Blatter. Ob es wirklich so kommen wird? Leise Zweifel sind angebracht ...

Eine Glosse von Bernd Musch-Borowska, NDR Info

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Licht ins Dunkel bringen - das ist der Plan für den "FIFA-Neustart" nach der Ära des Sepp Blatter.

"Tor ist, wenn der Schiri pfeift." Diese alte Grundregel des Fußballs hat seit Generationen die allmächtige Entscheidungskompetenz des 23. Mannes auf dem Spielfeld in einfache und klare Worte gefasst. Andere Paragrafen im Regelwerk des DFB oder Zitate allgemeingültiger Fußball-Weisheiten, wie "der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten", können die Finalität einer einsamen Schiedsrichter-Entscheidung, die geradezu diktatorische Bedeutung des schrillen Tons aus der Pfeife im Mund des Unparteiischen nicht annähernd zum Ausdruck bringen.

Selbst die Bundeskanzlerin hat nur eine Richtlinienkompetenz im Kabinett. Ein "Basta" von Gerhard Schröder oder ein "Wir schaffen das" von Angela Merkel führt im besten Fall zu endlosen Debatten im Parlament und im schlimmsten Fall zur Koalitionskrise.

"Schiri, wir wissen, wo Dein Auto steht"

Der Schiri hingegen hat das letzte Wort, oder den letzten Pfiff, auch wenn seine Entscheidung nicht immer von allen geteilt wird. Selbst so mancher Trainer hat mitunter Probleme mit der fehlenden Transparenz und wagt den Protest und darf dann im Extremfall für den Rest des Spiels oder sogar den Rest der Saison zwischen all den anderen Zweiflern in der Südkurve oder auf der Haupttribüne des Stadions Platz nehmen. "Schiri, wir wissen, wo Dein Auto steht", bringt die weit verbreitete Rebellion gegen die unklare Genese einer Schiedsrichter-Entscheidung zwar moralisch fragwürdig, aber unmissverständlich zum Ausdruck.

Entscheidungsspielraum weckt Begehrlichkeiten

Die Allmacht des Unparteiischen wurde inzwischen eingeschränkt, durch Spider-Cams etwa, die dem Schiedsrichter auf Ballhöhe immer einen Schritt voraus sind und andere elektronische Hilfsmittel, wie die Torlinientechnik, die den Pfiff des Schiedsrichters bei der Wertung eines Tors überflüssig machen soll.

Trotzdem weckt sein Entscheidungsspielraum doch Begehrlichkeiten aller Art. Immer wieder mal gibt es Gerüchte über Bestechungsversuche der internationalen Wettmafia. Von Geldbeträgen ist die Rede, die hinter dem undurchsichtigen Schleier, der über einer Schiedsrichter-Entscheidung liegt, den Spielausgang in die eine oder andere Richtung beeinflusst haben sollen.

Sepp Blatters gekränktes Ehrgefühl

Auch die FIFA, der internationale Fußball-Verband, sah sich schon gelegentlich mit solchen Verdächtigungen konfrontiert. Angebliche Bestechungen, etwa für die Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften, wurden zwar intensiv untersucht, konnten aber nie ganz zweifelsfrei bewiesen werden.

Verdächtigungen dieser Art haben so manchen Funktionär in seinem Ehrgefühl gekränkt. Allen voran Sepp Blatter, der nach 17 Jahren als Präsident des Fußball-Weltverbandes wegen einer lächerlichen Zahlung von 1,8 Millionen Euro von der FIFA-Ethikkommission aus dem Verkehr gezogen worden war.

Glasklare Prinzipien

Ethik und Transparenz sollen künftig die Grundlagen für die Entscheidungen sein. Gläserne Wahlkabinen bei der Wahl des Blatter-Nachfolgers wird es jetzt zwar doch nicht geben, aber sonst wird an den glasklaren Prinzipien des Fußball-Weltverbandes nicht gerüttelt. Die Zahlen würden nicht geändert, sagte der Favorit für den Führungsposten der FIFA, Scheich Salman bin Ibrahim al Chalifa. Ob er die Stimmrechte der einzelnen Verbände meinte, die Zahl der Sterne der Hotels, die aus der FIFA-Spesenkasse bezahlt werden, oder die Geldbeträge, die bei wichtigen Abstimmungen fällig werden? Wir wissen es nicht.

Bargeld-Obergrenze könnte Probleme verursachen

Wir wissen aber, dass die Wahl des neuen FIFA-Präsidenten am Freitag stattfindet. Aufschub abgelehnt - immerhin droht dem Fußball-Weltverband schon bald der Super-GAU. Das Finanzministerium setzt ebenfalls auf Transparenz - im Geldverkehr - und will für Bargeld-Transfers eine Obergrenze von 5.000 Euro einführen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.02.2016 | 18:25 Uhr