Stand: 14.06.2017 18:15 Uhr

Der AfD-Tarif als neuester Handy-Schrei?

Juhu! Es gibt keine Roaming-Gebühren bei Handy-Gesprächen im EU-Ausland mehr. Die Anbieter müssen sich jetzt natürlich etwas Neues einfallen lassen. Auf was für Ideen werden sie wohl kommen?

Eine Glosse von Detlev Gröning

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Die Telekommunikationsanbieter werden sich schon was einfallen lassen, um auf ihre Kosten zu kommen.

Es ist ja keine zehn Jahre her, da stand ein lidschlag-kurzer Blick in die eigenen E-Mails jenseits der Landesgrenze noch unter dem Motto: Wir versurfen unser Oma ihr klein Häuschen. Beim Telefonieren sah es auch nicht besser aus: Als nach drei abgehetzten Kurzgesprächen aus dem Italien-Urlaub die Mobilfunkrechnung einging, war ich drauf und dran, schon mal im Alleingang aus Europa auszutreten. Damals schlummerte noch das finanzielle Verderben in der Hosentasche und man war auf der Hut, das konzentrierte Böse ohne Not zu wecken. "Bitte nicht anrufen!", waren die typischen letzten Worte an die Abschiedswinker auf dem Bahnsteig, denn die Gebühren in fantastischer wie mirakulöser Höhe zahlte der Empfänger.

Natürlich hätte man sich vorher über die Kosten informieren können, etwa beim deutschen Generalkonsulat, dem italienischen Postministerium oder bei einer seriösen Hellseherin in den Abruzzen. Weil aber viele einfach so drauf los telefonierten, wurde das Roaming für die Telefonicas, Moviestars und Oranges zu einem Bombengeschäft.

Jetzt, drei Wochen vor dessen Schließung, geht bei den Providern ein letztes Geheule los. Roaming hieße schließlich wörtlich übersetzt: wandern, schlendern, umher streunen, wobei es dem mündigen Wanderer auch möglich sein muss, jederzeit in ausgelegte Kostenfallen zu treten, deren Abschaffung das Ende der Welt, womöglich sogar das Ende des Telefons bedeuten würde.

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Mobilfunkanbieter werden erfinderisch

NDR Info - Auf ein Wort -

Das Aus für die Roaming-Gebühren ist toll: Mobil telefonieren in Europa kostet künftig nichts mehr extra. Oder? Detlev Gröning bittet in seiner Glosse auf ein Wort.

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Gerade die Deutschen kennt man doch! Jetzt werde jeder Hanswurst, nur um mal wieder Geld zu sparen, der internationalen Raumstation am helllichten Tag einen kompletten Tolstoi-Roman vorlesen, wobei das Gespräch auf einem Relais in Andorra mit einer Weiterleitung auf den Färöer Inseln über einen rumänischen Handyvertrag in Lettland abgewickelt wird.

Genützt haben diese Argumente wenig, darum rechnen Fachleute mit einem verschärften Tarifkampf an der Heimatfront und ich mit dem Callgirl meines Telefonanbieters, das mich vorzugsweise im sperrigen Trubel einer Baumarktkasse erwischt. Ob ich nicht von meinem herkömmlichen "All-You-can-speak"-Vertrag in den wesentlich kostengünstigeren "Giga-Flat-im-Bett-Tarif" wechseln möchte, wo man zwischen 22 und 6 Uhr einen wöchentlichen Datensnack von unzähligen Megabyte ohne böses Erwachen vernaschen kann.

Demnächst könnte mich an gleicher Stelle auch jemand zum Eintritt in den AfD überreden wollen. Falscher Artikel? Nein: Das ist der "Allein-für Deutschland"-Tarif, nur für Anrufe innerhalb unserer Grenzen von 1990.

Glücklicherweise habe ich für Anrufe wie diesen einen "L.m.a.A."-Vertrag. Damit darf man einfach auflegen. Ohne zusätzliche Kosten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 14.06.2017 | 18:25 Uhr