Stand: 23.02.2016 15:19 Uhr

Das kesselt! - "Werner" wird 35

Seit mehr als 30 Jahren zeichnet Comiczeichner Rötger "Brösel" Feldmann den rotzfrechen Klempnerlehrling "Werner". Den ersten Band "Werner - Oder was?" über die norddeutsche Kultfigur kennen viele. Ein neues Werk ist schon in Planung.

Eine Glosse von Detlev Gröning (hier auch zum Hören)

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Haben mittlerweile Kultstatus und noch immer Grund zum Lachen: Der Comiczeichner Rötger "Brösel" Feldmann und seine Comicfigur "Werner".

"Ssie sseh'n sso gut aus, Frau Hansen, war'n Ssie bei'n Frissör?" Eigentlich müsste man diesen Beitrag komplett im Petuh* des dänischen Grenzlandes verfassen, aber "ssoll ich sso tun?"

Also, gerechtfertigt wäre das, denn mal Hand auf den Heizkessel: Die größten Lachtränen rollten ja nicht durch Rocker und Randale, Kettenfett und Knochenkotzen, sondern durch einen vom Pech verfolgten Handwerksbetrieb für Heizungs- und Sanitärinstallationen. "Werner" als solcher war eher der Moderator des Irrsinns, der die wahre Anarchie letztlich den anderen überlassen musste. Das kennen wir ja schon von Asterix: Der ist auch nicht witzig. Das sind dafür alle anderen - vom Dorfschmied bis zum römischen Kaiser. Bei "Werner" ist es ein Flensburger Klempnermeister, über den sich die Republik bis nach Hinterbayern ausgeschüttet hat.

Schon nach einem Dutzend Likörchen mit der Dame des Hauses hebelte sich Meister Röhrich mit der verlängerten Rohrzange am Zulauf eines Radiators in unsere Herzen, spätestens aber mit der manuellen Suche nach einem versehentlich heruntergespülten Feudel im WC-Abfluss. "Nanu? Da ssind ja noch ganz andere Ssachen drin", ist seitdem eine geflügeltes Wort in meiner Heimat, genauso wie: "Der geht doch noch!", oder, immer noch auf Platz eins: "Ist bei Ihnen mal ein Schnüffelsstück gesetzt worden?"

In anderen Sequenzen war Toleranz gegen Anderslachende gefragt. Bei den lalligen Knatter-Wettfahrten gegen zwei tumbe Dorfpolizisten zischte zwar ein feiner Schleier aus Bierdosennebel von der Balkonloge unseres Kinos, aber das krude Gerülpse zwischen Holsten und Harley suchte vergeblich nach einem Spiegel in den meisten Erlebniswelten. Der Traum von der frisierten 500er war schon damals ziemlich retro. Und zieht heute manch einem x-beliebigen Chopper-Piloten den Integralhelm ab, dann ist da kein rasender Rockerpräsident drunter, sondern ein Pensionär im dritten Frühling über einer redlich erworbenen TÜV-Plakette.

Darum spielt "Werner" überwiegend in den Schubladen unseres Langzeitgedächtnisses. Und weil wir da schon stöbern, weiß ich genau, worauf Sie warten: das legendäre Fussballspiel zwischen Süderbrarup und Holzbein Kiel auf dem Wochenmarkt. Ein Meisterwerk der Zeichentrick-Geschichte, noch vor Meister Röhrichs Doppelsalto aus der vierten Etage mit aufgesetzter Kloschüssel und dem selbstgebrannten Brombeerschnaps nach Vaddis Rezept.

Und jetzt meine ich, vom Hof das ungeduldige Hupen eines Hanomag-Transporters zu hören : "Nu ssach ma, tut das Not, dass diese Gratulation sso lange dauert?"

Ja, nee Meister, ich komm ja schon ...

* Petuh - eine Mischung aus dänischer Grammatik und dänischem Satzbau mit deutschen Wörtern - ist eine Flensburger Mundart. Aus Platt- und Hochdeutsch sowie Nieder- und Hochdänisch entstand eine eigene Sprache.

Seine Leidenschaft ist nicht nur das Zeichnen

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 23.02.2016 | 18:25 Uhr