Stand: 25.04.2017 15:24 Uhr

Das Lernen will gelernt sein

In Deutschland bestimmen Lehrpläne, was im Unterricht behandelt wird. Aber steht dort auch das Richtige drauf? Auch Eltern sollten sich diese Frage gerade in den ersten Schuljahren stellen - so wie der NDR in der NDR Debatte.

Eine Glosse von Katharina Mahrenholtz, NDR Info

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Das weiß ja jedes Kind: Lernen ist nicht immer kinderleicht.

Die Grundschule - zumindest in Norddeutschland - ist für die heutige Elterngeneration oft rätselhaft. Kaum Hausaufgaben, keine Noten. Auf keinen Fall soll der Eindruck entstehen, dass es hier ums Lernen geht. Oder gar um Leistung. Jeder in seinem Tempo, schön individuell. Die Wörter "gut", "besser" oder gar "schlecht" stehen ganz oben auf dem Index.

Und plötzlich existiert das Wort "Können" dann doch

Logo von NDR Info und das Gesicht einer Frau © f1online

Schule soll Spaß machen

NDR Info - Auf ein Wort -

Wer bestimmt, was Kinder lernen? Eine Frage, die sich auch Eltern stellen - besonders in den ersten Schuljahren. Katharina Mahrenholtz bittet in ihrer Glosse auf ein Wort.

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Die Zeugnisse bestehen aus kryptischen Texten, die Eltern heimlich mithilfe des Internet entschlüsseln. Die Wahrheit dahinter wird dann vorsichtig dem Kind mitgeteilt und vielleicht mal angedeutet, dass in den Ferien doch mal das Einmaleins ... "NEIIIIIN!", schreit das Kind, das habe die Lehrerin quasi verboten. Andere können das auch nicht. Das muss man nicht können.

Das Wort "können" existiert gar nicht. Jedenfalls nicht in den ersten drei Schuljahren. Danach dann schon. Genauer gesagt wird es im ersten Halbjahr der vierten Klasse verschärft eingeführt - zusammen mit Klassenarbeiten und Noten. Oh, es geht doch um ... Lernen? Leistung? Eine, ähem, gute Empfehlung für die weiterführende Schule? Es ist allerdings nur ein kurzes Aufwallen von realem Schulalltag. Wenn dann die Empfehlungen raus sind, also im Januar, kann man sich als Viertklässler noch mal ein halbes Jahr zurücklehnen.

Der Schock kommt in der fünften Klasse

Der Schock kommt in der fünften Klasse. Huch. Vokabeln lernen? Jede Woche hundert? Die Bundesländer? Alle auswendig? Rechtschreibung? Jetzt wirklich? Schule bis nachmittags um drei, dann Hausaufgaben, üben für die Arbeiten.

Das aufholen, was man in vier Grundschuljahren nicht gelernt hat. Die Folge: gestresste Kinder, die Schule hassen. Die überfordert sind von 100 Vokabeln pro Woche und den Nebenflüssen der Donau, weil sie vorher nie etwas auswendig gelernt haben. Keine Gedichte, keine Hauptstädte, schon gar keine Jahreszahlen und kaum Rechtschreibregeln. Sie haben nicht gelernt zu lernen. Weil Schule ja Spaß machen soll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Auf ein Wort | 25.04.2017 | 18:25 Uhr