"Der hat die Ruhe weg"

Jörg Wunram hat es erneut in die Alpen gezogen. Im Sommer berichtete er für Zwischen Hamburg und Haiti bereits über die Besteigung des Montblancs. Diesmal zog es ihn ins Eislaufparadies Weißensee nach Kärnten - warum, erzählt er im Interview.

NDR.de: Schlittschuhlaufen auf dem Weißensee. Wie lange ist es her, dass Du zuletzt auf Kufen gestanden hast?

Jörg Wunram: Da die letzten beiden Winter in Norddeutschland auch solche waren, war ich nicht aus der Übung. Mit anderen Worten: Das Eislaufen hatte ich also nicht verlernt.

NDR.de: Wie bist Du auf den Weißensee in Kärnten gekommen?

Wunram: Vor etlichen Jahren hat mich eine Bekannte aus Holland darauf aufmerksam gemacht. Die Niederländer gelten ja als DIE Eislaufnation. Bei unseren Nachbarn gibt es die Elfstädtetour, und die führt auf den zugefrorenen Kanälen über 200 Kilometer durch Westfriesland. Das ist dort ein Riesenspektakel. Weil die Wasserstraßen aber nicht mehr so verlässlich zufrieren, sind die Niederländer nach Kärnten ausgewichen. Dort finden sie eine bestens präparierte Strecke.

NDR.de: 200 Kilometer auf dem Eis? Das ist aber schon heftig, oder?

Wunram: Das ist es. Zumal, wenn man weiß, dass die Besten die Strecke in nicht einmal fünf Stunden und 15 Minuten hinter sich bringen. Die rasen mit fast 40 Kilometer pro Stunde über das Eis. Das ist dann aber Hochleistungssport und hat mit dem Schlittschuhlaufen, wie wir es kennen, nichts zu tun.

NDR.de: Was ist das Besondere am Weißensee?

Wunram: Zum einen ist er landschaftlich wunderschön in die waldreiche Kärntner Bergwelt eingebettet. Der See friert verlässlich 90 Tage im Winter zu. Also Eislaufen ist so gut wie immer möglich. Außerdem kann man rund um den See auch wunderbar Ski-Langlaufen und Ski-Alpin in einem kleinen Familien-Ski-Gebiet fahren. Man hat alle Wintersportmöglichkeiten, inklusive Eisstock-Schießen.

NDR.de: In Deinem Feature beschäftigst Du Dich vor allem mit dem See, aber auch mit dem Eismeister, mit Norbert Jank, warum?

Weil der Mann ein toller Typ ist. Das Eis - sagt er selber - habe sein Leben verändert. Er lebt für's Eis, dabei strahlt er eine zufriedene Freundlichkeit aus. Hätte er es nicht mit Eis zu tun, dann würde ich es als Herzens-Wärme bezeichnen. Der Mann ist ein Phänomen. Groß und stark wie ein Bär, der aber auch ganz sanft sein kann und auf den ersten Blick ein bisschen kauzig wirkt. Aber das täuscht. Außerdem hat Norbert Jank sich ein Wissen über Eis angeeignet, das man so schnell nicht woanders finden dürfte. Und er tüftelt immer weiter, will immer noch besser werden. Das finde ich beeindruckend, zumal er diesen Job ja schon seit Jahrzehnten macht.

NDR.de: Ist er auch schon einmal ins Eis eingebrochen?

Wunram: Ja, mehrfach. Aber der hat die Ruhe weg. Wenn er mit einem seiner umgebauten Schrottautos einbricht, dann kurbelt er erst einmal die Fenster hoch, verschließt den Pkw, damit bloß kein Dreck ins Wasser kommt und erst dann kriecht er aus dem Auto. Später, im Frühjahr bergen sie dann die Karosse.

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Schlittschuhläufer auf dem Weißensee in Österreich © NDR Fotograf: Jörg Wunram
 
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22.01.2012 | 07:30 Uhr

Zehntausende Eislauffans kommen jedes Jahr zum Weißensee.

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Norbert Jank © NDR Fotograf: Jörg Wunram
 

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