NDR Info
Sendedatum: 16.06.2013 07:30 Uhr
Spanien: Das Sant-Joan-Fest auf Menorca
Wildes Spektakel um Johannes, den Täufer
Eine Sendung von Eva-Maria Wackerhagen
Touristen-Attraktionen der Insel Menorca: Sonne, Strand und Meer
Paradiesische Strände inmitten unberührter Natur, weite Hügellandschaften, kleine Fischerdörfer mit ihren weißen, ineinander verschachtelten Häusern - die Mittelmeerinsel Menorca verzaubert mit Idylle und Ursprünglichkeit. Die Menorquiner haben ihre Insel vor Massentourismus samt Bettenburgen bewahrt.
Die kulturelle Vielfalt verdankt Menorca diversen Besetzungen. Mauren, Briten und Franzosen haben die Insel geprägt und eine architektonische, sprachliche und kulinarische Mischung hinterlassen. Im Hochsommer tummeln sich vor Maó, dem größten Naturhafen des Mittelmeeres, Segelboote und Jachten. In den anderen Teilen der Insel geht es stets ruhig und gelassen zu.
Von Gin, Reitern und einer zweitägigen Feier
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Schon einige Wochen vor dem Fest hängt die typische Sant-Joan-Flagge aus Fenstern.
Der frühere Regierungssitz der Insel ist heute das Rathaus von Ciutadella. Er wurde auf den Resten einer ehemaligen maurischen Burg (Alcázar) errichtet. Die heutige Sandstein-Fassade existiert erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts.
Vom Rathausplatz aus genießen Einheimische und Touristen einen fantastischen Ausblick auf Ciutadellas fjordartigen Hafen.
Die Mischung macht es: Bunte Fassaden ...
... und barocke Paläste geben der Altstadt ihren besonderen Charme.
Noch schnell ein Erinnerungsfoto mit der Familie, dann reitet auch dieser cavaller in die Altstadt ...
... wo ihn zum großen Fest rund 80.000 Zuschauer erwarten.
Die Auflagen sind streng: Seit 700 Jahren dürfen ausschließlich Bauern aus Ciutadella als "cavaller" mitreiten.
Bis früh in den Morgen feiern die Menschen bei mediterranen Temperaturen in den Gassen.
Mit Gin geht alles besser. Ihren Inselschnaps haben die Menorquiner von den Briten, die im 18. Jahrhundert Menorca besetzten. Während der Festtage ist ein Mix aus Gin mit Limonade begehrter als Wasser.
Während des wichtigsten Festes der Insel muss auch Tontechniker Santi konzentriert arbeiten.
Seit dem 14. Jahrhundert reiten die Ciutadellaner einmal im Jahr zur Klause "Ermita Sant Joan de Missa" und huldigen ihrem Schutzpatron, dem Heiligen Johannes.
Für die Einwohner ist das Fest nicht mehr wegzudenken. Auch Bauer Fedelich reitet jedes Jahr mit. Hier präsentiert er stolz seine persönliche Fotosammlung.
Die Frauen arbeiten ausschließlich im Hintergrund. Unter anderem restaurieren sie die bunt bestickten Pferdedecken.
Früher wurden die "avarques" von Landarbeitern getragen mit Sohlen aus alten Autoreifen, jetzt sind sie Bestandteil jedes menorquinischen Schuhschrankes.
Das typische Naschwerk für die "festes": bunte Süßigkeiten, abgefüllt in weißen kegelförmigen Tüten mit aufgedruckter Sant-Joan-Flagge.
Beliebtes Postkartenmotiv: Die Cala Macarella ist eine der vielen unberührten Buchten der Insel.
Nach den "festes" kehrt die Ruhe ein. Wie ausgestorben liegt der Kathedralenplatz in der Mittagssonne.
Nach den "festes" kehrt die Ruhe ein. Wie ausgestorben liegt der Kathedralenplatz in der Mittagssonne.
Zwei Tage Ausnahmezustand
Doch jedes Jahr - am 23. und 24. Juni - herrscht in Ciutadella Ausnahmezustand. Zu den beliebten "festes de Sant Joan" kommen rund 80.000 Besucher in die Hafenstadt im Westen der Insel. Zwei Tage lang ist die sonst verschlafene Altstadt Schauplatz für ein Open-Air-Volksfest. Die Feierlichkeiten zu Ehren des Heiligen Johannes haben eine lange Tradition: Schon vor 700 Jahren ritten Bewohner aus allen Gesellschaftsklassen zur Johannes-Klause, um Sant Joan die Ehre zu erweisen.
Das Sant-Joan-Fest auf Menorca
- 16.06.2013 07:30 Uhr - Autor/in: Wackerhagen, Eva-Maria
Jedes Jahr am 23. und 24. Juni herrscht in Ciutadella der Ausnahmezustand. Zu den beliebten Festes de Sant Joan kommen rund 80.000 Besucher in die Küstenstadt.
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Heute ist das Programm natürlich vielseitiger: Zeremonien, bei denen ein Schafsbock durch die Stadt getragen wird, Haselnusswerfen, Blaskapellen und mittelalterliche Reiterspiele locken besonders junge Zuschauer nach Ciutadella. Und die feiern traditionell mit Gin. Mit viel Gin! Für die 30.000 Einwohner bedeutet das Fest aber viel mehr als nur zwei Tage Dauerparty. Ob Tontechniker Santi, die Reiter auf den pechschwarzen Rössern oder der Pfarrer Florenci - für sie alle ist es eine große Ehre, bei den Feierlichkeiten mitzuwirken. Ganz nach dem Motto: Man sieht's, man fühlt's, der Heilige Johannes ist da! "Se veu, se sent, Sant Joan està present!"