Hamburg: Die Erfolgsgeschichte von "Hinz&Kunzt"

Eine Reportage von Christoph Heinzle

Lebendig, kämpferisch und voller Ideen ist Erich Heeder. Von Themen, Aktionen und Kampagnen spricht der 57-Jährige mit dem schütteren, grauen Haar und der Jeansjacke. Der Hartz-IV-Empfänger aus dem Hamburger Stadtteil Mümmelmannsberg verkauft in der Hansestadt seit 16 Jahren das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" - und hat dabei ein Ohr für seine Käufer. "Es gibt nun mal so viele Menschen, die arbeitslos sind, die Hartz-IV-Empfänger sind. Und die kommen mit ihren Geschichten, die sie selber haben mit dem Vermieter oder dem Amt oder was auch immer, und sie erzählen sie, weil sie ganz genau wissen, was ich für eine Arbeit mache", schildert Heeder seine Erfahrungen vom "Hinz&Kunzt"-Verkauf.

Erzählt eure Geschichte, geht zu "Hinz&Kunzt", rät der Straßenmagazin-Verkäufer dann seinen Gesprächspartnern. Nicht alle tun das. Aber immer wieder finden über die Verkäufer Geschichten über Armut und soziale Ausgrenzung ins Blatt. Der Kontakt fällt leichter, die Hemmschwelle vieler Betroffener ist niedriger. Das stellt auch Beatrice Blank in der "Hinz&Kunzt"-Redaktion immer wieder fest: "Es ist sehr wichtig, dass die Betroffenen direkt - also die Menschen, die hinter sozialen Themen stecken, über die "Hinz&Kunzt" berichten will - immer wieder auf uns zukommen und da den Blick auch aufmachen. Damit man nicht aus einer Dritte-Person-Perspektive über Dinge berichtet, sondern dass die Ideen und das, was berührt, direkt von den Menschen kommen, die es betrifft", sagt die ehemalige Volontärin der Zeitschrift.

Größtes Straßenmagazin Deutschlands

Diese Themen aufgreifen, aber nicht Sprachrohr sein, formuliert Chefredakteurin Birgit Müller als Prinzip. Sie legt Wert auf authentische Geschichten, gleichzeitig aber auch auf journalistische Recherche und Schreibe durch Profis in der Redaktion. "Wir wollen Verständnis vermitteln und nicht eine therapeutische Maßnahme sein für denjenigen, der schreibt", erklärt Müller. Das "Hinz&Kunzt"-Konzept ist ein erfolgreiches. Mit einer Auflage von 60.000 Exemplaren ist die Zeitschrift aus Hamburg das größte Straßenmagazin Deutschlands. Das entspricht genau dem Anspruch der Blattmacher: "Von Anfang an wollten wir groß sein. Wir wollten eine Stimme, eine Lobby sein in der Stadt", so Chefredakteurin Müller.

Dass man wahrgenommen wird, dafür sorgen auch andere Medien. Immer wieder landen exklusive Geschichten, zum Beispiel über Lohndumping oder Missstände in Mietwohnungen, in einer Tageszeitung oder im Radio. "Wir haben auch einen sehr guten Kontakt zu den traditionellen Medien, die unsere Geschichten auch nutzen, weiterdrehen, mit ihren Möglichkeiten noch mal nachhaken. Und die wissen auch: Wenn bei uns eine Geschichte erscheint, können sie sicher sein, dass das Hand und Fuß hat, dass das auch schon vorrecherchiert ist", verdeutlicht Müller.

"Gemeinsam sind wir stark"

Mehr Durchschlagskraft durch journalistische Qualität - das könnte Vorbild auch für andere Straßenmagazine sein. Doch die "Hinz&Kunzt"-Chefredakteurin weiß, dass sie mit ihrer Redaktion besonders gute Bedingungen hat. Finanziell war die Initiative des Diakonischen Werkes immer komfortabel ausgestattet, konnte sich Professionalität leisten. Im Gegensatz zu vielen anderen Straßenmagazinen, wie Müller sagt.

Durch das Europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung haben die Macher nun mehr Kontakt untereinander und mit traditionellen Medien. So entstand auch die Idee für einen eigenen Journalistenpreis. Für Müller sind diese Kooperationen wichtige Schritte: "Wenn wir die Möglichkeiten haben, deutschlandweit in den Magazinen mit mehr handwerklichem Know-how zu arbeiten, das bringt uns sicher alle vorwärts."

Und so könnte auch für die Zusammenarbeit der Magazine gelten, was "Hinz&Kunzt"-Verkäufer Heeder für die Zusammenarbeit zwischen Journalisten und Betroffenen formuliert: "Gemeinsam sind wir stark. Und wenn wir gemeinsam stark sind, schaffen wir auch das, was wir wollen. Alleine sind wir schwach."

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