Die Schallplatte als Geldanlage
In Zeiten der Euro-Krise kann sich mancher Musik-Liebhaber mit einem Blick in seinen Plattenschrank trösten. Denn viele Vinyl-Scheiben haben ihren Wert gesteigert.
Audiobeitrag starten (01:39 min)Als die CD's auf den Markt kamen, haben viele Musikliebhaber der Schallplatte den Rücken gekehrt und sich dem elektronischen Datenträger zugewandt. Doch sie hat überlebt, die gute alte Scheibe aus Vinyl. Seit einigen Jahren sogar mit leicht steigenden Absatzzahlen. Die Schallplattenfabrik "Pallas" in Diepholz ist eins von insgesamt neun - zumeist kleineren - Presswerken, die noch in Deutschland existieren. Ein Familienunternehmen, das rund vier Millionen Vinylalben im Jahr produziert, mit steigender Tendenz.
Pallas' Geschäftsführer, Holger Neumann, sitzt hinter seinem Schreibtisch, vor seinen goldenen Schallplatten.
Vor 20 Jahren sah alles noch ganz anders aus, erinnert sich Geschäftsführer Holger Neumann: "Als wir Ende der achtziger Jahre auf den CD-Markt umgestiegen sind, stellte sich für uns natürlich die Frage: 'Was passiert eigentlich mit der Schallplatte, was passiert mit unseren Fertigungslinien?' Irgendwann kam dann ein Anruf von Doktor Motte zur ersten Love-Parade: Sie bräuchten Schallplatten für die DJ's zum Scratchen auf ihren Lkw. Und das war für uns das erste Indiz: Da könnte eine Art Revival stattfinden."
Inzwischen gibt es neben Pallas europaweit nur noch rund ein halbes Dutzend größerer Presswerke, die für kleine und große Plattenfirmen in aller Welt produzieren. Nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie wurden in Deutschland 2011 rund 700.000 Alben verkauft - rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vergleich zu 100 Millionen verkaufter CD's jedoch ein Klacks.
Hier werden die Vinylplatten zu Schallplatten gepresst.
Doch Schallplatten zu pressen, ist lukrativ, da die Margen höher liegen als bei CD's. Vor allem Sonderanfertigungen lohnen sich. Im vergangenen Jahr zum Beispiel bekam Neumann einen Auftrag aus Japan für eine Box mit 14 Schallplatten: "Klassische Musik aus dem Hause RIAS Berlin. Diese Boxen werden dann in Japan zum Stückpreis von 800 Euro verkauft. Wir haben schon zwei Mal je 1.000 nachgefertigt. Es scheint einen wahnsinnig großen Markt bei den Japanern zu geben, die diese Produkte als Liebhaberstücke kaufen. Ob sie nun abgespielt oder überhaupt aus der Originalverpackung heraus genommen werden, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht muss man dort das Produkt einfach nur haben."
Paul Löffler, Mitinhaber des Second-Hand-Plattenladens 'Plattenrille' in Hamburg.
Doch nicht nur Neuware verkauft sich von Jahr zu Jahr besser, auch Second-Hand-Platten sind gefragt. In die Hamburger Plattenrille kommen Vinyl-Fans aus aller Welt. Vielen geht es um das haptische Erlebnis, die Platte samt großem Cover und Booklet in den Händen zu halten. Doch Vinyl hat für sie noch andere Vorteile: Die Liebhaber schwärmen von dem besonderen Klang- und Hörerlebnis, welches mit einer CD nicht vergleichbar sei. Man höre bei einer guten Anlage den Unterschied einfach heraus, die CD klinge eher künstlich und steril. Bei einer Platte klinge eine Stimme, wie im Konzert-Saal und eine Gitarre hört sich an, wie eine Gitarre eben klingt. Das kann einem Plattenfan so wichtig sein, dass der Preis bisweilen zur Nebensache gerät. Für gut erhaltene Sammlerstücke geben Liebhaber schon mal drei-, bisweilen sogar vierstellige Summen aus.