Wirtschaft

Wenn Altbau-Sanierung zum Albtraum wird

Eine Reportage von Christian Erber

Das Bauprojekt von Familie Rossmann füllt mittlerweile drei dicke Aktenordner. Und es hat gehörig am Nervenkostüm der Familie gezerrt, sagt die Bauherrin: "Auf jeden Fall muss man sagen, dass man durchaus um Jahre altern kann." Vor etwa einem Jahr hatte die Familie mit der Sanierung ihres Einfamilienhauses begonnen. Immer wieder waren sie auf zinsgünstige Förderkredite der KfW-Bankengruppe hingewiesen worden. Zum Beispiel im Rahmen des damaligen C02-Gebäudesanierungsprogramms. Als die Bewilligung für die Fördergelder kam, war die Familie froh, denn der Zinssatz war konkurrenzlos günstig.

Was die Familie nicht bedacht hatte: Die KfW knüpft die Auszahlung der Kredite - damals maximal 50.000 Euro pro Wohneinheit - an strenge Auflagen. Zum Beispiel, dass die Kreditnehmer den Altbau binnen eines Jahres komplett sanieren lassen müssen. Familie Rossmann musste deshalb alle Wände, Fenster und das Dach dämmen und eine Solaranlage installieren: ""Das wird so direkt nicht gesagt. Aber es gibt Vorschriften an Energiewerten, die man hinterher erreichen muss. Und man kann definitiv sagen, dass für ein Einfamlienhaus, das komplett saniert werden muss, wo also noch nichts dran gemacht wurde, 50.000 Euro nicht ausreichen. Also muss man auf jeden Fall mit anderen Krediten zufinanzieren", sagt Rossmann.

Mit unliebsamen Überraschungen rechnen

Und diese Zusatzkredite sind dann oft deutlich teurer. Das war allerdings nur ein Grund, warum bei Familie Rossmann die Kosten zunehmend aus dem Ruder liefen: "Beim Abdecken des Daches stürzte eine Gaube mit der gesamten Wand ein. Oder das Mauerwerk war nicht dicht genug, um bestimmte Dämmmaßnahmen durchführen zu lassen. Da musste zusätzlich das gesamte Fugenwerk ausgebessert werden am gesamten Haus. Oder die Dach-Überstände schlossen nicht mit dem Außenmauerwerk ab, was im Nachhinhein geglättet werden musste. Das sind alles Dinge, die direkt mit der energetischen Sanierung zusammenhängen, aber nicht vorhersehbar sind und die Kosten erheblich in die Höhe treiben", blickt die Bauherrin zurück.

Kalkuliert hatte die Familie mit 100.000 Euro Sanierungskosten, aus denen fast 200.000 Euro geworden sind. Ein nicht unbedingt typischer, aber auch kein ungewöhnlicher Fall, meint Christian Schmid-Burgk. Er leitet die Baufinanzierung der Hamburger Verbraucherzentrale. Wer sich auf die Sanierung eines Altbaus einlasse, müsse mit unliebsamen Überraschungen rechnen: "Sie werden das nie auf die letzten paar Tausend Euro durchkalkulieren können. Man sollte daher einen Puffer einbauen, denn die Kosten laufen einem schnell davon. Wenn man zum Beispiel irgendwo Wände einreißt, dann offenbar sich irgendwo anders ein anderes Desaster und dann kommt es sehr schnell, dass sich die Kosten - wie in diesem Fall - verdoppeln. Das ist dann natürlich eine einzige Katastrophe für den, der das macht", so Schmid-Burgk.

Förder-Höchstsatz aufgestockt

Nicht zuletzt dannn, wenn sich herausstelle, dass ein Neubau doch die günstigere Variante gewesen wäre. Die KfW hat den Förder-Höchstsatz für Altbau-Sanierungen inzwischen auf 75.000 Euro aufgestockt. Dass auch diese Summe womöglich nicht für eine Komplettsanierung ausreicht, darüber sei man sich durchaus bewusst, so eine KfW-Sprecherin zu NDR Info. Ziel sei es lediglich, einen Startimpuls für energiesparendes Bauen zu geben. Komplettfinanzierungen könne und wolle man nicht übernehmen.

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