Erst Polizist, jetzt Islamist

von Franz Feyder & Jürgen Webermann, NDR Info

Abu Bilal auf dem Screenshot eine Internetseite © dawa.ffm Detailansicht des Bildes Abu Bilal - hier auf einem Internet-Screenshot - konvertierte zum Islam. Obwohl er im Internet gefährliche Botschaften verbreitet, erhält er immer noch einen Großteil seiner Polizei-Bezüge. Roman R. war einmal ein Aushängeschild für Frankfurts Polizei. Jung, dynamisch, eloquent und kameratauglich. Der Hessische Rundfunk begleitete ihn vor drei Jahren im Rahmen der Sendereihe "Polizeireport". Damals war R. Beamter im Kriminaldauerdienst und in Zivil unterwegs auf Frankfurts Straßen. Er sei ein "Sportfanatiker", erzählte er den Journalisten freimütig. Einmal pro Woche leitete er das Boxtraining der Frankfurter Polizei.

Inzwischen dürften seine Vorgesetzten es bereuen, den Beamten so in Szene gesetzt zu haben. Der 40-Jährige ist jetzt in anderer Mission unterwegs. Seine Eloquenz nutzt er, um zu predigen. Roman R. ist zum Islam konvertiert, einer Religion, die seiner Meinung nach im Westen von vielen Menschen "gedemütigt" wird und über die "Lügen" verbreitet würden. Immer wieder wirft er aber auch Muslimen vor, unislamisch zu handeln, etwa Frauen, die sich nicht verhüllen wollen oder das Verhüllungsgebot zu liberal auslegen: "Knallenge Jeans und nur ein Tuch auf dem Kopf - ist das das, was Allah von uns möchte? Wohl kaum!" Und weiter: "Dass Frauen vergewaltigt werden, hat auch damit zu tun, weil sie ihre Reize zeigen."

"Dawa FFM"-Anhänger gelten als Islamisten

Niedersachsens Verfassungsschutz-Präsident Hans Wargel. © dpa picture alliance Fotograf: Jochen Lübke Detailansicht des Bildes Niedersachsens Verfassungsschutz-Präsident Hans-Werner Wargel warnt vor den Salafisten. Der Salafismus richte sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung. Diese Thesen verbreitet Roman R. unter dem Namen "Abu Bilal", das hat der hessische Verfassungsschutz bestätigt. Der Prediger hat zumindest enge Kontakte zum Netzwerk "Dawa FFM", einer Gruppe, die die hessischen Behörden möglichst verbieten wollen. Die "Dawa FFM" und ihre Botschaften sollen, so der Vorwurf, im Februar den Kosovo-Albaner Arid U. zumindest animiert haben, am Frankfurter Flughafen auf US-Soldaten zu schießen. Zwei Menschen wurden damals getötet, das Attentat galt als das erste in Deutschland mit islamistischem Hintergrund.

Die Anhänger der "Dawa FFM" gelten in Behördenkreisen längst als Islamisten. Sie seien, so der hessische Verfassungsschutz, "Salafisten" - eine Strömung, für die der Chef des Niedersächsischen Verfassungsschutzes, Hans-Werner Wargel, deutliche Worte findet: "Der Salafismus richtet sich gegen unsere verfassungsmäßige Ordnung. Er möchte hier in Deutschland einen Gottesstaat aufbauen. In einem solchen Gottesstaat würden danach nur die Gesetze und Regeln der Scharia gelten und nicht mehr die Gesetze, die von Menschen oder Parlamenten gemacht sind.“

"Habe ich genug vorausgeschickt?"

Auch der aktuelle hessische Verfassungsschutzbericht geht auf die "Dawa FFM" ein: Es lägen Anhaltspunkte vor, wonach sich der Frankfurter Verein "gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richtet". Zielgruppen seien vor allem junge Muslime und Konvertiten - so wie Roman R. alias Abu Bilal. Mit NDR Info will er über seinen Weg zum Islam nicht sprechen. Das ließ Roman R. über seinen Anwalt ausrichten. In seinen Predigten aber deutet er zumindest an, was ihn zum Salafismus gebracht hat. Demnach war es auch der Polizeidienst und die zum Teil enorme Belastung, die die Arbeit für die Beamten bedeutet. "Bis ich eines Tages nachgedacht habe: Du hast jetzt bestimmt 200 Tote in Deiner Hand gehabt. Aber was ist mit Dir selber? Wann und wie wird er mich holen? Habe ich genug vorausgeschickt?"

Seine Ansprachen verbreitet Roman R. vorwiegend über das Internet, in Zusammenarbeit mit "Dawa FFM". Anlass für strafrechtliche Ermittlungen hat R. darin offenbar noch nicht gegeben. In Hessen ist lediglich von dienstrechtlichen Ermittlungen im Zusammenhang mit seinem Status als Polizeibeamter die Rede. Über den Ausstieg aus dem aktiven Dienst will die Polizei nichts sagen. Den Recherchen von NDR Info zufolge erhält Roman R. aber noch einen Großteil seiner Bezüge - so finanziell vom Staat ausgestattet, kann er sich ganz seiner religiösen Arbeit widmen.

Verfassungsschutz hat Salafisten im Visier

Diese Arbeit führte ihn auch nach Hamburg. Über ein Reisebüro in der Innenstadt hat er nach Informationen von NDR Info Pilgerfahrten nach Saudi-Arabien organisiert - den Hamburger Behörden ist er deshalb ebenfalls bekannt. Die Zielgruppe der Pilgerfahrten: vor allem junge, männliche Muslime. Diese Aktivitäten beobachten die Behörden mittlerweile genau. Niedersachsens Verfassungsschützer Wargel hält den Salafismus und seine netzwerkartig organisierten Missionierungsgruppen gar für die "dynamischste" Richtung unter den Islamisten.

Viele muslimische Verbände haben sich von den Thesen der Salafisten und ihrer Religionsauslegung distanziert. In Niedersachsen will die Schura, also der Landesverband der muslimischen Vereine, an Präventionsprojekten mitarbeiten, so Wargel. Die Schura-Verantwortlichen wollten verhindern, dass junge Männer durch salafistische Prediger oder Vereine radikalisiert würden. Eine Befürchtung, die auch der hessische Verfassungsschutz im Zusammenhang mit "Dawa FFM" äußert. Im aktuellen Bericht heißt es: "Insbesondere die immer wieder geforderte Abgrenzung von der Mehrheitsgesellschaft befördert eine immer stärkere Verstrickung in extremistische Kreise sowie die Verfestigung eines Freund-Feind-Denkens." Roman R. alias Abu Bilal wird in dem Bericht zwar nicht ausdrücklich erwähnt. Seinen Ex-Kollegen dürfte der Polizist außer Dienst aber wegen seiner Zusammenarbeit mit "Dawa FFM" trotzdem eine Menge Sorgen bereiten.

Kommentare der Leser von NDR.de

  • "Leser" meint:
    Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Sie sollten das am besten wissen.
    Ist er durch den Wechsel seiner Religion ein schlechter Mensch geworden?
    Oder ist man nur ein guter Mensch wenn man christlich ist? Hier geht es zum Forum

  • "nACHDENKEN" meint:
    wenn die Äußerung, dass Frauen selbst schuld seien wenn sie vergewaltigt würden von dem Polizeibeamten a.D. so geäußert werden verrät das doch seine wahre Gesinnung. Er darf sich meiner Meinung nach nicht als Muslim bezeichnen sondern ist ein Frauen- und Männerverachtender Menschenfeind. Die gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist eines unserer Höchsten güter! Hier geht es zum Forum

  • "GAST2" meint:
    Es ist schon bezeichnend, dass einigen Kommentatoren hier zum Thema "Islamistischer Polizist" nicht mehr einfällt als das übliche Gezeter über die ach so böse Kirche! Ich finde das traurig. Und ich denke schon, dass eine Gesellschaft, die ihre historisch gegebenen (christlichen) Wurzeln oftmals mit einem geradezu neurotischen Eifer verleugnet wie die unsrige, zu einem geistigen Hohlraum wird, in dem Menschen wie dieser eifrige junge Beamte keine Antwort auf ihre Fragen nach dem Sinn mehr finden. Schade, dass er sich nun irgendwelchen extremistischen Salafisten-Rattenfängern angeschlosen hat; aber wahrscheinlich hatte man ihm schon in der Ausbildung gesagt, dass er sich auf der Polizeischule lächerlich macht, wenn er in der Bibel liest und sonntags mal zur Kirche geht. Hier geht es zum Forum

  • "Hans" meint:
    Wir Muslime werden das Thema überall, auf unterschiedlichen Plattformen zur Sprache bringen. Wir werden Bücher darüber veröffentlichen. Wir werden sagen: "Das ist nicht der Islam. Bin Laden hat den Islam durch seine Gefühle und Wünsche ersetzt. Er ist ein Scheusal, genau wie die Leute, die sich um ihn geschart haben. Und auch all jene, die ihnen ähneln, sind nichts anderes als Scheusale." Zu dem Thema ist nichts mehr zu sagen. Hier geht es zum Forum

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Autor
Jürgen Webermann © NDR Fotograf: Christian Spielmann
 

Jürgen Webermann

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