Freizeitspaß auf Kosten asiatischer Billiglöhner

von Christian Erber, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Frauen nähen Kleidung in einer Textilfabrik © picture-alliance/ dpa Fotograf: Christiane Oelrich Detailansicht des Bildes Näherinnen bei der Arbeit in einer Textilfabrik in Kambodscha. Garantien, dass bei der Produktion Gesundheits- und Arbeitsschutz-Standards eingehalten werden, gibt es nicht. Outdoorbekleidung steht traditionell weit oben auf den Weihnachts-Wunschzetteln. Es sind Kleidungsstücke, die oft viel Geld kosten. Da sollte man meinen, dass die Fabrikarbeiter, die sie produzieren, fair entlohnt werden. Recherchen der sogenannten "Kampagne für saubere Kleidung" haben jetzt das Gegenteil ergeben. Das Netzwerk setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen in der internationalen Bekleidungs- und Sportartikelindustrie ein.

Sorgen bereiten der Initiative vor allem die Arbeitsbedingungen bei Produzenten sogenannter Boarderwear-Ausstattung. Dazu gehören Snowboard-, Surf- oder Skaterbekleidung. Die Anbieter haben ihren Hauptsitz meist in den USA, unterhalten aber auch große Dependancen in Deutschland.

Viele Überstunden und kaum Pausen

May Wong (r.) und Rena Lau von der Organisation "Globalization Monitor". © NDR Fotograf: Christian Erber Detailansicht des Bildes May Wong (r.) und Rena Lau von der Organisation "Globalization Monitor" berichten von ihren Recherchen in asiatischen Zulieferbetrieben von Skate-, Surf- und Outdoor-Bekleidungsfirmen. Gefertigt werden die Kleidungsstücke oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, berichtet May Wong. Sie arbeitet für die Nichtregierungsorganisation "Globalization Monitor", die in engem Kontakt zu Mitarbeitern aus chinesischen Textilfabriken steht: "In chinesischen Textilfabriken sind Überstunden an der Tagesordnung. Zwölf- bis 14-Stunden-Tage sind für viele Arbeiterinnen ganz normal. In der Hauptsaison arbeiten sie schon mal die Nächte durch, sodass sie manchmal zwei bis drei Tage lang kaum Pausen haben." Auch die Bezahlung der Überstunden sei ein Problem, weil sich viele Fabrikbesitzer nicht an die Gesetze hielten und den Mädchen einfach weniger zahlten.

Im Schnitt liege der Monatslohn in der chinesischen Textilindustrie bei umgerechnet etwa 100 Euro - in Indien, Kambodscha, Bangladesch und Sri Lanka sogar weit darunter. Zusammen mit Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen macht sich "Globalization Monitor" deshalb für einen asiatischen Mindestlohn stark. Dieser müsse in etwa doppelt so hoch liegen als die derzeitigen Löhne, damit eine vierköpfige Familie davon leben könne.

Burton, Quicksilver und Co.: Kein Kommentar

In China habe es zwar erste Verbesserungen gegeben. Es bleibe aber immer noch viel zu tun, vor allem in puncto Gesundheitsschutz, so Wong: "Wegen der langen Arbeitszeiten klagen viele Arbeiterinnen über Rückenleiden und Schmerzen in den Beinen, und Sicherheitsstandards werden auch vernachlässigt. So kommen die Arbeiterinnen regelmäßig mit Staub, Dreck und Chemikalien in Kontakt. Die Fabrikbesitzer informieren sie noch nicht einmal, welche Chemikalien das sind. Das ist eine wirklich problematische Situation."

Über diese Produktionsbedingungen sprechen die Anbieter der Kleidung aber nur ungerne - wie die sogenannte "Kampagne für Saubere Kleidung" jüngst erfahren musste. Sie hatte Fragebögen an zehn Produzenten von Boarderwear-Kleidung verschickt, unter ihnen O'Neill, Etnies, Burton oder Quiksilver. Das ernüchternde Ergebnis: Keine der Firmen wollte Auskunft geben, ob sie Maßnahmen gegen Verletzungen von Arbeits- oder Menschenrechten trifft.

Sitz der Produktionsstandorte werden verschwiegen

Seine Produktionsstandorte wollte ebenfalls kein Unternehmen offenlegen. Nur jede zweite Firma gab an, überhaupt einen Verhaltenskodex zu haben. Etwas besser sehe es immerhin bei Produzenten von Outdoor-Kleidung aus, zu denen auch norddeutsche Unternehmen wie Globetrotter oder Tchibo gehören. Dort sei man zunehmend um Transparenz im Hinblick auf Arbeitsbedingungen bei Zulieferbetrieben bemüht, sagt Lars Stubbe von der "Kampagne für Saubere Kleidung".

Das Thema Mindestlohn werde aber in der Branche nach wie vor eher skeptisch gesehen: "Die Argumentation der Unternehmen ist einsereits der Wettbewerbsdruck, das zweite wesentliche Argument ist häufig, dass gesagt wird: So seien eben die Gesetze in diesen Ländern. Das heißt, dass bestimmte Arbeitsrechtlinien nicht eingehalten werden oder dass bestimmte Löhne nicht gezahlt würden. Und dass man darüber hinaus nur über Zulieferer mit diesen Ländern Kontakt habe und auf die nicht genügend Druck ausübgeübt werden könne."

Druck durch Kaufentscheidung der Konsumenten

Druck müssten deshalb die Konsumenten mit ihrer Kaufentscheidung ausüben. Das sei ein sehr wirkungsvolles Mittel, um die Hersteller zum Nachdenken zu bewegen, mit welchen Zulieferern sie Geschäftsbeziehungen unterhalten wollen.

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