Kommt zentrale Leitstelle für Offshore-Rettung?

von Claudia Plaß, NDR Info

Luftaufnahme von 4 Windrädern in Ostsee © dpa - Bildfunk Fotograf: Stefan Sauer Detailansicht des Bildes In den kommenden Jahren sollen viele neue Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee errichtet werden. Gut zwei Wochen ist es her, dass ein Arbeiter im BARD-Offshore-Windpark hundert Kilometer nordwestlich der Insel Borkum von einer Arbeitsplattform gestürzt ist und ums Leben kam. Und während die Ermittlungen zur genauen Unfallursache noch laufen, wird die Frage nach geeigneten Rettungsmaßnahmen auf hoher See immer drängender. In den kommenden Jahren entstehen riesige Windparks vor den deutschen Küsten von Nord- und Ostsee. Was tun, wenn ein Unfall passiert? Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) will mit einer neuen Notfall-Leitstelle dafür sorgen, dass in Zukunft Rettungseinsätze zentral koordiniert werden.

DGzRS zur Ausweitung ihres Arbeitsgebiets bereit

Seenotrettungskreuzer © ddp-mecom Fotograf: David Hecker Detailansicht des Bildes Der Rettungsdienst der DGzRS verfügt über 41 Seenotrettungsboote und 20 Seenotkreuzer, die auf den Inseln und entlang der Küsten stationiert sind. Routine für das Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC), die Seenotleitung der DGzRS: Nach einer Unfallmeldung im Süden von Fehmarn ruft der MRCC-Diensthabende Rolf Detlefsen den auf Fehmarn stationierten Seenotkreuzer "Bremen", schickt ihn zum Einsatz. Schon seit Jahren koordiniert die DGzRS die Such- und Rettungsmaßnahmen auf See an den deutschen Küsten.

Diese Arbeit soll jetzt auch auf Unfälle in den Bereichen von Offshore-Windparks ausgeweitet werden, sagt Udo Helge Fox, der Leiter des Rettungsdienstes: "Unsere Idee ist, dass sich idealerweise alle Anlagenbetreiber dort draußen daraufhin verständigen, dass bei Notfällen mit Personenschäden die Erstalarmierung immer in diese Notfall-Leitstelle erfolgt."

Geschätzte Kosten: zehn Millionen Euro

Von dort sollen dann - so die Theorie - die Rettungsmaßnahmen auf hoher See koordiniert werden. Zunächst erhält dann laut Fox die Notfall-Leitstelle die Erstalarmierung vom Unfallort mit der genauen Beschreibung, was und wo etwas passiert ist. Wenn die Notfall-Leitstelle wisse, welche Rettungsmaßnahmen bereits vor Ort eingeleitet wurden, könne man darauf reagierend festlegen, welche Kräfte und Einsatzmittel noch benötigt werden - ob also beispielsweise ein Hubschrauber mit Notarzt auf den Weg zum Unfallort geschickt werden muss.

Noch ist die Leitstelle nur eine Idee, für die es Konzepte auf Papier gibt. Die DGzRS will zusammen mit den Windparkbetreibern klären, wie viele Spezial-Hubschrauber und Notärzte künftig benötigt werden, und welche spezielle Ausbildung für die Mediziner notwendig ist. Auch der Luft- und Seeraum soll künftig von der Leitstelle aus überwacht werden. Die Kosten für die neue Leitstelle schätzt Fox auf zehn Millionen Euro. Die Windparkbetreiber, so der Plan, sollen sich die Kosten untereinander teilen.

Offshore-Park-Betreiber sprechen von "ergänzender Maßnahme"

Ein Polizeibeamter sitzt in der neuen Polizei Regional Leitstelle in Kiel. © dpa - Bildfunk Fotograf: Carsten Rehder Detailansicht des Bildes Die Kosten für eine zentrale Notfall-Leitstelle sollen nach den Plänen der DGzRS die Windparkbetreiber tragen. Stefan Ahlers ist zuständig für den Bereich Arbeitsschutz beim Offshore-Windpark-Betreiber BARD. Er findet die Idee einer zentralen Leitstelle grundsätzlich gut: "Für uns ist das eine ergänzende Maßnahme. Das heißt, dass wir unsere Meldewege mit unseren betriebsinternen Konzepten verbessern können. Hier versprechen wir uns natürlich noch bessere Kommunikation."

Ahlers betont aber, die BARD-Engineering verfüge bereits über ein eigenes, funktionierende Rettungssystem. Auch nach dem tödlichen Unfall eines Industriekletterers auf einer Arbeitsplattform im Windpark auf der Nordsee halte man an diesem Konzept zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz fest. Ein Hubschrauber sei ständig in Bereitschaft, innerhalb einer Stunde sei ein Notarzt am Unfallort auf der Nordsee.

Realisierung noch in diesem Jahr?

Auch Claus Burkhardt, Gesamtprojektleiter des Alpha-Ventus-Konsortiums, reagiert verhalten auf die Pläne der DGzRS. "Wir brauchen jetzt ein Rettungssystem und nicht erst später", sagt er. Eine zentrale Notfall-Leitstelle sei sinnvoll, aber auch bei Alpha Ventus verlässt man sich zunächst lieber auf die eigenen Rettungshelfer.

DGzRS-Mann Fox ist dagegen überzeugt von der Idee einer zentralen Notfall-Leitstelle. In den kommenden Jahren werden in den Windparks in Nord- und Ostsee rund tausend Arbeiter beschäftigt sein. Um den Überblick zu behalten, müsse es eine zentrale Leitstelle geben: "All diese Dinge brauchen eine gewisse Zeit. Und diese Zeit wird natürlich immer knapper. Wir können nicht noch ein paar Jahre warten, bis da draußen in großem Umfang Bautätigkeit stattfindet. Von daher müssen wir jetzt langsam zu Potte kommen." Fox hofft, dass die Leitstelle Ende dieses Jahres ihren Betrieb aufnehmen kann.

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