Konjunkturpaket II
Folge 4: Viele Aufträge für Firmen aus Stade
Eine Reportage von Kathrin Schmid, NDR Info
Zunächst einmal brauchte der Juniorchef des Gebäudesanierungs-Spezialisten NDB Systems aus Stade, Florian Geyer, viel Geduld. "Die Planungsbüros haben gesagt: 'Wir sind Land unter'. Die hatten viele Anfragen gleichzeitig, die sie nacheinander abgearbeitet haben. Doch seit dem Frühjahr sind wir vermehrt mit Aufträgen unterwegs, die aus dem Konjunkturpaket finanziert werden", berichtet Geyer von Verzögerungen zu Beginn der Konjunkturpaket-Umsetzung. Die Gemeinden standen vor einem riesigen Batzen Geld und mussten erst einmal die Listen rausholen und schauen, welche Projekte anstehen. Diese Wunschzettel gingen dann an die Planungsbüros - und auch dort stapelten sich die Akten. Niemand hatte genug Personal für ein solch unerwartetes Konjunktur-Geschenk.
Seit ein paar Monaten landen nun vor allem Projekte an Schulen auf dem Schreibtisch von Bauunternehmer Geyer. An den Schulen saniert seine Firma Fassaden und sorgt dafür, dass künftig geringere Energiekosten anfallen. Diese Arbeiten standen schon lange an, mussten aber wegen leerer Gemeindekassen bislang warten. Es gibt aber auch das ein oder andere Projekt, das nicht zwingend notwendig war, glaubt Geyer: "Da sind natürlich auch Baumaßnahmen dabei, wo man sagt, schön, dass das jetzt so schnell durchgewinkt wird. Zum Beispiel, dass viele Schulen eine neue Mensa kriegen. Die standen immer auf der Wunschliste der Schulen und der Eltern ganz weit oben." Ohne Konjunkturpaket würden diese Vorhaben immer noch auf der Warteliste stehen, glaubt Geyer.
Regionale Firmen teurer als Konkurrenz aus dem Ausland
Das Konjunkturpaket sorgt dafür, dass die Aufträge jetzt vor allem schneller fließen. Die Vergabe-Richtlinien sind stark vereinfacht worden. Eine Handvoll regionale Unternehmen geben ihr Angebot ab, so wird die Planungszeit deutlich verkürzt. Das macht es für beide Seiten leichter - für die Bauunternehmen vor Ort und für die Gemeinden. Für Letztere hat das aber auch eine Kehrseite: Viele Gemeinden klagen bereits, dass ihre Projekte nun deutlich teurer ausfallen. Die Preise seien um 20 bis 30 Prozent gestiegen. Zu Recht, wie Geyer meint: "Natürlich ist es so, dass die Auftragslage im Moment gut ist. Wir haben Probleme Personal zu finden. Und wenn die Bücher voll sind, leidet auch unserer Produktivität. Es fallen Überstunden und Wochenendzuschläge an. Und das müssen wir in dem Moment auch weitergeben."
Für die Unternehmen aus der Baubranche ist das in jedem Fall eine komfortable Situation. Die Kollegen der regionalen Bauwirtschaft können sich jetzt auch Aufträge angeln, die zuvor häufig an die billigere Konkurrenz aus dem Ausland gingen. Manchmal sind gar nicht alle zu bewältigen: "Das klassische Beispiel sind die Sommerferien. Die Projekte schnellen in die Höhe, weil natürlich jeder gerne seine Schule umgebaut haben möchte, bevor die Schüler wieder kommen. Das ist einfach nicht möglich", erklärt Geyer. Solche Aufträge ablehnen tue aber auch weh. Denn natürlich mache auch er sich schon Gedanken, was nach dem Konjunkturpaket kommt.
Hoffnung auf Langzeiteffekt
Auch wenn der Zehn-Milliarden-Topf beim Bundesfinanzministerium noch etwa halbvoll ist: Verplant ist das Geld bereits. Und danach erwartet die Branche die große Flaute. Klar ist nämlich, dass die ohnehin schon hochverschuldeten Kommunen dann noch klammer sein werden: "Jetzt ist es ein Aufschwung, eine Delle nach oben. Aber wenn in Zukunft die kommunalen Finanzen mau sind, dann haben wir Probleme von der öffentlichen Hand Aufträge zu bekommen", glaubt Geyer.
So hofft der Unternehmer, dass das Konjunkturpaket zumindest einen bleibenden Effekt hat: Wenn die Kollegen in Stade genug Werbung für sich gemacht haben beim Umsetzen der aus dem Konjunkturpaket bezahlten Aufträge, dann könnten sich die Gemeinden doch daran gewöhnen, regionale Aufträge wieder stärker an regionale Baufirmen zu vergeben.