"Meine Daten kriegt Ihr nicht!"

von Robert Kindermann

Computer-Tastatur © picture-alliance/ dpa Fotograf: Sebastian Widmann Detailansicht des Bildes In Deutschland ist jeder Schüler im Internet. Allein über fünf Millionen tummeln sich in der Online-Community Schüler VZ. Darin tauschen sie private Fotos aus, schreiben E-Mails mit Freunden und hinterlassen kurze Nachrichten an Schwarzen Brettern. Und jeder Klick hinterlässt Spuren. Persönliche Daten, die so schnell nicht mehr aus dem Netz herauszulöschen sind. Gerade junge Menschen betreiben geradezu einen Daten-Exhibitionismus.

Workshop für Lehrer

In Hamburger Schulen startet jetzt die Initiative "Meine Daten kriegt Ihr nicht" und setzt bei den Lehrern an, denn "die größeren Defizite haben die Lehrer - die Schüler können mit dem Internet umgehen - die Lehrer nicht", meint der Hamburger Mathe- und Physiklehrer Norbert Finck von der Gesamtschule Walddörfer. Und deshalb bekamen auch zuerst die Lehrer Nachhilfe in Sachen Datenschutz.

In einem zweitätigen Workshop haben sie sich selbst gegoogelt - also ihren Namen im Internet gesucht - und in weiteren Vorträgen unter anderem von der Hamburger Polizei gezeigt bekommen, wo sie überall Spuren im Netz hinterlassen: Nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern auch bei der oft geforderten Recherche für Hausaufgaben. Die Lehrer sollten ein Gefühl dafür bekommen, wo ihre Schüler unterwegs sind. "Die Veranstaltung hat mir noch mal gezeigt welche Bedeutung das Internet für Schülerinnen und Schüler hat. Wie viel Lebenszeit sie dort verbringen. Zwei Stunden während des Schultages am Rechner. Das müssen wir als Schule wahrnehmen, das müssen wir berücksichtigen", so Finck.

"Wir müssen den Schülern behilflich sein"

Norbert Finck hat in den zwei Tagen ganz klare Tipps bekommen, was er seinen Schülern vermitteln kann: "Die Schüler sind jetzt gerade dabei, sich in Online-Communitys anzumelden. Das wird jetzt für sie interessant. Also müssen wir mit ihnen üben und lernen, wie sie sich eigenverantwortlich anmelden können. Pseudonyme verwenden, mal auf die Einstellungen schauen, möglicherweise dort etwas verstellen. Das müssen wir ihnen beibringen, das können sie nicht sofort erkennnen. Insbesondere die Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Das können sie nicht lesen. Da müssen wir ihnen behilflich sein."

Die Lehrerfortbildung ist ein Teil der Initiative "Meine Daten kriegt ihr nicht", die auch vom Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar mitgetragen wird. Der hat ein eindeutiges Ziel: "Wir wollen, dass die Datenschutzkompetenzförderung künftig in die Schule als Pflichtfach integriert wird. Es ist ganz entscheidend, dass die Kinder am Ende dazu in der Lage sind, sich selbstverantwortlich durch die digitale Welt zu bewegen. Auf der anderen Seite aber auch die Daten Dritter respektvoll behandeln."

Bis es soweit ist, sollen die Lehrer mit genügend Lehrmaterial ausgestattet werden. Das bekommen sie zum Herunterladen zur Verfügung. Mathelehrer Finck sieht seine Kollegen in der Pflicht: "Von den Kolleginnen und Kollegen wünsche ich mir einfach: Schaut einfach mal rein in die Online-Communitys. Schaut euch einfach mal an, wo eure Schüler sind. Lasst es euch einfach mal von euren Schülern erklären, was die da so zwei Stunden am Tag machen. Und dann - mit  dem Wissen - müssen wir sehen, wie wir das in vernünftigen Unterricht umbauen."

Eine erste Idee, wie so eine Unterrichtsstunde aussehen kann, gab es dann an der Gesamtschule Walddörfer in Hamburg: Die 7. Klasse suchte nach verschiedenen Namen im Internet, und die Schüler waren am Ende erstaunt, wie viele private Informationen junge Menschen öffentlich im Netz über sich verbreiten.

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