Verdeckte Ermittler bei Konkursen sind kein Einzelfall

von Joachim Hagen

Der Fall sorgte vor kurzem in Osnabrück für Empörung: Ein verdeckter Ermittler soll die Mitarbeiter des angeschlagenen Autobauers Karmann bespitzelt haben. Der Betriebsrat nannte das eine "Ferkelei". Doch Ermittler werden offenbar häufiger in laufenden Konkursverfahren eingesetzt.

Beweise müssen "gerichtsfest" sein

Schriftzug des Autobauers Karmann © dpa-Report Fotograf: Friso Gentsch Detailansicht des Bildes Der Insolvenzverwalter von Karmann versucht die Vorwürfe zu entkräften: Die Mitarbeiter des Autobauers seien nicht bespitzelt worden, heißt es in einer Erklärung. Der Mann habe verhindern sollen, dass Werkzeug und Material gestohlen oder Betriebsgeheimnisse an Konkurrenten verkauft werden. Der Sicherheitsberater Klaus Dieter Matschke schüttelt bei dieser Begründung nur den Kopf. Es sei zwar durchaus üblich, Ermittler während eines laufenden Konkursverfahrens einzusetzen, sagt der Chef der Beratungsfrima KDM, aber ihn unter falschem Namen arbeiten zu lassen, diese Entscheidung könne er nicht nachvollziehen: "Es geht darum Beweise zu beschaffen, die dann anschließend auch gerichtsfest sind. All das, was wir in einem Konkursverfahren an Informationen benötigen, muss ich anschließend der Staatsanwaltschaft übergeben. Bei jedem Blatt Papier muss ich nachweisen können, wie ich in den Besitz gekommen bin, um es dann auch in das Verfahren einbringen zu können." Deshalb müsse ein Ermittler immer mit offenen Karten spielen und auch mit dem Betriebsrat zusammenarbeiten. Der wisse sowieso am besten, wo die Schwachstellen in einem Unternehmen seien.

Auch offene Ermittlungen können erfolgreich sein

Matschke berät seit knapp 20 Jahren Unternehmen in Krisensituationen. Und dabei seien er und seine Mitarbeiter schon häufig auf Fälle von Betrügereien und Industriespionage gestoßen. Wie bei seinem letzten Fall, der deutsche Tochter eines britischen Konzerns, die kurz vor dem Konkurs war: "Hier hat der Geschäftsführer geglaubt, er könne seine Informationen, seine Kundenkontakte zu einem Mitbewerber bringen. Um dieses Unternehmen erst mal in den Konkurs zu treiben hat man hier ein Jahr lang keine Rechnungen mehr geschrieben und auch keine Rechnungen mehr bezahlt." Möglich gewesen sei das, erzählt Matschke, weil dieser Geschäftsführer seine engsten Mitarbeiter eingeweiht habe. Die hätten ihn gedeckt. Auf die Spur gekommen, sei er diesem falschen Konkurs durch E-Mails, die über den Hauptserver des britischen Mutterunternehmens verschickt worden seien. Aber auch hier habe er nicht verdeckt ermittelt, sondern habe mit der Polizei zusammen gearbeitet: "Wir haben dann mit einer großen Gruppe von Anwälten zugegriffen und haben die Leute, von denen wir wussten, dass sie gemeinsame Sache mit dem Geschäftsführer machten, angesprochen, sie entlassen und sie zu der Sache gehört. Daraus ist dann ein Strafverfahren geworden und das läuft zurzeit noch."

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Rote Ampel vor dem Firmengebäude von Karmann in Osnabrück © dpa Fotograf: Friso Gentsch
 

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