Der Geist von Malente soll wiederbelebt werden

von Jan-Peter Reschke

Die Sportschule in Malente, Unterkunft der deutschen Fußball-Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 1974. © dpa Fotograf: Georg Spring Detailansicht des Bildes Der "Geist von Malente" - eingefleischte Fußballfans wissen noch, was das bedeutet: 1974, die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land und die bittere Niederlage gegen die DDR in Hamburg. In der Sportschule Malente in Ostholstein rauften sich die Nationalspieler um Franz Beckenbauer daraufhin zusammen und holten schließlich den Titel. Seit Jahren ist dieser "Geist von Malente" verschwunden, doch nun wollen ihn die Betreiber der Sportschule wiederbeleben: Ein Fußball-Hotel soll neue Gäste anlocken. 

Das dumpfe "pock, pock, pock" ist nach wie vor zu hören auf dem verwunschenen Hügel am Kellersee, doch schon lange hat hier kein Profi mehr gegen das Leder getreten. Auf den Spielfeldern der kleinen, fast vergessenen Sportschule trainieren inzwischen angehende Fußballlehrer oder junge Talente und die ahnen kaum noch etwas vom "Geist von Malente". "Als Deutschland 1974 Weltmeister geworden ist, war hier irgendein Geist in der Sportschule, der denen irgendwie geholfen hat", vermutet einer der jungen Kicker, die hier dem Ball nachjagen.

Nationalmannschaft schwört sich in Malente auf WM-Titel ein

Ob der Junge mit seiner Theorie recht hat, ist bis heute nicht so richtig klar. Fest steht nur: Es war der Abend des 22. Juni 1974, als die Legende vom "Geist von Malente" ihren Ursprung nahm. Im letzten WM-Vorrundenspiel traf die Mannschaft der Bundesrepublik im Hamburger Volksparkstadion auf die Elf der DDR. Endstand: 0:1 durch ein Tor von Jürgen Sparwasser. Geknickt kehrte die BRD-Auswahl in ihren Stützpunkt nach Malente zurück und erreichte die Sportschule pünktlich um Mitternacht. Der heutige Schulleiter Klaus Jespersen erinnert sich an einen nächtlichen Anruf von Franz Beckenbauer und vermutet: "Der 'Geist von Malente' ist glaube ich die Palastrevolution von 1974. Nach dem verlorenen Spiel gegen die DDR hat sich die Mannschaft zusammengerauft und dann alles gegeben, um im eigenen Land den Weltmeistertitel zu holen."

Im Endspiel in München besiegte Deutschland die Niederlande mit 2:1 - der zweite WM-Titel nach dem "Wunder von Bern" von 1954 war perfekt. Jespersen ist fest davon überzeugt, dass der Geist von Malente seinen Teil dazu beigetragen hat: "Die Legende sagt ja, dass die deutsche Nationalelf nach diesem Schulterschluss von 1974 nach einem Aufenthalt in der Sportschule Malente nie mehr ein Länderspiel verloren hat." Die WM-Titel 1974 und vor allem 1990 bestätigen diese Theorie, doch 1994 setzte der damalige Bundestrainer Berti Vogts dem Spuk ein Ende: Um die Sportschule Malente macht die DFB-Elf seit dieser Zeit einen großen Bogen. Und so hat die Fußballer-Herberge ihren internationalen Ruf verloren, wenn auch die Zimmer vielleicht noch so aussehen wie damals.

4,5 Millionen Euro sollen investiert werden

So gibt es zum Beispiel nach wie vor Zimmer Nr. 6, in dem 1974 Franz Beckenbauer residiert hat. Zwar geht noch immer ein wunderbarer Blick auf den Kellersee, doch der hölzerne Bettrahmen misst in der Breite nach wie vor nur 90 Zentimeter und das Bad hat den Namen "Nasszelle" kaum verdient. Vieles hier ist in die Jahre gekommen und lange nicht renoviert worden. So dürfe ein guter Geist nicht wohnen, schmunzelt Jespersen.

Für 4,5 Millionen möchte der heutige Leiter die traditionsreiche Sportschule gemeinsam mit dem Schleswig-Holsteinischen und dem Deutschen Fußball-Bund komplett sanieren. Geplant ist ein Fußball-Hotel mit deutlich mehr Platz für Gäste als bislang. Die offiziellen Pläne dafür liegen dem Land bereits vor. An das bestehende Hauptgebäude der Sportschule soll sich ein Erweiterungsbau mit 35 Hotelbetten anschließen.

Der DFB zeigt sich finanzierungsbereit, allerdings nur, wenn auch Schleswig Holstein hilft. Doch soviel Fußballtradition kann sich das finanzgeplagte Land derzeit nicht leisten, heißt es. Deshalb werden jetzt private Investoren gesucht. Sollte das klappen, "dann würde der Geist von Malente in einem neuen Haus wohnen und sicher viele Mannschaften anlocken", sagt Jespersen mit einem Funkeln in den Augen.

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