Ex-AWD-Chef Maschmeyer soll vor Gericht aussagen

von Ilka Steinhausen & Jürgen Webermann, NDR Info

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer © dpa Fotograf: Frank May Detailansicht des Bildes Carsten Maschmeyer gründete den Finanzdienstleister AWD. Im Mai 2009 schied er aus dem Vorstand aus. Der frühere Chef des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer, soll nach Informationen von NDR Info und dem ARD-Magazin "Panorama" in Verfahren von Anlegern gegen den Konzern vor Gericht aussagen. Maschmeyer ist demnach für den 19. März 2012 vor das Landgericht in Gera in Thüringen geladen. Dort soll er unter anderem zur Frage Stellung nehmen, ob der AWD vor seinem Börsengang im Jahr 2000 für die Vermittlung von Fondsprodukten überhöhte Provisionen kassiert hat, ohne dies den Kunden auch mitzuteilen. Dies wäre nicht mit geltendem Recht vereinbar.

Streitfrage: Wie hoch waren die Provisionen?

Den Informationen zufolge hat das Landgericht auch einen ehemaligen Geschäftsführer des AWD-Konzerns geladen. Im Gespräch mit NDR Info und "Panorama" hatte dieser bereits angegeben, dass beim Verkauf der Fondsprodukte in vielen Fällen über eine Tochterfirma insgesamt mehr als 15 Prozent Provision an den AWD-Konzern geflossen sein sollen. Bei Provisionen von mehr als 15 Prozent hätte der AWD seine Kunden laut geltendem Recht aber informieren müssen. Der Geschäftsführer hatte die Tochterfirma, über die der AWD die überhöhten Provisionen abgerechnet haben soll, geleitet und die Vergütungen nach seinen Angaben teilweise selbst mit den Fondsgesellschaften ausgehandelt.

Der AWD und auch Maschmeyer wollten sich zu den anstehenden Verfahren nicht äußern. Der AWD betonte zuletzt, das Unternehmen könne die Vorwürfe, es seien überhöhte Provisionen geflossen, "nicht nachvollziehen".

Klagewelle könnte den AWD mehr als 100 Millionen Euro kosten

Fahnen wehen vor der verspiegelten Fassade der Zentrale des Finanzdienstleisters AWD in Hannover. © dpa Fotograf: Peter Steffen Detailansicht des Bildes Gerichte in Braunschweig und Naumburg verurteilten den Finanzdienstleister im Januar zur Zahlung an seine Kunden. Die Vermittlung und der Verkauf von Anteilen an sogenannten Geschlossenen Fonds, also etwa Beteiligungen an Immobilienprojekten oder Medienfonds, war nach Angaben ehemaliger AWD-Manager ein wichtiger Baustein für den Börsengang des Unternehmens. Für viele Kunden bedeuteten die Beteiligungen jedoch bisher zum Teil sehr hohe Verluste. Zum Jahresende 2011 haben tausende Anleger Klagen eingereicht, weil ihre Fälle sonst verjährt wären.

Der AWD hatte zuletzt im Januar 2012 vor dem Landgericht Braunschweig und dem Oberlandesgericht Naumburg Fälle gegen Anleger verloren. Zuvor waren Klagen von verärgerten Kunden meist erfolglos geblieben. Die jetzige Klagewelle könnte den Konzern Experten zufolge deutlich mehr als 100 Millionen Euro kosten. Der langjährige AWD-Chef Maschmeyer war im vergangenen Dezember aus dem Verwaltungsrat der Konzernmutter Swiss Life ausgeschieden.

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Ilka Steinhausen

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Jürgen Webermann

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