Stand: 09.12.2011 15:26 Uhr
AWD drohen Millionen-Rückforderungen
von Ilka Steinhausen, Christina Hofmeier, Kristopher Sell, Jürgen Webermann
Alle Zahlungen zusammengerechnet ergeben laut Winkler mehr als 15 Prozent Provision. Der frühere Vertriebsgeschäftsführer im AWD, Jörg Jacob, bestätigte diese Angaben gegenüber NDR Info und Panorama. In den Beratungsgesprächen mit Kunden sei das Thema Provision nicht angesprochen worden, "weil es auch kein Bestandteil der Beratungsgespräche sein musste". Der Bundesgerichtshof hatte 2004 und zuletzt im März dieses Jahres entschieden, dass Finanzberater Provisionen von mehr als 15 Prozent des "von den Anlegern einzubringenden Kapitals" offenlegen müssen - diese Entscheidungen gelten jedoch rückwirkend, also auch für den Fonds "Falk 60" und die IMF-Medienfonds.
Der AWD weist die Vorwürfe dagegen weit von sich. Die Provisionspraxis habe immer im Einklang mit der geltenden Rechtsprechung gestanden, betonte ein Sprecher. Schon vor wenigen Wochen hatte der AWD erklärt, Vergütungen von mehr als 15 Prozent seien "nicht nachvollziehbar". Die Fondsgesellschaft, aus deren Haus unter anderem die Medienfonds IMF 1 und 2 stammen, betonte, es seien "in keinem der Fonds" mehr als 15 Prozent gezahlt worden.
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NDR Info und Panorama haben den AWD am 6. Dezember 2011 zu den neuen Recherchen und Vorwürfen befragt. Hier die Antwort des AWD-Sprechers Bela Anda. mehr
Kunden-Rückforderungen in Millionenhöhe?
Tatsächlich spielt sich hinter den Kulissen gerade ein Justizkrimi ab, der den AWD teuer zu stehen kommen könnte. Derzeit reichen rund 2.000 ehemalige Kunden Klagen ein. Da die meisten Fälle Ende des Jahres verjähren, könnte diese Zahl noch einmal kurzfristig drastisch ansteigen. Wie brisant die neuen Recherchen sein könnten, verdeutlicht der Hamburger Finanzrechtler Rüdiger Veil: "Das kann ein Durchbruch für die Anleger sein. Es geht ja um beträchtliche Summen."
So hohe Summen, dass auch die Bilanz des AWD betroffen sein könnte. Rückstellungen von weit mehr als 100 Millionen Euro will Veil nicht ausschließen. Tatsächlich hat der Mutterkonzern des AWD, die schweizerische Versicherungsgesellschaft Swiss Life, inzwischen reagiert: Swiss Life hat die Rückstellungen wegen der anstehenden Prozesse bereits erhöht.
Und: Der langjährige AWD-Chef Carsten Maschmeyer kündigte an, er wolle sich aus dem Verwaltungsrat von Swiss Life zurückziehen. "Mit sofortiger Wirkung", wie die Gesellschaft am Mittwochabend in Zürich mitteilte. Maschmeyer war nach dem Verkauf des AWD an Swiss Life im Jahr 2008 größter Einzelaktionär. Offenbar hatte es wegen der anstehenden Prozesse Streit zwischen Maschmeyer und Swiss Life gegeben. Maschmeyer sei unzufrieden mit der Art, wie der AWD mit den Rechtstreitigkeiten umgehe, heißt es.
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Welche Folgen kann es für den AWD haben, wenn Vertrieb und Kunden von den mutmaßlich überhöhten Provisionen bei den Fondsgeschäften nichts wussten. Interview mit dem Hamburger Finanzrechtler Prof. Dr. Rüdiger Veil. mehr
Betroffene Kunden sprechen von "Abzocke"
Den AWD-Kunden Christian Betz dagegen interessieren Bilanzrückstellungen oder Gewinnwarnungen nicht. Er zittert weiter um sein eigenes Geld, die 40.000 Mark, die er in den Fonds "Falk 60" gesteckt hat. Noch ist der Fonds nicht insolvent wie andere Produkte der Falk-Gruppe. Angesprochen auf die mutmaßlich hohen Provisionen für den AWD fällt Betz nur noch ein Wort ein: "Abzocke."
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08.12.2011 | 13:00 Uhr
Wie schätzen Finanzexperten den Sachverhalt ein, dass der AWD offenbar überhöhte Provisionen kassiert hat? Dazu ein Interview mit Ariane Lauenburg von "Finanztest".
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