Netzwelten
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Illegale Downloads ohne Ende: So war die Plattform megaupload.com noch bis vor wenigen Wochen online zu erreichen ...
Der vierte Teil von "Mission Impossible" läuft gerade in den deutschen Kinos. Eine DVD des Films gibt es noch nicht, doch der Blockbuster aus Hollywood ist ohne Probleme in Internet-Tauschbörsen zu finden. Uwe S. (Name geändert) aus Hannover schaut sich häufig Raubkopien auf seinem Rechner an. Der 40-Jährige erzählt von seinen Raubkopie-Erfahrungen: "Die Qualität von aktuellen Kinofilmen ist gerade bei deutschen Versionen sehr schlecht. Die werden immer noch von der Leinwand abgefilmt. Zwei, drei Monate nach dem Kinostart sieht das schon anders aus. Dann landen die Blu-Ray-Versionen in den Tauschbörsen." Uwe S. lädt sich im Internet auch oft amerikanische Serien in HD-Qualität runter, die in Deutschland manchmal erst sehr viel später legal in dieser Qualität zu bekommen sind.
Inzwischen wurde die Plattform megaupload.com von den Ermittlungsbehörden in den USA geschlossen.
Zehn bis 15 Minuten braucht Uwe S., bis er eine Folge der Raubkopie in bester Qualität heruntergeladen hat. Die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechten (GVU) beobachtet rund 100 Anbieter von sogenanntem "Filesharing" - fast alle haben Links zu Raubkopien. Doch das Anschauen von Filmen ist rechtlich nicht verboten, ganz egal ob die Quelle legal ist oder nicht. Das sagt der der Berliner Anwalt Till Kreutzer: "Wenn der Anbieter immer fein in der Werbung darauf hinweist, wie schön man Filme, Software und Musik tauschen kann, dann wird er vor Gericht große Schwierigkeiten haben. Wenn der Anbieter sagt, wir sind eine Videoplattform, ladet eure Videos hoch, ganz gleich welcher Art, dann ist dagegen nichts zu sagen und das sehen die Gerichte sicher genauso."
Die totgesagte Seite piratebay.org ist immer noch online und bietet Raubkopien an.
Laut Anklageschrift hat Megaupload das Hochladen von Raubkopien beworben. Die illegalen Downloads auf der Seite waren so beliebt, dass sie rund vier Prozent des weltweiten Internetverkehrs ausgemacht haben. Dabei ist für die Rechteinhaber ein geschätzter Schaden von rund einer halben Milliarde Dollar entstanden. Nach der Festnahme der Verantwortlichen um Kim "Dotcom" Schmitz ist der Dienst zwar abgeschaltet, Raubkopien wird es aber weiter im Netz geben. Anwalt Kreutzer glaubt, dass das Internet auf diese Art und Weise nicht kontrollierbar sei - das habe sich auch schon in der Vergangenheit gezeigt: "Als Napster als erste Musiktauschbörse geschlossen wurde, haben sich sofort dezentrale Systeme gebildet, wo es keine Betreiber mehr gibt und wo man im Prinzip überhaupt nichts mehr dagegen machen kann."
Kreutzer arbeitet auch als Redakteur für die Seite irights.info und plädiert für ein neues Urheberrecht, bei der die Nutzer eine Pauschale zahlen und die Künstler so an den Einnahmen beteiligt werden. Auch Uwe S. aus Hannover geht weiterhin ins Kino und gibt für Filme gerne Geld aus. Die legalen Angebote im Internet sind für ihn aber unbefriedigend: "Ich würde zum Beispiel die Kinofilme früher für die Zweitverwertung, also für DVD oder Online freigeben. Die meisten Kinogänger gehen doch bereits spätestens nach zwei Wochen in einen neuen Film, also könnte man den direkt einen Monat später zum legalen Verleih als Blu-Ray anbieten. Gerade weil die Qualität vieler Kino-Projektoren immer noch echt mies ist und ich mir den Film dann lieber in HD zu Hause anschaue."
Weil aber diese attraktiven legalen Angebote fehlen, werden Nutzer immer wieder Raubkopien suchen. Die Musikindustrie hat diesen Fehler erkannt und bietet für eine Pauschale inzwischen neue Dienste an, die Filmindustrie wird dem Beispiel folgen müssen.