Hamburger "Klein-Jerusalem" erwacht wieder
Jahrelang hat es außer Gedenktafeln nichts Jüdisches im Grindelviertel gegeben. Jetzt erwacht das Viertel und könnte wieder "Klein-Jerusalem" werden. mehr
Die Hamburger Grindelhochhäuser
Eine Reportage von Heide Soltau
Die Grindelhochhäuser entstanden zwischen 1946 und 1956 auf dem Gelände des jüdischen Grindel-Viertels.
"Diese Wohnung war für mich damals ein Sechser im Lotto", schwärmte eine der ersten Bewohnerinnen der Grindelhochhäuser. Die gelben "Kolosse" mit Zentralheizung, fließend Warmwasser, Einbauküche und Müllschlucker waren eine Attraktion. Architekten und Touristen aus aller Welt bestaunten sie. Die zwölf Hochhausscheiben stehen "licht- und luftumspült" frei in einem parkartigen Gelände. Ursprünglich sollten hier Angehörige der britischen Besatzungsmacht untergebracht werden.
Die Begeisterung für die Hochhäuser ließ nach, als die Altbauquartiere wiederentdeckt wurden und es viele Familien ins Eigenheim an den Stadtrand zog. Die gemischte soziale Struktur löste sich auf, die Anlage geriet in die Schlagzeilen. Von Horror- oder Rattenhäusern war die Rede. Seit der Jahrtausendwende jedoch vollzieht sich ein Wandel. Die Blocks wurden saniert und neue Mieter zogen ein: Menschen, die ganz bewusst dort wohnen wollen, weil sie den Blick und das Licht, die gut geschnittenen Wohnungen und die zentrale Lage schätzen. Viele finden es schick, in den längst denkmalgeschützten Hochhäusern zu wohnen.
Der Lokaltermin auf NDR Info am 12. Februar 2012 um 6.30 Uhr und 19.20 Uhr.