Lebenswelten - Die Reportage aus Religion und Gesellschaft

Gottvergessen

Seelsorge für demenzkranke Menschen
Von Doris Weber

Wenn die Glocken läuten, erinnern sie sich vielleicht an Mutters Sonntagsbraten und sagen: Hunger. Wenn sie Weihrauch riechen, sehen sie vielleicht ihre ersten bunten Kniestrümpfe im Frühling und rufen: Heute ist Ostern. Demente Menschen leben in ihren eigenen Welten. Will man sie auf ihren Erinnerungsinseln erreichen, muss man sie über die Sinne ansprechen. Religiöse Gefühle gehen nicht verloren, aber sie haben oft keinen Namen mehr. Jesus? Wer ist das? Gott? Nie gehört. Warum ist da ein Kreuz? Demenzkranke können kaum an regulären Gottesdiensten teilnehmen. Sie brauchen kleine Rituale, altvertraute Lieder, Gebete, Gedichte, Weihwasser und viel Wärme und persönlichen Zuspruch. Seelsorge für Demenzkranke kostet Kraft und Geduld. Aber sie kann immer wieder zu tiefen Erlebnissen führen: Wenn der vergessene Gott für einen glücklichen Augenblick im Gedächtnis der Menschen aufleuchtet.

Wiederholung um 17:05 Uhr

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