Kommentar

Käßmann hat die richtigen Worte gefunden

Ein Kommentar von Claus Röck

Margot Käßmann © dpa Detailansicht des Bildes Dass leitende Geistliche in ihren Predigten zum Jahreswechsel die großen Themen unserer Gesellschaft ansprechen, darf man zu Recht von ihnen erwarten. Und dass dabei die großen Themen der Politik, ja selbst der Außenpolitik, nicht ausgespart werden, ist weder unüblich noch überraschend. Und so war es durchaus abzusehen, dass die neue EKD-Ratsvorsitzende in ihrer jüngsten Neujahrspredigt auf den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr einging. Denn schließlich ist dies ein Thema, das viele Menschen in unserem Land beschäftigt, das sie verunsichert, das ihnen vielleicht Angst macht. Und das uns mit Sicherheit auch im neuen Jahr erhalten bleiben wird.

Unsachlich und unfair

Mit anderen Worten: Bischöfin Käßmann tat gut daran, dieses Thema in ihrer Predigt aufzugreifen. Und sie tat es in Worten, die angemessen waren und eigentlich unmissverständlich – wenn sich ihre Kritiker die Mühe gemacht hätten, den Text genau zu lesen. Dann nämlich hätten sie feststellen können, dass darin weder der Abzug der Bundeswehr gefordert, noch die Mission grundsätzlich in Frage gestellt wird. Alles, was die neue Frau an der Spitze des deutschen Protestantismus hier geschrieben und gesagt hat, ist: In Afghanistan herrscht Krieg, dort sterben neben Soldaten auch Zivilisten. Und: "Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen." Denn das könne manchmal mehr bewirken, als alles abgeklärte Einstimmen in den vermeintlich so pragmatischen Ruf zu den Waffen." Der Rest wurde von übereifrigen Pressekollegen und nicht minder eifrigen Politikern aller großen Parteien hineininterpretiert. Das mag deren gutes Recht sein. Der streitbaren Theologin aber aus ihrer pazifistischen Grundhaltung einen Strick drehen zu wollen, ihr gar Amtsmissbrauch und Populismus vorzuwerfen, ist nicht nur unsachlich, sondern vor allem unfair.

Unerwünschte Einmischung?

Ihr katholischer Amtsbruder, der Augsburger Bischof Walter Mixa, ging in seiner Neujahrspredigt übrigens auf den Afghanistan-Einsatz ein. Man müsse, so Mixa, die Frage klären, ob dieser noch gerechtfertigt sei. Wo bleibt da der Aufschrei? Und wer bezichtigt ihn, den katholischen Militärbischof, des Populismus? Und so drängt sich die Frage auf, ob diese völlig überzogene Kritik an den ausgewogenen Worten Margot Käßmanns nicht einem anderen Zweck dient: Nämlich dem, zu untermauern, dass führende Politiker unseres Landes eine Einmischung der Kirchen nicht wünschen - schon gar nicht in einer Sprache, die die Öffentlichkeit erreicht. Und erst recht nicht von einer Stimme, die auch außerhalb der Kirchen Gehör findet. Wenn das die Botschaft sein soll, dann werden sich diese Politiker noch auf manche Einmischung gefasst machen müssen.

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05.01.2010 | 06:38 Uhr

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