Kommentar

Tragödie ohne Ausweg

Wie nicht anders zu erwarten: Die Fronten zum Syrien-Konflikt sind im Sicherheitsrat stabil. Und jetzt? Hat die Welt gegen das Assad-Regime nichts in der Hand?

Ein Kommentar von Ulrich Leidholdt, Korrespondent im Hörfunkstudio Amman

Ulrich Leidholdt © ARD Detailansicht des Bildes Ulrich Leidholdt meint, dass man Moskaus Befürchtungen hätte kennen können und müssen. Bei aller Empörung: Die Entscheidung im Sicherheitsrat war doch absehbar. Angesichts des Horrors in Homs umgehend eine Entscheidung erzwingen zu wollen, mag emotional verständlich sein, überlegt war der Schritt nicht. Wenn man Russland und China dort vorführen wollte - vielleicht. Doch Syrien und seinem Volk hat das überstürzte Vorgehen nichts gebracht.

Das libysche Abenteuer wirkt weiter nach. Noch mal will Russland sich nicht über den Tisch ziehen lassen, unfreiwillig eine Intervention absegnen - die diesmal sicher unabsehbare Folgen hätte, nämlich einem Flächenbrand in Nahost. Wie real die Befürchtungen Moskaus auch immer sind - man hätte sie kennen können und müssen.

Moskau fühlt sich vom Westen getäuscht - und hat in Syrien zudem handfeste Motive: Damaskus, nicht unbedingt Assad, ist sein einzig verbliebener Partner im Nahen Osten, dort unterhält Russland die einzige Marinebasis außerhalb seiner Grenzen, dort setzt es seine Waffen ab. Unmoralisch sicher - so wie ähnliche Geschäfte anderer Staaten, die sich jetzt über Russland und China empören - aber hat das schon jemals eine Rolle gespielt, wenn es politisch passte?

Vor der russischen Präsidenten-Wahl in einem Monat ist Bewegung in Moskau kaum denkbar. Danach würde sich Moskau sein Umdenken zumindest teuer bezahlen lassen.

Erstmal können Assad und sein Regime sich vergleichsweise sicher fühlen - weitgehend isoliert, aber eben nicht von allen. Russland und China halten ihm bis auf weiteres den Rücken frei, zu Hause tun das sein Spezialkräfte, Geheimdienste, Schlägermilizen und Scharfschützen. Die haben wie er nichts zu verlieren.

Das Chaos eines in Teilen Syriens längst existenten Bürgerkriegs, in dem auch der bewaffnete Widerstand wenig feinfühlig vorgeht, treiben den schweigenden, verängstigten Teil der Bevölkerung ob gewollt oder nicht in die Arme des Regimes. Man fürchtet zwar den Horror von heute, doch noch mehr ein Szenario wie im Irak nach dem Sturz Saddam Husseins. Religiöse Racheakte, Entführungen und ethnisch-bedingte Morde gibt es in Syrien schon heute abseits der staatlichen Grausamkeiten.

Der syrische Widerstand ist zerstritten. Ratschläge aus dem Exil, weit weg vom blutigen Alltag daheim nützen einem in die enge getriebenen Volk wenig. Im Land versuchen es viele noch immer gewaltfrei, wollen Assad allein stürzen - auch wenn das noch zahllose Opfer kostet. Sie sagen Nein zu einer Intervention. Der bewaffnete Widerstand der Deserteure wird überschätzt, nicht mal zehn Prozent einfacher Soldaten versammeln sich in der Freien Syrischen Armee. Die befördert den Bürgerkrieg, aber kaum den Sturz Assads.

Der Westen und die arabischen Staaten bleiben hilflos - erst Recht nach dem absehbaren Scheitern in der UNO. Das Assad-Regime hält sich schon weit länger als Experten es seit Monaten prognostizieren - und es kann sich noch lange halten. Die Welt schaut einer Tragödie zu, gegen die sie kein Mittel weiß.

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