Kommentar

Schwere Aufgabe für Schreibers Nachfolger

In Hamburg hat es nach dem Tod eines Pflegekindes am Freitag weitere personelle Konsequenzen gegeben. Der Bezirkschef von Hamburg-Mitte hat sein Amt mit sofortiger Wirkung aufgegeben. Das gab er am Nachmittag gemeinsam mit Bürgermeister Olaf Scholz bekannt.

Ein Kommentar von Kathrin Erdmann, NDR Hörfunkreporterin

Nun also doch: Der Amtsleiter des Hamburger Bezirks Mitte gibt seinen Job auf. Der entsetzliche Tod des kleinen Mädchens belaste ihn so stark, dass er nicht mehr Bezirksamtsleiter sein wolle, begründete er seine Entscheidung. Doch das dürfte nicht die ganze Wahrheit sein, denn noch vor einer Woche hatte Schreiber klar gesagt: Ich ziehe mich nur dann zurück, wenn mir eine persönliche Schuld am Tod der 11-jährigen Chantal nachzuweisen ist. Das aber ist jedoch bis heute nicht der Fall.

Darum dürfte auf den wahren Grund für den Rückzug eher Schreibers zweiter Satz hinweisen: Er wolle Schaden vom Bürgermeister und der SPD abwenden. Denn die Tatsache, dass ein kleines Mädchen unter den Augen des Jugendamtes jahrelang in einer drogenabhängigen Pflegefamilie gelebt hat und dort starb, hat bundesweit für Entsetzen gesorgt. Wie konnte es trotz Kontrollen des Jugendamtes dazu kommen, warum hat niemand etwas gemerkt, ist niemand eingeschritten? Der Fall Schreiber drohte einen dunklen Schatten auf den erfolgsverwöhnten Bürgermeister Olaf Scholz zu werfen. Und das galt es aus Sicht der SPD abzuwenden, deshalb ist der Rückzug spät, aber richtig.

So schrecklich der Auslöser für Schreibers Rückzug ist, so hat er in der Konsequenz vielleicht doch etwas Gutes: Bundesweit kommt die Jugendhilfe jetzt auf den Prüfstand. In Osnabrück zum Beispiel wollen Jugendamt und Träger jetzt enger zusammen arbeiten. Verständlich, denn ein Kind, das trotz staatlicher Obhut zu Tode kommt, ist für jede Kommune der Super-GAU.  

In Hamburg hat der Senat in dieser Woche reagiert: Vieles davon ist reiner Populismus wie unangekündigte Kontrollen in den Pflegefamilien - die sind schon jetzt möglich, müssen eben nur gemacht werden. Sinnvoller ist da schon die Einführung eines Beschwerdemanagements für alle Beteiligten. Es kann zu mehr Transparenz und einem Miteinander auf Augenhöhe führen - und hoffentlich dazu, dass es keinen neuen Fall Chantal gibt.

Auf den Nachfolger von Markus Schreiber wartet auf jeden Fall eine schwere Aufgabe, denn Hamburg-Mitte ist ein Bezirk mit zahlreichen sozialen Brennpunkten.

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Autorin
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