Kommentar

Zu viel Merkel kann auch schaden

Ein Kommentar von Anne Christine Heckmann, Korrespondentin in Paris

Es ein bedingungsloser Beistand, den die Kanzlerin dem Präsidenten in Paris versprochen hat. "Ich unterstütze Nicolas Sarkozy, egal was er tut", betonte Merkel. Und dann fügte sie noch schnell hinzu: "in Bezug auf seine Kandidatur". Doch das ging im Gelächter der Journalisten unter. In Frankreich geht derzeit garantiert nicht unter, dass der Präsident sich an Deutschland festklammert. Früher, als er noch in Topform war, spottete Nicolas Sarkozy im Elysee-Palast schon mal über die behäbige Angela Merkel. Jetzt - wo er schwächelt - könnte man denken, die Kanzlerin ist zu seinem Lebenselixir geworden. Sie gibt ihm Halt und Kraft in einem Wahlkampf, den er für sich selbst noch nicht mal offiziell eröffnet hat.

Für seine Wiederwahl will sich der Präsident mit deutschen Federn schmücken. Schwarz-rot-gold ist eben gerade erfolgreicher als bleu-blanc-rouge. Deutschland strotzt nur so vor Wirtschaftskraft, es hat weniger Arbeitslose und exportiert wie ein weltmeister. Und dann erst die Kanzlerin. "Sie ist bewundernswert", sagt Sarkozy immer wieder. "Eine Frau, die ein Land von mehr als 80 Millionen Menschen so gut regiert." Bemerkenswert. Wo er schon mit 65 Millionen in Frankreich überfordert scheint. Die Franzosen wollen ihn nicht wiederwählen - in den Umfragen liegt der Sozialist Francois Hollande vorne.

Viel Zeit bleibt Sarkozy nicht mehr. Deshalb setzt er alles auf die Deutschlandkarte - und verknüpft sein Schicksal mit dem von Angela Merkel. In der Krise hat das Duo "Merkozy" harmoniert, wieso also nicht auch im Wahlkampf? 15 Mal in nur einer Stunde hat Sarkozy letztens im Fernsehen das Wort "L’Allemagne" ausgesprochen - um seinen Landsleuten die Reformen nach deutschem Vorbild zu verkaufen. Viele werfen dem Präsidenten schon vor, er verstecke sich hinter Deutschland. Sarkozys Deutschland-Elogen nehmen kein Ende. Die Sozialisten sprechen von einer "Obsession". Sarkozys Fürsprecher sagen, in den deutsch-französischen Beziehungen habe es immer schon enge Verbindungen gegeben. Warum sollte man das madig machen? Ist doch ein gutes Zeichen.

Nur: Die Menschen in Frankreich reagieren langsam gereizt auf Sarkozys Deutschland-Euphorie. Auf Dauer lässt sich die nämlich nicht mit dem Stolz einer Grande-Nation vereinbaren. Sie wollen, dass sich ihr Präsident um sie kümmert. Und auch ihnen mal ein bisschen Bewunderung und Liebe entgegenbringt. Sarkozy sollte sich in Acht nehmen. Wenn er weiter so dick aufträgt, könnte das Ganze nach hinten los gehen. Und aus seiner Deutschland-Euphorie könnte in Frankreich eine Deutschland-Phobie werden.

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