Arne Meyer
Eine Kurz-Vita des Hauptstadtkorrespondenten. mehr
Kommentar
Mit dem Safer Internet Day will die Europäische Union bei Nutzern das Bewusstsein für Sicherheit im World Wide Web wecken. Die Bundesregierung machte am Dienstag besonders den Datenschutz zum Thema. Aber wie sicher lässt sich das Internet machen? Es gibt ja schon Datenschutzgesetze, Anti-Viren-Software und stets die Appelle von Politik und Fachleuten. Sicherheit im Internet - wie weit kann die gehen?
Ein Kommentar von Arne Meyer, Korrespondent im Hauptstadtstudio Berlin
Arne Meyer meint in seinem Kommentar, dass sich die User der Risiken bewusst sein müssten, die im Internet lauern.
Dass der Mensch ein widersprüchliches Wesen ist, hat schon der große Aufklärer Immanuel Kant gewusst. Wären zu seinen Lebzeiten Ende des 18. Jahrhunderts Smartphones verfügbar gewesen - Kant hätte tagtäglich diese Widersprüchlichkeit am lebenden Objekt studieren können. Anlässlich des Safer Internet Days haben der IT-Branchenverband BITKOM und das Bundesverbraucherschutzministerium jeweils aktuelle Umfragedaten veröffentlicht, die dem Philosophen zusätzliche Beweise geliefert hätten. Zum Beispiel diese: Acht von zehn Internetnutzern in der Bundesrepublik haben inzwischen bei Sozialen Netzwerken und Partnerschaftsbörsen ein persönliches Profil angelegt. Sie geben dort freimütig Auskunft über Hobbys und Verwandte, veröffentlichen Fotos von sich am Strand oder in der Sauna, oben ohne oder mit. Sie verschicken die Bankverbindung und Kreditkartennummer ohne Rücksicht auf Verluste - das greifbare Schnäppchen heiligt fast alle Mittel.
Das Vertrauen in die virtuelle Welt ist also grenzenlos, oder? Nein! Denn gleichzeitig ist eine Mehrheit der befragten User der Meinung, dass ihre persönlichen Daten im World Wide Web völlig oder eher unsicher sind. Da passt etwas nicht zusammen. Denn gerade aus dem Lager der digitalen Freaks gibt es immer wieder Rufe, die Politik möge doch bitte handeln, wenn sensible Daten an die Öffentlichkeit gelangen oder wenn jemand nach einem vermeintlich kostenlosen Software-Download eine saftige Rechnung im Briefkasten hat. Mit Vollgas in die Abofalle! Reisen, shoppen, lesen - dank multimedialer Begleitung lässt sich mittlerweile nahezu alles von unterwegs erledigen. Das bedeutet aber auch: Es steigen die Risiken des Datenmissbrauchs.
Die Entwicklung in der digitalen Welt alleine in den vergangenen zwei Jahren ist atemberaubend. Und sie macht das Dilemma der Politik deutlich. Sie kann den neuen Apps und Funktionen nur noch hinterher hecheln. Das hat sich beim Geodatendienst "Google Street View" gezeigt und das wird jetzt wieder deutlich bei der Thematik Abofallen. Die Bundesregierung hat eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht, mit der sie - nach eigenen Worten - für mehr Verbraucherschutz sorgen will. Sie räumt allerdings ein, dass es schon mit den jetzigen Vorschriften möglich ist, dieses illegale Geschäftsgebaren zu bestrafen. Leider haben die meisten Verbraucher nicht begriffen, wie sie sich wehren sollen - geschweige denn, dass sie überhaupt die Möglichkeit dazu haben. Abgesehen davon haben die schon existierenden Paragraphen die schwarzen Schafe nicht abgeschreckt. Neue werden daran wenig ändern.
Der Hype um die Smartphones und ihre Möglichkeiten ist verständlich. Wer sich einen solchen Mini-Computer für die Hosentasche zulegt, schleppt auch Verantwortung mit sich herum; für seine und die Daten anderer. Der Präsident des IT-Branchenverbandes BITKOM, Dieter Kempf, hat auf einer Fachkonferenz in Berlin zum Thema "Mobiles Internet" einen sehr passenden Satz gesagt: "Es gibt im Netz nichts kostenlos. Sie zahlen für alles was sie machen - im Zweifel mit ihren Daten." Genau das muss sich jeder User bewusst machen: In der virtuellen Welt geht es längst nicht mehr nur um eine Währung. Leider haben das bisher nur die wenigsten verstanden.