Hilfe für die Hungernden in Afrika
Hilfsorganisationen rufen zu Spenden für die Dürreopfer auf. Ein Spendenkonten-Überblick bei tagesschau.de.
Link in neuem Fenster öffnenKommentar
Ein Kommentar von Christoph Käppeler, Haupstadtkorrespondent des Hessischen Rundfunks
Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hat geschickt agiert: Erst einmal lässt er alle Welt schimpfen - die Opposition, Hilfsorganisationen und Bob Geldof. Deutschland sei knausrig, schimpfte der Rockstar, viele andere gäben viel mehr für die Dürreopfer in Afrika. "Ich will keinen Wettstreit um Zahlen", meinte Niebel kühl. Dann plötzlich verfünffacht er fast die deutschen Zusagen; und nimmt dadurch seinen Kritikern den Wind aus den Segeln. Die stehen jetzt da als die, die vorschnell mit den Millionen des Steuerzahlers wohltätig sein wollten.
Dass er zögerte, dass er erst einmal wissen wollte: wo und wofür wird überhaupt Geld benötigt, anstatt einfach mal eine zweistellige Millionensumme zu nennen, lässt Niebel als Hüter von deutschen Steuergeldern dastehen. Jetzt aber, wo er mehr Geld zugesagt hat, erscheint er als jemand, der nach sorgfältiger Prüfung Notwendiges auch ausgibt. Das wird ihm vom deutschen Steuerzahler nicht angekreidet werden, weil viele Deutsche es für wichtig halten, Menschen vor dem Hungertod zu bewahren und dafür auch kräftig selber spenden. Niebel hat seine Reise nach Kenia geschickt genutzt, wohl auch etwas inszeniert, um sich nach knapp zwei Jahren im Amt als seriösen Minister zu verkaufen, der sich in seinem Gebiet auskennt und es ernst nimmt.
Zunächst zog er Hohn und Spott auf sich. Dem ehemaligen FDP-Generalsekretär fürs Grobe traute keiner zu, dass er sich in ein Ministerium einarbeiten könnte, das sich nicht eignet, um zu polarisieren. Dann wuchs der Respekt für ihn - angesichts schwacher Minister wie seinem Parteifreund Außenminister Guido Westerwelle und einer Hin-und-Her-Kanzlerin erschien seine Arbeit plötzlich als die, die am meisten Linie erkennen ließ. Die Dürrekatastrophe hat ihm dabei geholfen: Denn tatsächlich kann er jetzt einen Schwachpunkt der Arbeit seiner Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul genüsslich ausreizen: Als sie Ministerin war, kümmerte sich die deutsche Entwicklungspolitik, allerdings auch die Politik anderer Länder, viel zu wenig darum, Hungersnöten vorzubeugen. Solche Projekte waren Mangelware.
Niebel nun will solche Projekte sofort und auch später mit 700 Millionen Euro im Jahr fördern. Die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, die mit Niebel in Kenia reist, und die vor allem solche vorbeugenden Entwicklungsprojekte fördert, lobt ihn dafür. SPD-Politikerin Dieckmann bestätigt so Niebels Kritik an ihrer Genossin Wieczorek-Zeul und adelt damit seine Entwicklungspolitik. Und damit kann dann, trotz allen seriösen Ministerdaseins, der ehemalige FDP-Generalsekretär mal polemisch werden - und im "Spiegel"-Interview über das "Almosenministerium der roten Heidi" spotten.
Dass er sich solche bösartigen Ausfälle, die seine Vorgängerin nicht verdient hat, jedenfalls im Moment leisten kann - das ist gut gelaufen für einen Minister, der das Ministerium der "Roten Heidi", dem er jetzt vorsteht, mit seiner Partei noch im letzten Wahlkampf abschaffen wollte.