Das Forum
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Wie Internetportale zum Teilen, Tauschen und Verleihen einladen
Ein Feature von Lu Yen Roloff
Hinweis: Leider können wir die Sendung aus rechtlichen Gründen nicht als Podcast zur Verfügung stellen
NDR Info, Donnerstag, 14. Juli, 20.30 Uhr
Internettauschbörsen wie "The Pirate Bay" erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
Das Partyzelt für die Gartenfete, die Unterwasserkamera für den Tauchurlaub oder der Schlagbohrer: die Garagen und Keller vieler Menschen sind voll mit Dingen, die sie einmal im Jahr brauchen und die dann nur noch Platz wegnehmen. Andere wiederum sind auf der Suche nach genau diesen Dingen. Immer mehr Internetplattformen ermöglichen deshalb neuerdings das Teilen, Tauschen und Verleihen von Gütern.
Das Auto-Leihsystem Car2go startete im Frühjahr 2011 in Hamburg.
Zum Beispiel das Auto: 40 Millionen Deutsche besitzen eins, fahren es aber durchschnittlich nur eine Stunde am Tag. Aber auch wenn es vor der Haustür steht, kostet es Versicherung, Steuern und verliert auch noch an Wert. Deshalb gibt es seit ein paar Monaten privates Carsharing. Auf den Internetplattformen "Nachbarschaftsauto", "Autonetzer" und "Tamyca" können Besitzer ihren Wagen zum Verleih freigeben und Interessierte können ihn tage- oder stundenweise leihen. Die Onlineplattformen stellen dafür die Verträge, Versicherungen und Onlinebezahlsysteme zur Verfügung.
Organisiertes Trampen: Mitfahrer gesucht
Viele Tramper sieht man nicht mehr am Straßenrand. Viele organisieren sich schon früh eine Mitfahrgelegenheit - im Internet.
Wer nicht gleich sein Auto verleihen will, aber Mitfahrer sucht, findet sie auf der Plattform "Mitfahrgelegenheit". 1,5 Millionen Deutsche nutzen diese Möglichkeit bereits. So kann sich der Fahrer die Benzinkosten teilen und der Mitfahrer kommt bequem und ebenfalls kostengünstig zum Ziel. Für die Fahrt von Hamburg nach Berlin zahlt er zum Beispiel 13 Euro. Das System basiert auf gegenseitigem Vertrauen. Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und vor allem sicheres Fahrverhalten sind Grundvoraussetzung. Ein Bewertungssystem hilft den Mitgliedern, sich für vertrauenswürdige Fahrer und Mitfahrer zu entscheiden.
Verleihen statt Verstauben lassen
Warum einen Rasenmäher für teures Geld kaufen, wenn man auch einen ausleihen kann...
Viele Dinge sind teuer in der Anschaffung, werden dann aber nur selten genutzt. Philipp Rogge, Geschäftsführer der Plattform "Frents", findet es deshalb sinnvoll, sie gegen eine Gebühr zu verleihen: "Ich glaube, die Menschen erkennen mittlerweile, dass es ineffizient ist, dass man so viele Produkte um sich herum eigentlich nutzen könnte, die aber aufgrund einer Informationsbarriere nicht verfügbar sind." Diese Hürde sollen Internetportale wie dieses überwinden. Dort haben bereits 13.000 Nutzer 50.000 Produkte zum Verleihen online gestellt.
Dinge, die mal sinnvoll waren, aber nicht mehr gebraucht werden, kann man bei Portalen wie "Netcycler" tauschen. Das Konzept kommt aus Finnland und ist vor Kurzem auch in Deutschland an den Start gegangen. Nutzer tauschen hier zum Beispiel den Kindersitz gegen ein paar Inlineskates. Das ist ökologisch, denn die Produkte werden länger genutzt und landen nicht auf dem Müll. Aber es entspricht auch einem neuen Lebensgefühl: Für viele ist es befreiend, nicht mehr zu besitzen als sie brauchen.
Kostenloser Urlaub auf der Couch
Ab in den Urlaub: "Couchsurfing" ist da eine günstige Alternative zur Pauschalreise.
Auf dem Portal "Couchsurfing" kann jeder sein Sofa anbieten und dafür selbst überall auf der Welt kostenlos übernachten. Das schont den Geldbeutel und schafft kulturellen Austausch, denn oft zeigen die Gastgeber den Reisenden gleich noch die schönsten Ecken ihrer Stadt. Aber auch hier registrieren sich verschiedenste Nutzer und davon ist abhängig, ob der Couchsurfer ein eigenes Zimmer mit Sofa oder nur eine Matratze auf dem Boden bekommt. Inzwischen gibt es fast drei Millionen Couchsurfer in 246 Ländern.
In Deutschland stehen die Teil-,Tausch- und Verleihbörsen noch am Anfang. In den USA und England haben sie sich dagegen bereits am Markt etabliert. So nutzen rund sechs Millionen Menschen weltweit das Internetportal "Freecycle", dort verschenken Besitzer für sie nutzlos gewordene Güter an andere, die sie gebrauchen können. Über die englische Seite "Zopa" gaben sich Privatpersonen gegenseitig schon Kredite in Höhe von 100 Millionen Pfund. Und 1,6 Millionen Menschen haben sich bislang über "AirBNB" in privaten Wohnungen und Ferienhäusern anstatt im Hotel eingemietet.
Internet-Text: Anne Grüneberg