Kommentar

Es gibt kein ultimatives Gegengift gegen die Finanzkrise

Ein Kommentar von Ann-Katrin Johannsmann

Ein Mann im Nadelstreifenanzug riecht an Geldscheinen. © picture-alliance / chromorange Detailansicht des Bildes Bonus ist das lateinische Wort für gut. Deshalb sind auch Bonus-Zahlungen, Geld für gute Leistung. Eingeführt wurden sie in einer Zeit, in der es leicht war, gut zu sein. Einer Zeit in der das Wort Investmentbanker noch kein Synonym für Versager war. China brummte, der US-Immobilienmarkt boomte, die Renditen waren hoch und alle zufrieden. Diese Zeit ist vorbei. Die Staaten der ganzen Welt stehen vor Milliardenschulden. Unter anderem, weil sie ihre Banken mit Milliarden vor dem Bankrott retten mussten. Da ist es Otto-Normal-Wähler extrem schwer zu vermitteln, dass die Bankbosse mit Millionensummen nach Hause gehen. Die Menschen sind sauer.

Die Royal Bank of Scotland hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 24 Milliarden Pfund verbucht. Der höchste Verlust eines britischen Unternehmens aller Zeiten. Als in Großbritannien bekannt wurde, dass Fred Goodwin, der Ex-Chef der Royal Bank of Scotland nicht nur einen Bonus von knapp 3 Millionen Pfund bekommen soll, sondern auch eine jährliche Pension von einer knappen Million, flogen Steine durch das Fenster seines Anwesens. Sein Mercedes S 600 wurde demoliert, daneben lag ein Flugblatt mit dem Text "Das ist erst der Anfang". Das war nicht nur eine Warnung an Fred Goodwin, sondern auch an die Politik. Wenn den Bankern nicht bald ihre Pfründe gekürzt werden, wird es ernst. Kein Wunder also, dass Großbritannien zu den ersten gehört, die eine Sondersteuer auf Boni fordern. 50 Prozent Steuern sollen die Banken auf Boni zahlen, die größer als 25.000 Pfund sind. Frankreich will ebenfalls eine Sondersteuer verhängen. Die deutsche Bankenwelt hat in banger Voraussicht selbst gehandelt. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hat verkündet, dass die großen deutschen Banken und Versicherungen künftig ihre Manager-Vergütungen an den G-20 Vorgaben und damit am langfristigen Unternehmenserfolg orientieren wollen. All das sind gute Nachrichten. Die Welt ist gar nicht so kompliziert.

Es kann nicht sein, dass Bonuszahlungen von Staatsgeld bezahlt werden – basta. Boni sind Belohnungen für gute Leistungen und von denen kann nicht die Rede sein. Das sollte übrigens für alle gelten und nicht nur für Bankmanager. Aber es gibt auch schlechte Nachrichten. Die Ankündigungen sind schwammig und voller Schlupflöcher. Die Regelung in Großbritannien soll zunächst nur für Boni gelten, die bis Anfang April 2010 ausgezahlt werden, das sind nur noch vier Monate.

Wir hätten auch ohne Boni eine Finanzkrise gehabt

Die schlechteste Nachricht von allen kommt noch: Wenn die Finanzkrise ein IKEA-Schrank wäre, wären die Bonuszahlungen vielleicht eine von 50 Schrauben. Natürlich haben die Boni falsche Anreize gesetzt, aber sie haben uns nicht in die Finanzkrise gestürzt. Eine Immobilienblase ist geplatzt, das weltweite Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt und mithilfe von CDOs hat es die internationale Finanzwelt geschafft, das Risiko von Krediten so klein zu zerstückeln, dass es sich quasi in Luft aufgelöst hat. Kurz und gut, wir hätten auch ohne Boni vermutlich eine Finanzkrise gehabt. Internationale Ansätze, die den Banken wieder mehr Verantwortung für das Risiko ihrer Kredite zuschreiben, sind deshalb um einiges wichtiger als Managerboni. Das ultimative Gegengift gegen eine Finanzkrise gibt es nicht.

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