Sind das viele: 30.000.000 VW Golf

Die Geschichte des VW Golf ist eine Geschichte des technischen Fortschritts und des Aufstiegs einer Marke zum größten Autokonzern des Kontinents. Volkswagen war zu Beginn der 1970er-Jahre in Nöte geraten, die Pleitegeier kreisten über dem riesigen Werk in Wolfsburg. Mit dem Golf schuf VW dann aber einen Wagen, der sich als Bestseller entpuppte. 30 Millionen Wagen des Modells sind mittlerweile von den Bänder der VW-Fabriken gerollt.

Eine Glosse von Peter Zudeick

Ein Golf-Modell der ersten Generation. © VW Detailansicht des Bildes Die Wolfsburger Revolution hat einen Namen: Der Golf I. Jetzt bleibt mir doch vom Leib mit diesem blöden Golf. Was ist denn schon Besonderes an dieser Kiste? Ein Allerweltsauto. Dermaßen allerwelts, dass fast alle das Ding nachgebaut haben. Weltweit eine Form. Mal eher eckig wie in den 70ern, mal eher rund wie seit den 90ern - du kannst von Weitem gar nicht mehr erkennen, ob das nun ein VW oder Renault oder Fiat oder Honda oder Hyundai oder was auch immer ist. Jaja, Opel auch. Sogar Ford. Alles ist irgendwie Golf. Wie langweilig.

Und jetzt komm mir nicht mit Doppelkupplungsgetriebe und Multikollisionsbremse und GTI und GTD und was für'n Schnickschnack sonst noch. "Ein Optimum an Sicherheit, Komfort und Fahrspaß sind dank des Golf keine Frage des Geldes mehr", säuselt VW-Chef Winterkorn. Ja, und? Das hat Honda alles auch und ist billiger. Alle bauen Mittelklasseautos, die wie Luxusschlitten aussehen sollen. Das mag was fürs Ego sein, aber es ist nichts fürs Herz.

30 Millionen - ja, was heißt denn das schon? Massenfertigung, mehr nicht. Alles irgendwie austauschbar. Der Käfer - ja, das war noch ein anderes Ding. Als der millionste Käfer vom Band purzelte, da war aber was los in der Republik. 5. August 1955, wir erinnern uns noch alle. Die Wochenschauen überboten einander mit Jubelberichten, Fernsehen war damals noch nicht so verbreitet, die Nation stand Kopf, das war das symbolträchtigste Erfolgserlebnis der Wirtschaftswunderdeutschen nach der Fußballweltmeisterschaft 1954. Was sind dagegen schon 30 Millionen Golf? Eine Zahl, mehr nicht.

Der Käfer war was fürs Herz. Genau wie die Ente. Der deux chevaux von Citroen. Ja, gut, vielleicht noch der R4 von Renault. Auf jeden Fall aber der Fiat 500, der Topolino. Das waren Autos fürs Gemüt, weniger zum Fahren. All die Geschichten, die sich damit verbinden. Weißt du noch, wie wir mit unserem ersten Käfer nach Italien gefahren sind? Hatte der noch das Brezelfenster hinten? Nee, aber du musstest Zwischengas geben, weil die Gänge nicht synchronisiert waren. Und Seilzugbremsen, 200 Meter Bremsweg bei Tempo 40. Und dann den Brenner hoch, da gab's noch keine Autobahn. Und an allen dicken Kisten vorbei, denen das Kühlwasser kochte. Das ist der Stoff, aus dem Legenden gestrickt werden.

Ja, aber wir sind immer mit der Ente nach Südfrankreich. Hat ein bisschen gedauert bis Marseille, aber wir kamen an. Immer lässig den linken Arm aus dem Klappfenster raus, das immer dann runtersauste, wenn man nicht damit rechnete. Und dann das Rolldach. Kein Schiebedach, nee, eine Stoffbahn, die man aufrollen konnte. Und schon war man dem südlichen Himmel nah, so nah.

Oder Helga und Gerd, die sind doch mal im Fiat 500 nach Korsika. Quittengelb, das Ding. Baujahr 61. Kann mir mal einer sagen, wie man mit vier Leuten plus Gepäck in der Knutschkugel nach Korsika kommt? 1.328 Kilometer. Unfassbar. Obwohl: Knutschkugel hieß die BMW Isetta. Zweisitzer, mit Türe vorne. Aber immer noch geräumiger als der Messerschmitt Kabinenroller. Kein Lenkrad, sondern eine Art Motorradlenker mit Drehgasgriff. Wunderbar.

Und der Golf? Hat die 30 Millionen erreicht. Ja, super. Was für 'ne dolle Geschichte.

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NDR Info | Auf ein Wort | 14.06.2013 | 18:25 Uhr

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Autor
Journalist Peter Zudeick © NDR Online
 

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