Laute Empörung im stillen Örtchen
In den Urinalen im Stones-Museum pinkeln Männer in einen geöffneten Mund. mehr
Um was es nicht alles Wirbel geben kann - in diesem Fall hängen die "Aufregender" auf dem Männer-Klo in Lüchow.
An diesem Skandal kommt keiner vorbei. "Es ist ein Aufschrei durch die Bevölkerung gegangen" - mit dieser Begründung hat sich die Gleichstellungsbeauftragte mit dem wunderbar gleichbestellungs-beauftragtenmäßigen Namen Marianne Jönsson-Olm an den Museumsbetreiber gewandt. Die Urinale im Rolling-Stones-Museum im niedersächsischen Lüchow nämlich sind rot, geschwungen und eingerahmt von knallroten Lippen. Und das, findet Marianne Jönsson-Olm, ist eine unverhohlene Diskriminierung, eine frauenverachtende Entgleisung. Stones-Lippen im Stones-Museum. Unverhohlen, in der Tat.
Zunächst mal zur grundlegenden Erkenntnis, die sich hinter dieser Meldung verbirgt. Auf dem Männer-Klo geht es frauenfeindlich zu! Das macht schier sprachlos. Wo Männer mit entblößtem Gemächt nebeneinander stehen, da vermutet man doch eigentlich allenfalls einen freundlich-sachlichen Austausch über die richtige Zusammensetzung von probiotischer Zusatznahrung für Hauskaninchen. Und von den zotigen Sprüchen, die in Frauentoiletten an die Wände geschmiert sind, ist bei den braven Herren doch ganz sicher keine Rede.
Nun zum Aufschrei, dem bevölkerungsaufwühlenden. Ein gutes Dutzend Frauen, sagt Marianne Jönsson-Olm, habe sich bei ihr beschwert. Ein gutes Dutzend. Da sei eine Frage erlaubt: Was machen die auf dem Männerklo? Männer ausspähen mit legalen Mitteln? Also die Drecksarbeit für den Verfassungsschutz, der sich ja, so mussten wir gerade erst erfahren, den lieben langen Tag mit dem Ausschneiden von Zeitungsartikeln vertreibt? Oder ist es der alte Neid auf das Im-Stehen-Pinkeln, der zuletzt vor über einem Jahrzehnt von Ex-Tagesschau-Sprecherin Susan Stahnke mittels aggressiver Bewerbung von Urinalen für Frauen befeuert wurde? Nein, es wird der selbstlose Versuch gewesen sein, sich auch da unverhohlen diskriminieren zu lassen, wo man eigentlich das Privileg der vornehmen Abwesenheit genießen dürfte - schon aus Odeurgründen. Die wahre Hüterin der Frauenrechte, sie scheut auch den Gang in die Keramikausstellung nicht, wo kleine Königstiger nebeneinander stehen und sich - Achtung! - die Lippen nachziehen.
Das bringt uns zu einer weiteren Frage: Zu wem gehören diese knallroten Stones-Münder überhaupt - Männlein oder Weiblein? Sind es nicht eigentlich die Lippen von Mick Jagger himself, an denen jahrzehntelang mehr als ein Dutzend Frauen hingen? Und hat das nicht eine gewisse männerverachtende Kopfnote, am Urinal? Man hört ja immer wieder von einer gewissen Diskrepanz zwischen Müssen und Können im Angesicht der eigentlich doch zur Erleichterung gedachten Porzellanschüssel. Welche Wirkung hat es, wenn einem dieser zwergwüchsige Mann mit den viel zu engen Hosen fortwährend seine wulstigen Lippen entgegenstreckt? Kann man da überhaupt noch?
Marianne Jönsson-Olm jedenfalls, die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Lüchow, hat einen Vorschlag zur Güte gemacht. Man solle die Urinal-Münder doch einfach als Ausstellungsstücke mit ins Museum stellen. Frisch aus der Herrentoilette in die Sammlung. Da darf man nicht so kleinlich sein, auch als Hygienebeauftragter nicht. Gut, streng genommen wäre das vielleicht ein klitzekleines bisschen besucherverachtend, aber ach, was soll’s. Das erspart den armen Männern wenigstens die Anwesenheit von aufschreienden Frauen beim Austreten.