Seit 60 Jahren im Dienste der Krone

von Holger Senzel, NDR Info

Queen Elizabeth II. © dpa- Report Fotograf: Tom Pilston / The Independent Detailansicht des Bildes Kein Wunder, dass die Krone wie angegossen sitzt: Queen Elizabeth II. feiert schon ihr 60. Thronjubiläum. "How small would you like to have the talk" - wie klein hätten sie denn gern das Gespräch - soll die Queen bei einem Empfang mal zu einem Gast gesagt haben. Man weiß nie, ob diese Geschichten stimmen, denn die Königin selbst spricht weder mit Journalisten noch plaudert sie aus dem Nähkästchen. Unbestritten aber ist sie absolute Meisterin des Small Talk: Politik, Geld, Religion, Gesundheit - sämtliche Themen, die auch nur im Mindesten kontrovers sein oder beim Gesprächspartner Unbehagen auslösen könnten, weiß Elizabeth zu meiden. Beliebte Eröffnung dagegen: "Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise!" Das zeigt Interesse, blockt aber gleichzeitig unerwünschte Vertraulichkeit ab. Denn der Königin von Großbritannien zu entgegen: "Oh nein, es war ganz und gar scheußlich!" wäre ein furchtbarer Fauxpas.

Seit 60 Jahren dieses unergründliche Lächeln, die pastellfarbenen Kostüme mit den passenden Hüten, die Betondauerwelle - nur eben grauer. Winston Churchill ist lange tot, der Kalte Krieg vorbei, die Mauer gefallen, die Globalisierung hat die Welt verändert - und Elizabeth ist immer noch da. Für die Briten ist sie so etwas wie ein altes Sofa, das man liebgewonnen hat und nicht mehr wegzudenken ist, auch wenn die Wohnung inzwischen zigfach renoviert wurde. Würdig, erhaben, diszipliniert - ohne Skandale, Kredite und falsche Freunde. Man wüsste ja schon manchmal gern was sie denkt. Ob sie sauer ist auf ihren Mann Philip, wenn der sich mal wieder danebenbenimmt, etwa einen Beduinenfürsten fragt: "Sind Sie auf dem Weg ins Bett - oder wieso tragen Sie ein Nachthemd?!" Oder ob die beiden sich seine Sprüche gar klammheimlich zusammen ausdenken und dann abends darüber ausschütten vor Vergnügen, weil sie als Königin das leider nicht darf - aus der Rolle fallen. Wir werden es nie erfahren.

Ein Vorbild sein und in allen Lebenslagen Worte der Ermutigung für ihre Landsleute  finden - in dieser Rolle ist die Monarchin unumstritten. Bei ihrem Sohn Charles mag sich das ändern, wenn der den Job mal erbt - weil er schon vorher gegen den uralten königlichen Grundsatz verstieß: Eröffne ein paar Supermärkte, pflanze ein paar Bäume, aber gib nie, nie ein Interview.

Ach Du glückliches England - dachte ich, als ich kürzlich unser Staatsoberhaupt im Fernsehen gesehen habe. Wobei die britische Kollegin natürlich den Vorteil hatte, dass sie nicht ins kalte Wasser geworfen wurde und keinen Umzug von Hannover oder Liverpool in die große Hauptstadt bewältigen musste. Aber man soll sich keinen falschen Vorstellungen hingeben, auch wenn sie in einem Palast großgeworden ist: Elizabeth ist berühmt für ihre Sparsamkeit. Beim Picknick achtet sie sorgsam darauf, dass die Reste eingepackt werden, und abends geht sie als Letzte durch den Palast und kontrolliert, ob irgendwer irgendwo vergessen hat, das Licht auszumachen.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/auf_ein_wort/queen433.html
Sendung
Buchstaben aus bunten Nudeln rieseln von einer Hand © dpa-Zentralbild Fotograf: Jan-Peter Kasper
 

Auf ein Wort

Aktuelle Themen mit einem Augenzwinkern beleuchtet auf NDR Info. mehr

Sendetermin

Auf ein Wort wird montags bis freitags um 18.25 Uhr gesendet und als Wiederholung in den NDR Info Standpunkten um 20.50 Uhr.