Mr. President singt ein Lied

von Carsten Schmiester

Barack Obama hält eine Rede © dpa-Bildfunk Detailansicht des Bildes Falls es mit einer zweiten Amtszeit als US-Präsident nichts wird, stehen Obama die Türen zum Showgeschäft offen. Was haben Mitt Romney und Christian Wulff gemeinsam? Sie sind zurzeit ziemlich "uncool"! Der amerikanische Möchtegern- und der deutsche Immernochpräsident versuchen, Vorwürfe gegen sie aus der Welt zu schaffen, indem sie Dokumente ins Internet stellen. Im Fall des Bundespräsidenten waren es Hunderte Journalistenfragen und die meist wenig erhellenden Antworten. Beim Republikaner Romney sind es dessen Steuerbescheide. Der stinkreiche "Supersaubermusterami" soll nicht immer den vollen Steuersatz  bezahlt haben. Und Wulff? Naja, kennen wir inzwischen, der hat wohl nicht immer die volle Wahrheit gesagt. 

Das Internet dürfte dabei weder dem einen, noch dem anderen wirklich weiterhelfen. Im Gegensatz zum amtierenden US-Präsidenten Barack Obama, der mal wieder einen echten Netzhit gelandet hat. Seine im legendären New Yorker "Apollo"-Theater lässig geträllerte Version des Al-Green-Hits "Let’s stay together" ist als Video der Renner und weltweit millionenfach geklickt. Eine knappe Minute kurz nur - aber das reicht, um Obamas Ruf als "coolster" Präsident aller Zeiten zu festigen. Er ist halt ein toller Typ und dazu einer, der auch mal was riskiert. Hätte ja schiefgehen können, das mit dem Singen. Ging es aber nicht.

Der Mann hat eben nicht nur eine starke Stimme, er hat auch starke Nerven. Als er 2008 in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf US-Soldaten in Kuwait besuchte, schnappte er sich einen Basketball - und versenkte ihn vor laufenden Kameras aus beachtlich großer Entfernung sicher im Korb. Die Amerikaner waren total aus dem Häuschen. Wäre der Wurf daneben gegangen, seine Gegner hätten das Video als Beweis für Obamas Unfähigkeit bis zum Gehtnichtmehr ausgeschlachtet. Aber er hat nun mal getroffen und damit bei den Amerikanern Punkte gemacht, von denen seine republikanischen Herausforderer jetzt nicht mal träumen können.

Und das nicht nur einmal. Sommer 2009, das Weiße Haus, Obama ist Präsident und gibt einem Reporter des TV-Senders CNBC ein langes Interview. An dessen Inhalt erinnert sich heute keiner mehr genau, es ging wohl um gierige Börsengurus oder so. Ist auch egal, denn da war ja dieser "Obama"-Moment: Er peilt eine Fliege an, die ihn schon länger genervt hat und dann auch noch respektlos auf seiner linken Hand gelandet ist und erledigt sie eiskalt und - zack - blitzschnell mit der rechten. So macht man Image: Was kann schon schiefgehen mit Amerika, wenn der Boss so souverän Körbe wirft, Fliegen klatscht - und dann auch treffsicher die hohen Töne das alten Al-Green-Klassikers trifft? Klar, das ist alles Show und hat mit politischer Kompetenz nichts zu tun. Und trotzdem: Ich verstehe die Amis - und beneide sie um ihren Obama: Ist doch viel "cooler!, einen Präsidenten zu haben, der super singen kann, als einen, der auf dem letzten Loch pfeift ...!

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Buchstaben aus bunten Nudeln rieseln von einer Hand © dpa-Zentralbild Fotograf: Jan-Peter Kasper
 

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