Der kurze Weg vom Witz zur Wirklichkeit

von Detlev Gröning

Silvana Koch-Mehrin, FDP © dpa - Bildfunk Fotograf: Tim Brakemeier Detailansicht des Bildes Frau Ex-Doktor Silvana Koch-Mehrin. Schwer zu sagen, wie vielen Kabarettisten Silvana Koch-Mehrin die Butter vom Brot genommen hat. Die alten Hasen dieses Gewerbes kennen das Problem: Man findet einen total überdrehten Vergleich für einen merkwürdigen Sachverhalt, geht unter zufriedenem Glucksen ins Bett und stellt anderen Tags fest, dass die wahnwitzige Idee über Nacht ihren Weg in die Wirklichkeit gefunden hat. In diesem Fall war es eine sprachliche Weiterentwicklung des abgedroschenen Bocks, der zum Gärtner wird, scharfsinnig aktualisiert in der Formulierung "das wäre ja so, als ob Silvana Koch-Mehrin morgen in den EU-Wissenschaftsausschuss einzöge".

Ein kurzes Auflachen später sieht man sich mit der Fleischwerdung dieses Mördergags konfrontiert, und über dem heiteren Einfall von gestern kreist der Rotstift. Auch beim nächsten gewagten Satz bleibt der Ellbogen auf der "Entfernen"-Taste: Womöglich hat die frischgebackene Ex-Akademikerin ihren Posten auch noch von jemandem geerbt, dem gerade ebenfalls die Doktorarbeit unter laufendem Mandat zerpflückt wird. Sie ahnen es schon: Auch diese Idee ist zu schön, um nicht wahr zu sein. Jorgo Chatzimarkakis, das grundehrliche Gesicht der Griechenland-Pleite, der Mann, der das hellenische Büßergewand so aufreizend knapp wie kein anderer auf den politischen Laufstegen präsentiert, ausgerechnet unser "Chatzi" muss seinen Sitz für die kühle Blonde räumen, weil auch seine Dissertation unter einen gewissen, na, sagen wir mal "Anfangsverdacht" geraten ist.

Witze über die Liberalen sind echt zum Vabanque-Spiel geworden. Fehlt nur noch ein lustiger Vogel, der von der Bühne behauptet, die FDP wollte nach dem dritten Euro-Rettungspaket auch noch die Steuern senken; am Ende stimmt das womöglich, und der vermeintlich tollkühne Satiriker blamiert sich bis auf die Knochen.

Die Vollmitgliedschaft Silvana Koch-Mehrins im Forschungsausschuss hat übrigens einen sachlichen  Hintergrund. Telekommunikation und Informationstechnologie gehören zu den Aufgaben. Bitteschön: Wer außer K.T. zu Guttenberg kann auf so einschneidende Erfahrungen mit dem Internet zurückblicken?  "Ausweitung und Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse" heißt ein weiteres Ressort, wobei völlig nebensächlich ist, wessen wissenschaftliche Erkenntnisse in welcher Doktorarbeit verbreitet werden. Hauptsache, sie werden überhaupt verbreitet. Ach ja, und hier: "Abfallentsorgung" steht auch auf der Agenda, damit geplatzte Dissertationen nicht in der Bio-Tonne landen, sondern ordnungsgemäß ins Altpapier kommen.

Da stockt dem professionellen Spaßvogel doch der Bleistift, mit dem er gerade zu Papier bringen wollte, Koch-Mehrin im Wissenschaftsausschuss wäre doch, als würden Klaus Zumwinkel und Vatter Graf morgen den Vorsitz der Steuergewerkschaft übernehmen. Nein, halt, streichen Sie das! Sonst gibt´s morgen wieder ein böses Erwachen.

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Buchstaben aus bunten Nudeln rieseln von einer Hand © dpa-Zentralbild Fotograf: Jan-Peter Kasper
 

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