Bröd ohne Smör - Den Schweden geht die Butter aus

von Albrecht Breitschuh, NDR Korrespondent in Schweden

Ein Knäckebrot wird mit Butter bestrichen. © dpa picture alliance Fotograf: Joerg Beuge Detailansicht des Bildes Was ist, wenn den Schweden demnächst die Butter ganz vom Brot genommen wird? Es ist an der Zeit, mal auf die wirklichen Dramen hinzuweisen, die sich in Europa abspielen. Dass die Griechen knapp bei Kasse sind, wissen wir mittlerweile, aber sind ihnen deswegen die Oliven ausgegangen? Nein, weil es EU, EZB und IWF geschafft haben, über den EFSF und vor allem den ESM erst mal für Ruhe bei den PIIGS zu sorgen. Zu denen ja auch Griechenland zählt, deswegen das G. Was EU, EZB und IWF allerdings nicht auf dem Rettungsschirm hatten, war LCHF. Und LCHF sorgt dafür, dass in Schweden die Butter knapp wird.

Was ist, wenn den Schweden demnächst die Butter ganz vom Brot genommen wird? Gehen dann die Nordlichter aus? Oder droht sogar Europa zu scheitern? Vor allem aber: Was ist LCHF? LCHF ist eine neue Trenddiät in Schweden, ungefähr das Gegenteil von FDH. Bei LCHF - wir können der Einfachheit halber auch sagen Low Carb High Fat - geht es darum, sich möglichst fetthaltig zu ernähren und Kohlenhydrate zu vermeiden. Soll angeblich zu Gewichtsverlust führen, führt aber erst mal zu leeren Butterregalen. Was tun? Mehr melken wäre eine Möglichkeit, womit wir wieder bei EU, EZB, IWF und Eurokrise wären. Mehr melken hilft immer und wirkt sofort, weil Kühe und EU-Bürger nicht extra gefragt werden müssen. Aber reicht das auch auf Dauer, um die verunsicherten Buttermärkte zu beruhigen? Es ist in jedem Fall ein Wettlauf mit der Zeit.

Viele Skandinavier bangen um ihre Diäterfolge, ihnen zu helfen, sollte auch eine Frage der politischen Vernunft sein, denn nur ein stabiles, grundversorgtes und normalgewichtiges Schweden kann Europa weiterhelfen. Dass zwischen Währungs- und Butterkrise ein enger Zusammenhang besteht, hätten die Schweden eigentlich wissen müssen. Ihr früherer Ministerpräsident Göran Persson war es schließlich, der aus dem Nähkästchen geplaudert hatte, wie es bei den Euroverhandlungen zuging. Dort soll ein sehr angespannter Altkanzler Helmut Kohl massenweise Butter gegessen haben, um seine ganz persönlichen Haushaltsdefizite auszugleichen. Zunächst einen Teller mit zehn Stückchen zu je zehn Gramm, das aber reichte nicht, es wurde nachgeordert. Erst nach zwei weiteren Tellern konnten die Verhandlungen fortgesetzt werden. Der Kanzler aß weiche Butter für eine harte Währung, dünner wurde er übrigens nicht. Dem Schweden Persson kam das damals schon verdächtig vor, er und sein Land blieben der Eurozone fern. Heute werden die Schweden für ihre Krone gefeiert. Doch was nützt einem das stabilste Geld, wenn man nicht mal Butter dafür kaufen kann?

Autor
Albrecht Breitschuh, Auslandskorrespondent Skandinavien / Baltikum © ARD Foto
 

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Auf ein Wort wird montags bis freitags um 18.25 Uhr gesendet und als Wiederholung in den NDR Info Standpunkten um 20.50 Uhr.

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