Lena Bodewein
Lena Bodewein arbeitet bei NDR Info als Redakteurin in der Kulturredaktion.
Fascinators sind im britischen Ascot zukünftig nicht mehr gerne gesehen.
Das ist ein harter Schlag für die Herzogin von Cambridge und ihre royalen Artgenossen: Die kesse Kate darf beim altehrwürdigen Pferderennen von Ascot keinen ihrer so geliebten Fascinators mehr tragen. Während der typisch britischen Veranstaltung treffen sich Rennpferde und Modestuten und wetteifern um Aufmerksamkeit. Die Damen bedienen sich dazu gerne auffälliger Hüte der Kategorie "tote Tiere auf Frauenköpfen" - Prinz Williams Ehefrau und ihre Generationsgenossinnen griffen in den vergangenen Jahren aber lieber zum Fascinator, dem klitzekleinen Hutersatz, der irgendwie abenteuerlich schräg an der Kopfseite oder zur Stirn hin befestigt wird, getackert, geklebt, hauptsache, es hält.
Manchmal sieht es aus, als wäre ein Vogel auf ihrem Kopf geplatzt oder der Modist wäre in den Vorgarten gefallen. Federn und Blümchen sind nämlich Standard, aber wer die Hochzeit von William und Kate verfolgt hat, erinnert sich bestimmt auch an die sogenannte Brezel von Prinzessin Beatrice. Im Doppelpack mit ihrer Schwester Eugenie, die sich ein verrutschtes McDonalds-Käppchen mit Indianerschmuck in die Stirn gepappt hatte, gingen sie als die bösen Stiefschwestern aus Disneys Cinderella durch. Beatrice wurde übel für ihren Kopfputz verhöhnt: Außer einer Brezel sollte das Ding ein Elchgeweih sein, ein Alien oder Innereien. Souverän hat sie ihn dann bei Ebay versteigert und über 90.000 Euro für Kinderhilfswerke gespendet. Bitte sehr.
Das alles soll uns nun in Ascot entgehen. Hier sollen Hüte getragen werden, und zwar mindestens zehn Zentimeter im Durchmesser. Die Queen macht es vor mit ihren pastellfarbenen Torten. Oder Camilla, die immer irgendwelche Schneeverwehungen auf dem Kopf hat. Das wird Prinzessin Beatrice bestimmt nicht auf sich beruhen lassen, sie wird aufs Ganze gehen und mit einem großzügigen Landeplatz für Aliens auftreten.
Apropos Aliens: Es gibt ja so eine Gattung junger Männer oder derer, die sich noch für jung halten, das ist ja inzwischen bis weit in die Sechziger dehnbar, die immer eine Mütze tragen. Immer, auch drinnen. Eine Indoor-Mütze. So ein wolliges Ding, von dem man sich schon fragt, was darunter eigentlich lebt. Oder zumindest, wie es darunter riecht. Die Kerle eignen sich oft einen Ganzkörper-Zottel-Look an, wie ihn Ashton Kutcher, der Ex von Demi Moore gerade vorführt. Jaja, womöglich wollen sie ihre Glatze wärmen, schon klar. Aber es sieht, ganz ehrlich, endlos bescheuert aus. Männer, die ihre Mützen selbst aufsetzen, gehören zu der bemitleidenswertesten Spezies überhaupt. Sie setzen sie nie gerade auf, das Schild ist außen, ein Ohr rausgeklappt, es ist ein Bild des Jammers.
Das soll keinesfalls in ein Lamento über männliche Kopfbedeckungen ausufern, im Gegenteil: Ritterhelm, Dreispitz, Piratentuch, Stetson - es gibt wunderschöne Exemplare, die allemal viel einfallsreicher sind als diese schlunzigen Kaffeewärmer. Aber ausgerechnet die sind jetzt modern.
Ein Trost: Beim Pferderennen in Ascot dürften sie so nicht aufschlagen, allenfalls als Stallburschen. Und für den Einfallsreichtum auf dem Kopf - dafür haben wir unsere Prinzessinnen.