Bello, das Auslaufmodell

von Dörte Hansen, NDR Info

Golden-Retriever-Welpen spielen im Gras © NDR Detailansicht des Bildes Klassische Hundenamen wie Bello und Hasso sind out. Glamourös und originell müsssen sie heutzutage sein. Wie wäre es mit "Wulff"? Der arme Bello! Er ist der Horst unter den Hunden. Ein Auslaufmodell. Und Waldi oder Pfiffi können Sie heute auch lange in den Wald hineinrufen, da apportiert keiner mehr! Bello, Waldi oder Pfiffi sind für den Hund von heute im Grunde schon rufschädigende Namen. Früher war es einfach: Ein Hund war ein Hund. Buddeln, bellen, beißen, fertig. Mehr musste er nicht draufhaben, und weil "Hund" ein bisschen lieblos klang, nannte man ihn eben Bello oder Hasso oder irgendwas. Das war nicht glamourös und vor allem nicht originell.

Genau das muss ein Hundename heute aber sein, hat die Mainzer Germanistik-Studentin Eva Schaab herausgefunden. 1.000 Hundehalter befragte sie für ihre Magisterarbeit, und mehr als die Hälfte der Hundenamen, die sie ermittelte, kamen nur ein einziges Mal vor. Ihr Fazit: "Der Mensch will zeigen, wie lustig und einfallsreich er ist." Er - also, der Mensch jetzt! Nicht der Hund!

Lustig finden sich Hundehalter, fand Frau Schaab  heraus, wenn sie ihre Tiere zum Beispiel nach alkoholischen Getränken benennen: Jim Beam, Brandy, Tequila oder Calvados - wobei sich da auch gleich der zweite Hundenamentrend zeigt: es muss ein bisschen international sein. Also, Alkoholnamen ja, aber jetzt nicht Eierlikör oder Apfelkorn oder Dornkaat.

Wenn Sie Ihrem Hund schon einen Allerweltsnamen antun wollen, dann machen Sie es wenigstens so wie Ursula von der Leyen. Deren Labrador-Hündin heißt Struppi - aber übersetzt auf Französisch: Milou. Klingt gleich viel exquisiter. Und kosmopolitischer. 

Gern genommen - weil originell und auch irgendwie kritisch - sind ja bei Hundehaltern auch Politikernamen. Vielleicht nicht von der Leyen, aber ich kenne zwei Schröders und eine Merkel und könnte mir vorstellen, dass demnächst auch der eine oder andere Wulff an der Leine zerren wird.

Die Anforderungen an den modernen Hund sind immens gestiegen. Je nach Rasse muss er auf dem roten Teppich in einer Damenhandtasche eine gute Figur machen, in Altersheimen und Kindertagesstätten als Therapeut den Kopf hinhalten, als Kampfmaschine mit Nietenhalsband die Autorität seines Eigentümers unterstreichen oder als trendiger Allzweckhund fotogen und gut gelaunt aus dem SUV springen. Das ist definitiv nicht mehr die Generation Bello, es ist die Generation Benny, Sammy oder Gina.

Ciao, Bello, du musst nicht heulen. Benny wird in ein paar Jahren der Kevin unter den Hunden sein. Ein Auslaufmodell. Und wenn Kinder heute schon wieder Anton oder Grete heißen, dann heißen Hunde auch bald wieder Bello. Nicht glamourös, nicht originell - aber mal was anderes.

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