Winter in Davos: Merkel kommt, Jagger nicht

von Peter Zudeick

Ein Mann telefoniert mit dem Handy in einem Raum des World Economic Forums in Davos. © dpa bildfunk Fotograf: Laurent Gillieron Detailansicht des Bildes Auch hinter den Kulissen nicht zu sehen: Mick Jagger und das Weltwirtschaftsforum werden in diesem Jahr keine Freunde. Das ist eine Katastrophe. Nicht mehr und nicht weniger. Und das könnte der Anfang vom Ende von Davos sein. Ja, da wird auch weiter Ski gefahren, und das Weltwirtschaftsforum wird´s auch weiter geben. Und damit hat es sich. Alle Bemühungen, diesem Ereignis ein bisschen Event-Charakter zu verleihen, könnten jetzt schon gescheitert sein. Nur weil Mick Jagger nicht kommt.

Und bevor jetzt das große Geschrei losgeht von wegen: Wieso kein Event, da kommen die größten Wirtschaftsführer der Welt mit den bedeutendsten Staatenlenkern zusammen, und das soll kein Event sein? Nein, Freunde, ist es nicht. Da werden Geschäfte gemacht, Kunden kontaktiert und/oder akquiriert. Oder glaubt irgendeiner diesen Blödsinn mit der Weltverbesserung? Steht ja mal wieder - wie seit Jahren - auf der Tagesordnung von Davos. Wie niedlich.

Die Verursacher und Beschleuniger der internationalen Krise zerbrechen sich im Schweizer Schnee die Köpfe darüber, was denn bloß mit dem Kapitalismus los ist. Ja, klar. Weil der nicht mehr so richtig funktioniert. In ihrem Sinne. Weil sie nicht mehr genug daran verdienen. Das muss besser werden. Das verstehen die unter "Verbesserung des Zustands der Welt".

Ja, und dann die Politiker. Für die ist Davos eine monumentale Kontaktbörse. Die sogenannten Staatenlenker endlich mal Auge in Auge mit den tatsächlichen Herrschern der Welt, von denen sie sonst nur - meist anonyme - Marschbefehle und Handlungsanweisungen bekommen. Das muss man ja mal sehen: Da hängen doch nicht nur Firmenchefs rum, sondern auch die von Großbanken, Versicherungen, Pensionsfonds, Hedgefonds. Also die Jungs und Mädels, die ihr Spiel auf den Finanzmärkten spielen. Das Vertrauen der Märkte wiedergewinnen, das erzählen uns Politiker ja ständig, und damit ist gemeint: den Big Shots der Finanzindustrie in Davos schöne Augen machen.

Ist das öde, oder ist das öde? Es ist. Und deshalb soll mehr Glamour nach Davos. Bono kommt ja schon seit Jahren, das hat sich aber ein bisschen abgenutzt, weil er immer nur mit Angela Merkel rumknutscht. Angelina Jolie war schon da, Sharon Stone auch, Regisseur James Cameron, Pianist Lang Lang, Bestsellerautor Paolo Coelho - und so sollte das weitergehen. Ein bisschen mehr Bayreuth und Wiener Opernball und Hollywood nach Davos, ein paar Starlets mehr, auch mehr nackte Haut im Schnee, das würde aus Davos einen Event machen. Da lag Cameron ja ganz richtig. Also nicht James, sondern David Cameron, der britische Premier. Der hat das englische Model Lily Cole und eben Mick Jagger zu einem Afternoon Tea nach Davos eingeladen.

Was die da sollen? Lily Cole soll gut aussehen, und Mick Jagger einen Kussmund machen und mit dem Hintern wackeln. Und jetzt kommt er nicht, weil irgendwelche Deppen ihm parteipolitische Motive unterstellt haben. Mick Jagger und Parteipolitik! Was für’n Quatsch. Der will die Welt retten, was sonst. Wie alle in Davos. Und damit ist es jetzt vorbei, weil er nicht kommt.

Vielleicht wollte er aber auch nur eine Gratis-Schlagzeile haben, weil in letzter Zeit eher weniger über ich geredet wird. Dann wären ihm alle auf den Leim gegangen. Wir auch. Aber damit muss man leben.

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Buchstaben aus bunten Nudeln rieseln von einer Hand © dpa-Zentralbild Fotograf: Jan-Peter Kasper
 

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