Als Helmut Schmidt Europa und die SPD rettete

von Georg Schwarte, NDR Info

Altkanzler Helmut Schmidt hält eine Rede auf dem SPD-Parteitag in Berlin. © dpa Fotograf: Hannibal Hanschke Detailansicht des Bildes Das wäre doch mal was: Ab ins Kanzleramt im Alter von 92 Jahren. "Wo sind meine Zichten?" Der Altkanzler schaut verstört in die Runde. "Hallo Fräullein, holn Sie mir doch mal eine Packung mit Mentholgeschmack." "Helmut", flüstert Gabriel verstört. "Das ist Manuela Schwesig". "Wer?" fragt der Milleniums-Ökonom verstört. "Schleswig? Naja, ich kannte meine Referenten früher auch nie mit Namen. Egal. Hier sind drei Deutsche Mark. Und jetzt die Zigaretten bitte."

"Helmut", flüstert Peer Steinbrück. "Wir haben doch seit ein paar Jahren den Euro." "Aber nicht mehr lange", johlt Wowereit von links und haut dem Genossen Steinbrück herzhaft von hinten auf die Schulter. Peer guckt giftig. "Geh Du mal Berlin regieren, Du Pausenclown. Hier reden jetzt die Erwachsenen." Wowereit isst beleidigt eine Currywurst. Schwesig schaut währenddessen versonnen auf die drei D-Mark-Stücke und murmelt was von 1990, als sie das Begrüßungsgeld umgehend in einen Stabmixer der Marke Moulinette investierte habe.

"Also, wie ich schon sagte. Als ich mit Jean Monet, damals Europa erfunden habe …", hebt Helmut Schmidt zum zweiten Mal an. "Monet. Monae? War das nicht der französische Klekser? Impressionist, oder Expressionist? Naja, besser Seerosen als Seeheimer." "Mein Gott Nahles, jetzt halt doch mal die  Klappe", blafft Steinbrück dazwischen. "Der Kanzler spricht zu uns." "Schon wieder?" "Immer noch", zischt Steinmeier. "Wo bin ich?" fragt Helmut Schmidt. "Gewissermaßen in Europa, Helmut. Sie sind in Europa", assistiert Steinbrück, der mit Zettel und Stift vor dem Rollstuhl liegt und mitschreibt. "Ganz richtig, Peer, Sie sind sssstets auf der Höhe der Zeit.  Also, als ich damals nach den Kreuzzügen zusammen mit Charles de Gaulle Europa gründete …"

Georg Schwarte © ARD-Hauptstadtstudio Fotograf: Reiner Freese Detailansicht des Bildes Hauptstadtkorrespondent Georg Schwarte macht sich so seine Gedanken um die SPD und ihre Protagonisten. "Charles de Gaulle? Da hab' ich auch schon mal nen Koffer verloren. Grauenhafter Flughafen. Typisch Franzosen eben. Können nix außer dicke Hose mit kurzen Beinen", sagt Andrea Nahles und guckt auf den Anzug von Siegmar Gabriel. Der läuft SPD-purpurfarben an und murmelt was von alter Krampfhenne. Helmut Schmidt faltet die Hände und versinkt in tiefes Schweigen. "Da habt ihrs. Jetzt will er nicht mehr", faucht Gabriel. "Kann er denn nicht mal für drei Stunden einen Gedanken entwickeln, ohne dass er ständig dabei unterbrochen wird? Ist ja wie im Präsidium." "Deshalb schaffen wir es ja auch ab", sagt Hannelore Kraft, die ein klitzekleines bisschen beleidigt ist, weil der Kanzler gestern von nationaler Kraftmeierei gesprochen hatte. "Dich hat er sicher nicht gemeint", sagt Olaf Scholz. "Dich kennt er nämlich gar nicht, unser Kanzler." "Ach was", sagt Hannelore, "pass Du mal lieber auf, dass Dir die Elbphilharmonie nicht auf Deine feinen Budapester Schühchen fällt. Du Hamburger Schnösel."

Schnösel-Scholz guckt hanseatisch sparsam und blättert zur Beruhigung hastig in ein paar Akten. "Also, wenn ich mal was sagen dürfte", hebt Kurt Beck an. "Ach nää, spar Dir das für Deine Zeit als Bundespräsident", meint Gabriel und wendet sich dem Kanzler zu. Helmut Schmidt schläft.

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Buchstaben aus bunten Nudeln rieseln von einer Hand © dpa-Zentralbild Fotograf: Jan-Peter Kasper
 

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