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Musik von allen Erdteilen - das ist Radio Globo.
In Radio Globo präsentiert das Nachtclub-Team facettenreiche Musik aus allen Teilen der Erde - mit gründlich recherchiertem Hintergrund. Die Moderatoren der 55-minütigen Sendung sind Klaus Frederking und Holger Janssen.
Marseille
Porte du Sud - Musik aus einer schwierigen Stadt
Eine Sendung von Holger Janssen
Albert Londres, investigativer Journalist des beginnenden 20. Jahrhunderts, hat seine Heimatstadt schon 1937 als Tor zum Süden beschrieben: weit geöffnet gegenüber Afrika und den Ozeanen der Welt. Das Mulitkulturelle dieser Stadt am Mittelmeer aber zeigt nicht immer ein gutmenschliches Gesicht. Fremdenfeindlichkeit und Kriminalität machen den Bewohnern von Marseille das Leben schwer.
Als "Kulturhauptstadt 2013" bemüht sich die Stadt um ein reichhaltiges Angebot an Musik, die versucht, das Trennende aufzuheben oder wenigstens zu konterkarieren. Aber weder einheimische Gruppen wie Lo Cor de la Plana, La Mal Coiffée, Barrio Chino oder das Massilia Soundsystem können die enormen Spannungen zwischen den nördlichen und südlichen Vierteln der Stadt vergessen machen. Und die fremden Stipendiaten der "Cité de la Musique" bewegen sich hier auf hartem Pflaster.
Dennnoch: Ohne seine Musik wäre das Tor zum Süden längst zugefallen für alle, die die Hoffnung auf ein Miteinander statt des Neben- und Gegeneinanders nicht aufgeben wollen.
Volks-Musik
30 Jahre Laibach
Eine Sendung von Ralf Dorschel
Volk und Vaterland, Nation und Nihilismus: Laibach werden gern mal missverstanden. Genau genommen sind Missverständnisse sogar Brot und Butter der Slowenen, die von sich sagen: "Wir erwarten nicht, dass das Publikum versteht, was wir tun. Sie sollen einfach ein Teil davon werden."
Laibach sind nicht einfach eine Rockband. Laibach verstehen sich als Gesamtkunstwerk, sind Teil einer Bewegung - jahrelang nannte die sich "Neue Slowenische Kunst", druckte Pässe und Briefmarken und wählte eine Regierung. Rockmusik ist für Laibach keine Lebenshaltung, sondern ein Mittel zum Zweck. Ein Subjekt - Theorie und Praxis der Massenmanipulation.
Am liebsten konfrontieren Laibach die Musikwelt mit deren eigenen Klischees. Was selten schön ist: Mit auf den militanten Kopf gestellten Cover-Versionen von Pop- und Rock-Klassikern wurden Laibach Ende der 80er berühmt: Die Beatles und die Stones, Queen und jene österreichische Eintagsfliege Opus - so martialisch, so bombastisch, so kalkuliert auf die totalitäre Spitze getrieben hatte man ihre Songs noch nie gehört. Wollte man sie eigentlich auch nie hören. Wie Laibach auf dem Album-Klassiker "Opus Dei" aus Queens "One Vision" ein faschistisches Manifest und aus Opus' "Life is Life" den Soundtrack zu einem Fackelzug machten - das war beispiellos. Sollte es ja auch sein.
1983 war das Künstlerkollektiv das erste Mal im Studio. Kontroverse Performances, brachiale Provokationen und ein jahrelanger Kampf mit den Behörden Jugoslawiens sorgten für ein Aufmerken auch in Westeuropa. Dann kam "Opus Dei", Laibach wurden vom Hamburger Schauspielhaus eingeladen, spielten mit Elementen aus Industrial, Techno, Wagner und Walhall. Bands wie Rammstein übernahmen die Ästhethik und das Spiel mit der Provokation. Und beantworteten alle Fragen nach der Attitüde geduldig: Man sei so sehr Nazi wie Hitler ein Maler gewesen sei.
Offen für Fragen blieb über Jahre ihre Intention. Wobei es ja nie so war, dass Laibach sich nicht erklärten. Ganz im Gegenteil. Sie erklärten sich überall, in Reden, Pamphleten, Deklarationen - am Pult, mit Uniform und Seitenscheitel. Kundige Anfragen großer Medien wurden in Schriftform beantwortet - mit immer neuen Manifesten.
Und 30 Jahre nach ihren Anfängen sind die Slowenen nun endlich Kult. Und nicht mal mehr umstritten. Zu verdanken haben sie das dem finnischen Film "Iron Sky". Nazis hinterm Mond - und dazu ein gewohnt pompöser Soundtrack von Laibach. In der Turbinenhalle der Londoner Tate Modern sind sie danach aufgetreten, haben in den Clubs ihren elektronischen Blick auf die Nationalhymnen des Globus geworfen. Derzeit werden viele Alben von Laibach neu aufgelegt und bearbeitet - auch die schwierigen frühen Experimente. Wer fragt, bekommt plötzlich vernünftige Antworten. Die Kunstszene macht ihren Frieden mit den Slowenen, die Musikszene hat nach wie vor ihre Schwierigkeiten mit diesem stickigem Bombast.
Und Humor? Haben Laibach immer weit von sich gewiesen: Humor ist für Schwächlinge. Laibach, so sagen Laibach, haben doch schließlich eine Mission: Das Böse soll endlich die Nerven verlieren.
"Volks-Musik" wirft einen Blick auf 30 Jahre Kunst und Kontroversen rund um Laibach. Und bringt die besten Songs im Zeichen des rustikalen bandeigenen Hirschgeweihs.
Die Playlists zur Sendung: